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Fahrzeugzuwachs setzt sich fort

Kraftfahrzeuginnung: Gesicherte Mobilität heißt für die meisten Menschen eins von 1,65 Millionen Autos vor der Tür

Autos, Autos, Autos so weit das Auge reicht. Und kein Ende des Zuwachs in Sicht. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Autos, Autos, Autos so weit das Auge reicht. Und kein Ende des Zuwachs in Sicht. Foto: A. Becher

WAIBLINGEN/STUTTGART (teb). Die Zahl der Menschen in der Region wächst. Die Zahl der Autos auch: Seit September 2018 sind fast 22400 Pkw in der Region dazugekommen. Aktueller Stand zum 30. September: 1,654 Millionen Personenkraftwagen. „Sogar Stuttgart, das vom ÖPNV-Angebot verwöhnt wird, hat mit über 304000 einen neuen Höchststand erreicht“, sagt Christian Reher, Geschäftsführer der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart.

Im Kreis Böblingen liegt der Bestand bei fast 255000 Pkw. Im Kreis Esslingen bei nicht ganz 332500, im Kreis Ludwigsburg bei fast 334000, im Rems-Murr-Kreis bei rund 264000 und im Kreis Göppingen bei rund 165500 Pkw. „Das sind überall neue Spitzenwerte“, fasst Obermeister Torsten Treiber den aktuellen Stand zusammen. Und zieht daraus die Schlussfolgerung: „Gesicherte Mobilität heißt für die meisten Menschen ein Auto vor der Tür und nicht nur die Monatskarte in der Tasche.“ ÖPNV und Auto seien kein Gegensatz: „Die ergänzen sich.“ Was die aktuellen Zahlen in beiden Bereichen bewiesen: „Der VVS fährt Fahrgastrekorde ein, bei den Kraftfahrzeugen haben wir dennoch Besitzstandrekorde.“

„Keiner sollte sich etwas vormachen, beide Angebote stehen im Wettbewerb, das ist klar“, sagt Reiner Äckerle, Kreisvorsitzender im Rems-Murr-Kreis. „Keiner kauft sich ein Auto, wenn er es nicht braucht.“ Ob Elektroauto oder Verbrenner, SUV, Kombi oder Kleinwagen: „Wer für eine vierköpfige Familie ein Einkaufs- und Urlaubsauto braucht, weil Aldi drei Kilometer weg ist und die Ötztaler Alpen, Italien oder die Ostsee auch nicht um die Ecke, bewegt sich immer zwischen Nutzen, Spaßfaktor und Kosten, wie jeder andere auch. Jeder guckt, dass für ihn die Rechnung aufgeht.“

Noch rund 76000 Diesel-Pkw im Rems-Murr-Kreis unterwegs

Das Ergebnis lässt sich an den Zulassungszahlen und an den Bestandszahlen ablesen. Wobei die Zulassungszahlen vom September zwar mächtige zweistellige Werte aufweisen. Allerdings durch die Umstellung auf den WLTP-Test vor einem Jahr nicht unbedingt verlässliche Werte liefern, weil viele Autos im September vor einem Jahr nicht ausgeliefert werden konnten. „Die Bestandszahlen sind da verlässlicher“, sagt Reher, „wenn das neue Auto nicht kam, sind Firmen und Privatleute eben das bisherige weitergefahren.“ Die Bestandsentwicklung gibt für die Kraftfahrzeugbetriebe im Rems-Mur-Kreis Anlass zur Freude: „Wir haben uns durchaus Sorgen gemacht, welche Folgen der Dieselskandal und die massive Verteufelung des Autos samt dem Verkehrs- und Durchfahrtsverbot für Euro-4-Diesel in Stuttgart haben könnte“, sagt Äckerle. Inzwischen ist klar, „die Menschen verzichten nicht aufs Auto. Sie kaufen sich ein anderes, wenn sie dazu gezwungen werden.“ Das beste Beispiel dafür ist die Tatsache, dass die Zahl der Euro-4-Diesel bis Ende September in Stuttgart auf etwas über 6000 gesunken ist, bei einer Gesamtzahl von nicht ganz 85000 Dieseln.

Im Rems-Murr-Kreis sind aktuell rund 76000 Diesel-Pkw in Einsatz. 755 kamen als gebrauchte Diesel in den Bestand (42 weniger als im Vorjahr gleich minus 5,3 Prozent). WLTP spielte hier keine Rolle. Bei den Neuwagen dagegen vermutlich schon: „Da haben wir mit 1481 Pkw ein Zulassungsplus von 328 Pkw oder 28,4 Prozent, das seine Wurzeln im Lieferengpass 2018 haben dürfte“, sagt Reher. Neue Diesel gab es unter den Neuwagen auch: 399 von denen sind nagelneue Diesel. Die Zahl der Neuzulassungen stieg damit um 91 oder 29,5 Prozent.

Bei den Elektroautos liegt der Bestand laut Zulassungsstelle bei 918. „Das sind zwar fast 64 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber am Bestand haben diese Autos leider erst einen Anteil von nicht ganz 0,4 Prozent“, sagt Reher. „Leider, weil die Kfz-Betriebe mit deutlich mehr E-Autos gerechnet haben. Und selbst, wenn wir Plug-in- und Vollhybride dazunehmen, sind wir erst bei 1,4 Prozent. Der Durchbruch ist das nicht.“ Immerhin sei es aber zusammen mit den konventionellen Pkw „eine gesicherte Basis für die Arbeit unserer Werkstätten und damit für die Arbeitsplätze in unseren Betrieben“.

Den Durchbruch in Richtung Klimaneutralität verspricht sich Treiber ohnehin von einer anderen Lösung: „Wer schnelle Erfolge beim Klimaschutz will, muss E-Fuels anbieten.“ Als E-Fuels werden synthetische Kraftstoffe bezeichnet, die mittels Strom aus Wasser und Kohlendioxid hergestellt werden. „Damit ließen sich die heute noch rund 260000 Verbrenner im Kreis problemlos bis zum Ende ihrer Lebenszeit nutzen. Denn wir haben ausgesprochen nachhaltige Autos, die einfach zu verschrotten, wäre definitiv keine klimafreundliche Lösung.“

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Erstellt:
7. November 2019, 16:00 Uhr

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