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Farb- und Form-Harmonie aus Blüten

Ein eingespieltes Team um Christina Zügel gestaltet den Blumenteppich für die Murrhardter Fronleichnamsprozession

Sonntagmorgen, 6 Uhr: Während die meisten Einwohner der Walterichstadt noch schlafen, sind auf dem Marktplatz bereits einige Arbeiter fleißig am Werk. Vor dem Rathaus wird ein Altar aufgebaut, und eine künstlerisch-kreative Gruppe legt den Blumenteppich für die Fronleichnamsprozession aus.

Kreieren einen Teppich aus Blumen (von links): Gudrun Martens, Christina Zügel, Silvia Dyckmans, Heinrich Dyckmans und Sabine Rupp.Foto: E. Klaper

Kreieren einen Teppich aus Blumen (von links): Gudrun Martens, Christina Zügel, Silvia Dyckmans, Heinrich Dyckmans und Sabine Rupp.Foto: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. In der Mitte des kreisförmigen Bildes, eine prächtige Harmonie der Farben und Formen, verlaufen Noten aus buntem Kies über ein Kreuz aus Rindenmulch in einem Feld aus Rasenschnitt. Den Rahmen bildet der Schriftzug „Du bist ein Ton in Gottes Melodie“. Die Buchstaben und Ränder werden aus Blumenerde geformt, die Zwischenräume mit Blüten von Rosen, Pfingstrosen, Gerbera und anderen Pflanzen gefüllt. „Wir wollen so unseren Glauben leben, unsere Kirchengemeinde mitgestalten und diese alte Tradition weiterführen“, erklären Christina Zügel, Silvia und Heinrich Dyckmans, Sabine Rupp und Gudrun Martens, was sie dazu motiviert. Alle sind vielfältig ehrenamtlich engagierte Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde St. Maria und bilden seit etwa zehn Jahren ein eingespieltes Blumenteppich-Team. „Während wir den Blumenteppich auslegen, feiern wir schon gedanklich Gottesdienst“, erzählt Sabine Rupp, und für Silvia Dyckmans ist es wie eine Meditation. „Seit zwöf Jahren arbeite ich im Blumenteppich-Team mit. Von Heinrich Dyckmans, der es zuvor einige Jahre leitete, habe ich gelernt, wie es geht, und nach zwei Jahren dessen Aufgabe übernommen“, berichtet Christina Zügel. Um den Blumenteppich zu gestalten, „überlege ich, wie das Thema als Motiv mit welchen Elementen und Symbolen bildlich umgesetzt werden kann. Dazu mache ich farbige Skizzen auf eine Folie, auf die wir direkt die Materialien legen“, erläutert die Gymnasiallehrerin, die in Schwäbisch Hall unterrichtet.

Je nach Thema und Klimabedingungen „verwenden wir dazu verschiedene farbige Blüten, Blätter und Rasenschnitt, aber auch Blumenerde und Rindenmulch, Rinde und Holzstücke, Sägespäne und bunten Kies.“ Am Samstag werde alles abgegeben und vorbereitet: „Viele Mitglieder der Kirchengemeinde spenden Blumen und Grün“, berichtet Christina Zügel. Zusätzlich sorge sie dafür, dass genügend weitere Materialien für die Gestaltung des Blumenteppichs am Sonntagmorgen zur Verfügung stehen. Denn laut Pfarrer Andreas Krause feiern die Katholiken der Walterichstadt seit 2005, als der frühere katholische Pfarrer von Sulzbach an der Murr starb, das Fronleichnamsfest erst am Sonntag nach dem Feiertag, da zwei Festgottesdienste mit Prozessionen an einem Tag zeitlich und organisatorisch nicht möglich wären. Am Sonntagmorgen „besprechen wir, mit welchen Farben und Materialien wir das Bildmotiv umsetzen und darstellen können“, erläutert Christina Zügel. Nach etwa zwei Stunden ist der Blumenteppich vor dem Rathaus fertiggestellt. Als Murrhardter Besonderheit entsprechen Thema und Motiv des Blumenteppichs seit einigen Jahren dem Motto der Erstkommunion. So werde die Verbindung der Mädchen und Jungen, die heuer erstmals die Kommunion feierten, zur Kirchengemeinde und zum Fronleichnamsfest gestärkt, verdeutlicht Krause.

In den Nachkriegsjahren entstand die katholische Kirchengemeinde in Murrhardt, als viele Vertriebene und Flüchtlinge herkamen und ihre Glaubenstraditionen mitbrachten. Seit damals waren Blumenteppiche vor den Stationsaltären fester Bestandteil der Fronleichnamsprozession. Diese führte bis Anfang der 1990er-Jahre „von der Kirche durch die Werrensiedlung, wo die meisten Katholiken wohnten“, erinnert sich der langjährige Organist und Chorleiter Rudolf Marx. „Mehrere Familien und Gruppen gestalteten Blumenteppiche mit verschiedenen Motiven für die vier Altäre in der Kaiser-Ludwig-Straße, Wiesenstraße, Jägerstraße und Blumstraße“, erzählt Ludwig Franke. „Das waren schon immer symbolische Darstellungen des Leibes und Blutes Jesu Christi, wie Brotlaib und Weinkelch, Ähren und Trauben, aber auch Zeichen des Glaubens, wie das Kreuz“, erinnert sich der langjährige frühere Kirchengemeinderat. Die große Stadtsanierung in den 1980er Jahren, als der Verkehr von der Hauptstraße auf die Innenstadt-Tangente umgelenkt wurde, ermöglichte es, den langgehegten Wunsch der Katholiken zu erfüllen und die Fronleichnamsprozession ins Zentrum der Walterichstadt zu verlegen. „Seit 1992, als die Theodor-Heuss-Straße fertiggestellt und die Fußgängerzone geschaffen war, verläuft der Prozessionsweg durch die Innenstadt“, erklärt der ehemalige Kirchenpfleger Franke.

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Erstellt:
4. Juni 2018, 06:00 Uhr

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