Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Flüchtlinge sollen Engpass bei Lokführern verringern

dpa/lsw Mannheim. Der Beruf des Lokführers hat sein Renommee verloren. Der Markt für die Triebwagenführer ist leer gefegt, Nachwuchs ist rar. Jetzt naht von unerwarteter Seite Hilfe für die in Bedrängnis kommenden Eisenbahnunternehmen.

Ein Lokführer im Führerstand eines Diesel-Triebwagens der Deutschen Bahn. Foto: Daniel Karmann/dpa/Symbolbild

Ein Lokführer im Führerstand eines Diesel-Triebwagens der Deutschen Bahn. Foto: Daniel Karmann/dpa/Symbolbild

In einem bundesweit einzigartigen Projekt werden in Baden-Württemberg Flüchtlinge zu Lokführern ausgebildet. Sie sollen die Personalnot der Eisenbahn-Verkehrsunternehmen lindern helfen. Schätzungen zufolge fehlen derzeit mehrere Tausend Lokführer in Deutschland. Die ersten 15 Flüchtlinge im Alter von 22 bis 36 Jahren haben in Mannheim ihre einjährige Ausbildung zum Triebwagenführer begonnen. Die meisten kommen aus Syrien, aber auch Marokko, Tunesien oder Sri Lanka sind vertreten. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte am Mittwoch in Mannheim: „Wir haben ein Problem: Jeder vierte Zug fällt aus oder kommt zu spät, weil ein Lokführer ausfällt.“

Anfängliche Bedenken nach dem Motto „So weit ist es schon gekommen“ könne er mit Blick auf den Personalnotstand im früheren Traumberuf kleiner Jungen nicht nachvollziehen. „Lokführer kann man nicht auf Markt kaufen.“ Und Qualifizierungskurse stünden allen offen.

Die Auszubildenden mit gesichertem Aufenthaltsstatus haben Verträge mit der Albtal-Verkehrsgesellschaft, Go-Ahead, Abellio und der MEV- Eisenbahnverkehrsgesellschaft. Ihre Vorbildung erlangten sie in verschiedenen Bereichen. Im Simulatorraum sitzt ein Ex-Jurastudent neben einem Elektrotechniker und einem ehemaligen Medizinstudent.

Das Interesse sei erheblich gewesen. Eine zweite Klasse hätte sich nach Angaben der Organisatoren aber nicht bilden lassen, weil bei einigen die nötigen Sprachkenntnisse fehlten oder der Aufenthaltsstatus nicht sicher war. Ein ähnliches Projekt unter Beteiligung der Deutschen Bahn startet 2020 ebenfalls in Baden-Württemberg.

Ein vom Land finanzierter Integrationscoach soll den Männern bei Verständigungsproblemen und Behördengängen helfen. Er soll auch verhindern, dass sie den Kurs abbrechen. Nach Worten des Ministers ist vor allem das „Eisenbahnerdeutsch“ eine hohe Hürde. Wegen der Personalknappheit baue das Land einen Lokführerpool auf, aus dem Unternehmen Personal ausleihen dürfen. Das sei aber teuer und enthebe die Eisenbahn-Unternehmen nicht der Verantwortung für die Ausbildung.

Das mehr als eine Million Euro teure Modellprojekt war vom Land gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit ins Leben gerufen worden. Es hat zum Ziel, dem Personalmangel in der Bahnbranche zu begegnen und gleichzeitig Menschen mit Fluchterfahrung in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu integrieren.

Zum Artikel

Erstellt:
30. Oktober 2019, 18:35 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!