Freibad in Erbstetten ist bei Unwetter „mit blauem Auge davongekommen“

Das Bädle in Erbstetten wird in absehbarer Zeit wieder seine Pforten für Besucher öffnen können. Bereits nach zwei Tagen konnte auch die Kläranlage wieder in Betrieb gehen. Die Beseitigung aller Schäden zieht sich jedoch noch über Monate hin.

Das Becken vom schlammigen Wasser zu befreien, ist gar keine so leichte Aufgabe. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Das Becken vom schlammigen Wasser zu befreien, ist gar keine so leichte Aufgabe. Foto: Alexander Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

Burgstetten. Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Das Bädle in Erbstetten wird wieder öffnen. Uwe Meyners, langjähriger Bademeister der beliebten Schwimmbads, gibt eine sehr vorsichtige Schätzung ab: Man hoffe, am Samstag, 20. Juli, wieder öffnen zu können. Aber das sei nur möglich, wenn im Vorfeld alles reibungslos funktioniert. Eventuell werden es sonst ein paar Tage später. Aber sicher ist: Die Freibadsaison ist in Erbstetten noch nicht vorbei.

Noch immer ist die gute Seele des Bädles fassungslos darüber, was am 26. Juni passiert ist. „Ich dachte, es gibt nur einen ganz normalen Schauer“, erinnert er sich an diesen Mittwochnachmittag. Es habe auch noch keinerlei Warnungen gegeben, der Regen habe sich kurzzeitig sogar abgeschwächt. Doch dann habe es richtig zu schütten angefangen, schließlich sei auch die Warnmeldung gekommen. „Und da hat man auch schon gesehen, wie es von den Feldern runterläuft“, sagt Meyners. Die Straße, die am Bädle vorbeiläuft, sei schnell geflutet gewesen. Einige erwachsene Badegäste mit zwei Kleinkindern hatten auf ein schnelles Ende des Regens gehofft und waren auf dem Freibadgelände geblieben. Gemeinsam habe man sich auf den höchsten Punkt zurückgezogen. Die alarmierte Feuerwehr war schnell gekommen, mithilfe eines Seils als Haltehilfe habe man das Gelände dann verlassen können.

Bauhof und Feuerwehr waren innerhalb kürzester Zeit stark gefordert, nicht nur durch den Arbeitseinsatz, sondern auch durch die notwendige Priorisierung von Aufgaben, da die vorhandenen und begrenzten Kräfte möglichst effektiv einzusetzen waren. In einer solchen Extremsituation muss blitzschnell überlegt werden, wo zuerst Hilfe zu leisten ist. Dabei hat beispielsweise die Personenrettung stets Vorrang vor anderen Notsituationen.

Warten auf trockene Witterung

Noch am Abend wurde damit begonnen, aufzuräumen und den Freibadbereich zu säubern. Begeistert zeigt sich Uwe Meyners von dem Engagement der Bürgerschaft: „15 bis 20 Helfer sind spontan gekommen, ohne dass man gefragt hatte.“ Auch ein ortsansässiger Elektriker sei sofort zur Stelle gewesen, um den Schaltschrank zu überprüfen. Bereits beim Hochwasser Anfang Juni habe dieser sich sofort um die Elektrik im Bädle gekümmert, lobt Meyners seinen Einsatz. „Es ist immer wieder schön, zu sehen, wie die Bevölkerung mithilft.“

Die Gebäude konnten zügig entwässert werden, allerdings dauerte es bis zum vergangenen Montag, bis das Becken abgelassen werden konnte. Es bestand die Gefahr, dass es durch hochdrückendes Grundwasser aufgetrieben und beschädigt werden könnte. Daher hatte man abgewartet, bis es vom Wetter her etwas trockener wurde. Mittlerweile konnten das Wasser und auch der Schlamm entfernt werden. Eine Herausforderung für die Leitungen, die natürlich auf den Transport klaren Wassers ausgelegt sind und daher immer wieder von Verstopfungen durch Schlamm befreit werden mussten. Hierbei hatte Uwe Meyners tatkräftig Hand angelegt. „Sowohl die Leitungen vom Becken zum Filter als auch vom Filter zurück zum Becken werden gerade durchgespült“, erläutert er. Erst wenn diese ganz sauber sind, kann das Wasser, rund 650 Kubikmeter, wieder eingefüllt werden.

Die Höhe der Schäden kann noch nicht beziffert werden. Es ist erst abzuwarten, ob alles wirklich funktioniert, doch der Bademeister ist zuversichtlich. Alles in allem sei man mit einem blauen Auge davongekommen, vergleiche man die Situation im Bädle mit anderen Betroffenen, findet Uwe Meyners. Auch wenn man mittlerweile Regenwolken durchaus mit anderem Blick betrachte, da innerhalb eines Monats gleich viermal Land unter war: „Bei jedem Regenschauer ist man nur am Schauen, was der Bach macht.“

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Ebenfalls glimpflich abgelaufen ist es für die Kläranlage in Burgstall. Mehrfach betont Klärwärter Peter Stelzle, wie gut die Anlage gebaut sei, da sich nicht nur die Schaltwarte, sondern auch mehrere Becken auf höherem Niveau befinden und somit nicht vom Hochwasser oder Starkregen des vergangenen Monats betroffen worden seien. Auch haben sich die Investitionen in neue Techniken in den vergangenen Jahren ausgezahlt. Zeitweilig sei das Wasser, vermischt mit Schlamm, etwa 140 Zentimeter über dem normalen Wasserstand in den Becken des unteren Bereichs gestanden. Wären die Pumpen beschädigt worden, hätte man mit Reparaturwartezeiten von vier bis acht Wochen und einem entsprechend langen Ausfall der Kläranlage rechnen müssen.

Nichts Systemrelevantes ist kaputt

Stelzle selbst war am 26. Juni von den Wassermassen vollkommen überrascht worden. Und nicht nur der Regen an sich erwies sich als problematisch, auch gewaltige Schlamm- und Geröllmassen waren abgegangen, hatten den Zufahrtsweg blockiert sowie das Entwässerungsrohr vollkommen verstopft, sodass auch kein Wasser mehr unterhalb der Straße in die Murr abfließen konnte und sich so Wasser- und Schlammmassen ungehindert ihren Weg eben auch in Richtung Kläranlage gebahnt haben. Der zügigen Unterstützung eines Gartenbauers sei es zu verdanken, dass die Straße freigeräumt wurde. Der Bauhof habe dies aufgrund der Wasserhöhe gar nicht leisten können. Mittlerweile wurden allein rund um das Entwässerungsrohr 472 Tonnen Geröll abgefahren. „Und das ist noch nicht alles“, wie Peter Stelzle weiß. Im Wald liege noch wesentlich mehr.

„Es ist nichts Systemrelevantes kaputtgegangen“, berichtet der Klärwärter. Bereits nach zwei Tagen konnte die Anlage im Notbetrieb wieder hochgefahren werden. Doch um das zu ermöglichen, waren Stelzle und seine Kollegen im Dauereinsatz. 12 bis 14 Stunden sei sogar am Wochenende gearbeitet worden, um das Gelände aufzuräumen und zu säubern, Schäden zu begutachten, zu prüfen und vor allem zu reparieren. „Wir haben viel selbst hinbekommen“, zeigt sich der Klärwärter erleichtert.

Dankbar ist Stelzle dafür, dass das obere Belebungsbecken die ganze Zeit weiter funktionieren konnte. Denn hier leisten Mikroben eine wichtige Arbeit zur Reinigung des Abwassers und benötigen dafür Sauerstoff, der kontinuierlich eingeführt werden muss. „Die Sauerstoffeinbringung war nicht unterbrochen. Sonst wären die Mikroben abgestorben und die Kläranlage hätte nicht arbeiten können“, erklärt Peter Stelzle.

Doch bis alles wieder normal funktioniert und sämtliche Schäden beseitigt sind, wird sicher noch über ein halbes Jahr ins Land gehen, das sei auch von der Wetterlage abhängig. Dass es nicht länger dauert und die Kläranlage so schnell wieder ihren Betrieb aufnehmen und somit auch eine geregelte Abwasserentsorgung sicherstellen konnte, ist dem beherzten, fachmännischen und engagierten Einsatz von Peter Stelzle und seinen Kollegen zu verdanken.

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Erstellt:
11. Juli 2024, 06:00 Uhr

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