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„Freundschaft kennt keine Grenzen“

25 Jahre Schulpartnerschaft zwischen der Backnanger Eduard-Breuninger-Schule und dem Hunyadi János Gimnázium in Bácsalmás

Seit 25 Jahren besteht die Schulpartnerschaft zwischen der Backnanger Eduard-Breuninger-Schule und dem Hunyadi János Gimnázium in Backnangs ungarischer Partnerstadt Bácsalmás. Initiator dieser lebendigen Beziehung war Edwin Müller. Bei der Jubiläumsfeier blickte der ehemalige Stadtrat und Lehrer der kaufmännischen Schule zurück.

Schüler der 12. Klasse beider Schulen kommen in jedem Jahr zusammen, in jedem ungeraden Jahr wie 2019 in Bácsalmás in Ungarn. Foto: privat

Schüler der 12. Klasse beider Schulen kommen in jedem Jahr zusammen, in jedem ungeraden Jahr wie 2019 in Bácsalmás in Ungarn. Foto: privat

Von Florian Muhl

BACKNANG. „Der Spiritus Rector und Initiator der Schulpartnerschaft“, wie Oberbürgermeister Frank Nopper in seinem Grußwort Edwin Müller betitelte, „war, ist und bleibt ein besonders leidenschaftlicher und kraftvoller Motor“ der Städtepartnerschaft mit Bácsalmás und der Schulpartnerschaft. Als ehemaliger Backnanger Stadtrat, der 30 Jahre im Gemeinderat saß, und Studienprofessor an der kaufmännischen Schule in Backnang war er geradezu prädestiniert, beide Partnerschaften zu fördern und zu beflügeln, so Nopper. „Bereits 1969, also vor genau 50 Jahren, gehörte er zur allerersten Delegation, die von Backnang aus nach Bácsalmás fuhr.“

Anfang der 90er-Jahre ergriff Edwin Müller gemeinsam mit den beiden damaligen Schulleitern Mihael Németh und Hans Wagner die Initiative und vereinbarte eine Schulpartnerschaft. Sie unterschrieben im Jahr 1994 die Worte „Freundschaft kennt keine Grenzen“. Wie der OB weiter sagte, hätten die ihn verehrenden Bácsalmáser das aus seiner Sicht höchste Prädikat „Edibatschi“ verliehen, was soviel heißt wie „guter Onkel Edi“. „Als solcher geht er in die Annalen der Städtepartnerschaft und der Schulpartnerschaft ein“, sagte Nopper.

Müller sprach von einer wundervollen Zeit, die er gemeinsam mit seinen ungarischen Freunden erlebt habe. Rückblickend war er seit 1969 in ständigem Kontakt mit Bácsalmás. Schwierige Zeiten seien das damals gewesen, bei ihrer ersten Fahrt nach Ungarn, weil die Grenzen noch verschlossen und höchst gesichert waren. „Trotzdem verging danach kein Jahr, wo wir nicht zwei- oder dreimal in Ungarn waren. Das Land hat sich uns nur langsam geöffnet. Probleme hatten diejenigen Ungarn, die uns aufgenommen haben.“ Die hätten sich allen Verdächtigungen preisgegeben. Im Laufe der Jahre habe sich die Situation gebessert, bis schließlich die Städtepartnerschaft im Jahr 1988 offiziell besiegelt wurde. „Die war aber nur mit Nachdruck möglich, weil in Ungarn gehen die Uhren ein bisschen anders.“ Die Angst vor der jeweils übergeordneten Behörde sei überall gegenwärtig gewesen. Das habe sich erst durch die Wende gelegt. „Die Schulpartnerschaft war dann eine Folge von dem, was wir zuvor alles vorbereitet hatten.“ Eindrücklich schildert der heute 83-Jährige Geschehnisse während der Jugoslawienkriege. Denn auch zu Zeiten, in denen die Auseinandersetzungen auf dem Balkan ihre Höhepunkte erreichten, war Müller in der Partnerstadt. „Über Bácsalmás wurden damals die Raketen abgeschossen. Von Süd-Ungarn haben wir die Abschusseinrichtungen gesehen, denn die Partnerstadt liegt ja nur sechs Kilometer von der Grenze zu Serbien entfernt.“ In dieser Zeit habe man ihm gesagt: „Das schaffst du nicht, eine Gruppe von Schülern zusammenzustellen aus Kroaten, Serben, Ungarn, Deutschen und Franzosen. Ich hielt dagegen: Natürlich schaffe ich das.“ Müller kannte damals nämlich die Bürgermeister von jeweils einem Ort dieser Länder, telefonierte, und so starteten zwei Busse in Richtung Ungarn, einer mit deutschen und französischen Schülern, der andere mit kroatischen, serbischen und ungarischen Jugendlichen.

Seit vielen Jahren engagieren sich nun Eduard Bauer, stellvertretender Schulleiter der Eduard-Breuninger-Schule, sowie sein Kollege Dietmar Bolg für die Schulpartnerschaft. In Bácsalmás ist es die Lehrerin und Gruppenleiterin Fremdsprachen Gabi Merkovicsné Hartei, die die Partnerschaftsarbeit kraftvoll weiterführt. In geraden Jahren ist eine 12. Klasse aus Backnang in Ungarn zu Gast, bei der Schulleiter Wolfgang Waigel stets mit dabei ist. In ungeraden Jahren besucht eine Klasse aus Bácsalmás die kaufmännische Schule. An die Schüler gerichtet sagte Müller abschließend: „Ich wünsche euch für die Zukunft viel, viel Glück und hoffe, dass euch beschert sein möge, was wir – unsere Jahrgänge – so genießen, nämlich den Frieden in Europa. Aber es ist sehr wichtig, dass jeder von euch sich dafür auch einsetzt.“

Info
Schule mit großem Geist

Das Hunyadi-János-Gymnasium in Backnangspartnerstadt Bácsalmás ist eine staatliche Schule, an der Schüler von 12 bis 18 Jahren lernen können. Am Ende des 12. Schuljahres legen die Schüler die Abschlussprüfung ab und können dann ihr Studium an einer Universität oder Hochschule fortsetzen.

Die Schule wurde 1953 gegründet. Der Unterricht begann mit zwei Klassen. Die ersten Schüler erhielten 1957 ihr Abitur.

Das Schulgebäude befindet sich im Zentrum von Bácsalmás neben einem Naturschutzgebiet namens Kossuth Park.

Das Gymnasium ist in einem zweistöckigen Gebäude untergebracht und hat rund 290 Schüler. Das Motto lautet „Kleine Schule mit großem Geist“.

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Erstellt:
10. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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