Energieversorgung in Deutschland

Gasspeicherstände auf historisch niedrigem Niveau – geht das Gas aus?

Die deutschen Gasspeicher sind so niedrig gefüllt wie im Krisenwinter 2021/2022, stellt der Betreiberverband fest – und macht neben der Kälte die Bundesregierung dafür verantwortlich.

Hier wird Erdgas auf dem Gelände des Erdgasspeichers Rehden (Niedersachsen) verdichtet.

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Hier wird Erdgas auf dem Gelände des Erdgasspeichers Rehden (Niedersachsen) verdichtet.

Von Matthias Schiermeyer

Die Botschaft der Bundesnetzagentur ist beruhigend: Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet. Dennoch sorgen sich die Deutschen zunehmend, dass in diesem Winter das Gas ausgeht. Mit Recht?

Der Verband der Gas- und Wasserstoffspeicherbetreiber INES (Initiative Energie Speichern) gibt für den 22. Januar einen Füllstand von 39,5 Prozent (99,5 von 251,5 Terawattstunden, TWh) an – berechnet über alle Gasarten und 48 Speicherstandorte von 30 Betreibern hinweg. In den kalten Tagen seit der vorigen Woche sank der Stand der Gasspeicher täglich um rund drei Terawattstunden. Vor genau einem Jahr waren die Speicher noch mit gut 160 Terawattstunden gefüllt.

Zunächst wären Preissteigerungen die Folge – kein Ausfall

Wie weit ist es bis zu einer Gasmangellage? INES veröffentlicht alle zwei Monate eine Lageanalyse. Demnach sei der Winter bisher eher durch moderate Temperaturen geprägt. Der Januar verlaufe kälter als normal, aber ohne Extremwerte. Insgesamt „entwickeln sich die Speicherfüllstände mittlerweile auf einem historisch niedrigen Niveau“, heißt es in der Analyse dieser Woche. Bei extrem kalten Temperaturen könne es perspektivisch zu Unterdeckungen kommen. Ein Gasmangel bedeute jedoch keinen Versorgungsausfall, sondern würde sich zunächst durch starke Preissteigerungen bemerkbar machen, die wiederum den Verbrauch drücken und „den Markt in ein ausgeglichenen Zustand bringen“. Erste Preissteigerungen an den Großhandelsmärkten seien bereits zu beobachten, heißt es mit Blick auf die nervösen Reaktionen dort.

Deutschland sei mit einem Speicherfüllstand von lediglich 75 Prozent in die Heizperiode gestartet, und zu Jahresbeginn habe der Gesamtstand bei 57 Prozent gelegen – rund 23 Prozentpunkte unter Vorjahreswert. „Ein vergleichbar niedriges Niveau wurde zuletzt im Krisenwinter 2021/22 verzeichnet“, betont INES. „Der milde Winterverlauf hat die Lage kurzfristig entschärft, das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Speicherbefüllung vor dem Winter 2025/26 unzureichend war“, rügt Geschäftsführer Sebastian Heinermann. Sie sei der zentrale Risikofaktor für die Versorgungssicherheit.

Als Ursachen für die unzureichende Befüllung werden etwa die bestehenden Füllstandsvorgaben und die damit verbundenen „Marktverzerrungen“ genannt, die die Preisbildung beeinflussen und marktwirtschaftliche Anreize zur Einspeicherung schwächen. Über das Gasspeichergesetz habe für die Bundesregierung die Möglichkeit bestanden, staatliche Instrumente einzusetzen und höhere Füllstände sicherzustellen. „Davon wurde kein Gebrauch gemacht, da hohe Kosten befürchtet wurden.“

Ankündigungen der Regierung gewürdigt

Vor diesem Hintergrund sei es folgerichtig, dass die neue Regierung im Koalitionsvertrag ankündigt, mit neuen Instrumenten eine kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher sicherzustellen. Angesichts der Speicherfüllstände anderer EU-Staaten könne die Wintervorsorge durch geeignete Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden. Im EU-Binnenmarkt sei ein rein wettbewerblicher Ansatz für Gasspeicher in Deutschland nur bedingt tragfähig, wenn Nachbarländer ihre Speicherbewirtschaftung regulativ absicherten. „Es braucht auf europäischer Ebene harmonisierte Rahmenbedingungen, damit deutsche Speicher an einem fairen Wettbewerb teilnehmen können“, mahnt Heinermann.

Laut Bundesnetzagentur hat sich die Versorgungslage verbessert

Die Bundesnetzagentur bekennt, dass die Speicherfüllstände seit August überwiegend unterhalb des Füllstands-Minimums der Jahre 2018 bis 2021 gelegen hätten. Allerdings habe sich die Versorgungslage verbessert. Beispielsweise werden große Mengen Gas importiert, zuletzt täglich rund 3,3 Terawattstunden, davon rund 1,3 Terawattstunden aus Norwegen. Der Anteil der über LNG-Terminals angelieferten Menge mit rund 400 Gigawattstunden entspreche etwa 15 Prozent aller Importe. Dies erlaubte veränderte Absicherungsstrategien von Händlern und Versorgern. Der Füllstand zu Beginn des Jahres liege zwar deutlich unter dem Stand des Vorjahres, „aber vor dem Hintergrund der veränderten Markt- und Flusssituation in einem angemessenen Rahmen“, heißt es. Unter dem Strich importiere Deutschland etwas mehr Gas, als es täglich verbrauche.

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Erstellt:
22. Januar 2026, 13:08 Uhr

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