Gehören Waffen zum Kinderfasching dazu?

Als Requisiten werden Säbel und Co. vielerorts geduldet, doch die Verwendung ist reglementiert. In den vergangenen Jahren bewegt das Thema immer mehr die Gemüter. An manchen Schulen gilt an Fasching bereits ein Spielzeugwaffenverbot.

Eine Piratin mit Revolver? Manche Eltern sähen lieber die Seeräuberin mit Papagei. Foto: M-Production – stock.adobe.com

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Eine Piratin mit Revolver? Manche Eltern sähen lieber die Seeräuberin mit Papagei. Foto: M-Production – stock.adobe.com

Von Simone Schneider-Seebeck

Rems-Murr. Auch wenn vielerorts Faschingsveranstaltungen abgesagt werden mussten – im Kindergarten oder in der Grundschule gehört das Verkleiden in der närrischen Zeit dazu. Der letzte Schultag vor den Ferien macht da gleich noch mehr Spaß. Doch wie sieht es da mit Spielzeugwaffen aus? In den vergangenen Jahren bewegt das Thema im Fasching immer wieder die Gemüter. Manch einer befürchtet, dass zur Schau gestellte Spielzeugwaffen aggressives Verhalten fördern könnten. Doch ein Cowboy ohne Revolver, ein Pirat ohne Säbel und Darth Vader ohne Laserschwert – geht das überhaupt?

An der Conrad-Weiser-Schule in Aspach gilt an Fasching ein Spielzeugwaffenverbot. „Für uns war es im Kollegium klar, dass wir an Fasching keine Waffen in der Schule haben wollen“, sagt Klassenlehrerin Tamara Rau. Die Eltern wurden entsprechend informiert, die meisten Familien hätten sich in der Vergangenheit auch daran gehalten. „Wenn ein Kind doch eine Waffe dabei hatte, wurde diese beim Klassenlehrer oder bei der Klassenlehrerin abgegeben und erst am Ende des Schultags wieder mitgenommen. Das hat bisher recht selbstverständlich funktioniert“, fasst Rau ihre Erfahrungen zusammen.

Bei der Grundschule Kirchberg sind Spielzeugwaffen ebenfalls nicht gerne gesehen. Jedoch werden sie geduldet, „sofern sie zum Kostüm gehören“, wie es vonseiten der Schulleitung heißt. Allerdings: „Werden sie unverhältnismäßig eingesetzt, werden sie eingezogen und erst am Ende des Unterrichts wieder zurückgegeben.“ Verboten sind Pistolen mit Knalleffekt.

Bei den Kirchberger Kindergärten sieht es ähnlich aus. Es gebe kein generelles Spielzeugwaffenverbot, sagt Kindergartenleiterin Sonja Epp. Allerdings dürfe keine Munition mitgeführt werden. „Zeigen ist okay, aber man sollte die Waffen nicht verwenden“, sagt Epp.

Iris Löffelhardt sieht das Thema Spielzeugwaffen an Fasching recht gelassen. Für die Mitarbeiterin des Waldkindergartens in Murrhardt gehören die zu manchen Kostümen einfach dazu. Allerdings wird das Faschingsfest coronabedingt sowieso etwas anders gefeiert als zuvor. „Vor Corona waren wir drinnen, aber jetzt geht es gerade nicht“, verweist sie auf die Blockhütte der „Kleinen Waldforscher“. Mit Kostümen sei das Feiern draußen je nach Wetter etwas schwieriger als normalerweise. Im Wald darf selbstverständlich keine künstliche Munition zum Einsatz kommen, denn das erschreckt nicht nur die Kinder, sondern auch die Waldbewohner.

„Wir haben die Regel, dass man nur das machen darf, womit die anderen einverstanden sind“, erklärt Löffelhardt. Daher stehe beispielsweise das Zielen auf andere von vornherein außer Frage. „Bei uns ist sowieso alles gewaltfrei. Jeder soll sich wohlfühlen“, so die pädagogische Fachkraft. „Wir besprechen viel untereinander. Dann wird es auch an Fasching nicht eskalieren, weil es das Normale ist“, ist ihre Erfahrung.

Vollkommen fernhalten vom Thema Waffen könne man Kinder ohnehin nicht, denn auch wenn die Kleinen normalerweise keinen Umgang damit hätten, werde es doch in vielen Bereichen thematisiert. Wichtig sei vielmehr, wie man damit umgehe. Zudem hat Löffelhardt festgestellt, dass Kostüme mit Waffenrequisiten gar nicht so häufig getragen würden: „Es gibt auch viele Marienkäfer oder Feuerwehrleute.“

In der Stadt Backnang sieht man das Thema ebenfalls eher pragmatisch. „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Waffen auch in der Faschingszeit kein großes Thema bei den Kindern sind“, habe laut Christian Nathan, Pressesprecher der Stadt Backnang, eine stichprobenartige Befragung der örtlichen Kitas ergeben. Ein generelles Waffenverbot sei nicht bekannt, auch würde es aktuell nicht diskutiert.

Sofern eine Waffe als Requisite zum Kostüm gehört, dürfe sie mitgeführt werden, jedoch ohne Munition. Zudem könne man beobachten, dass diese ohnehin bald beiseitegelegt würden, nachdem man sie präsentiert habe. „Sofern Kinder mit ihren Waffen spielen oder gar kämpfen sollten, geschieht dies auf freiwilliger Basis unter gemeinsam vereinbarten Regeln und natürlich ohne Munition. Es ist ein Spiel, das weder Bedrohung, noch Angst hervorrufen soll“, führt Nathan weiter aus. Überhaupt sei festzustellen, dass Cowboys und Ritter momentan nicht so favorisiert seien, der Trend gehe vielmehr zu Tierverkleidungen oder zu beliebten Superheldenfiguren wie Spiderman oder Superwoman.

Mit einer originellen Waffeninterpretation kann der Pressesprecher aber doch noch aufwarten. So verkleide sich eine Erzieherin selbst als Räuberin – mit einem Käse als Waffe, den sie in einer Dose mit sich führt. „Der stinkt so fürchterlich, dass der Räuberin sowieso keiner zu nahe kommen will. Und vor der Räuberhöhle hängen das Packpapier vom Käse sowie die Stinkesocken.“

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Erstellt:
26. Februar 2022, 10:30 Uhr

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