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Geiststein mit besonderer Ausstrahlung

Rund um das Naturdenkmal im Welzheimer Wald gibt es viele Geschichten – Noch heute als Gottesdienstplatz genutzt

Im 16. Jahrhundert versammelten sich heimlich am Geiststein im Welzheimer Wald zwischen Breitenfürst und Walkersbach die Wiedertäufer, um ihre Gottesdienste abzuhalten. Noch heute gibt es dort regelmäßig Gottesdienste. Der württembergische König soll den Felsen einst als Jagdkanzel genutzt haben. Wegen seiner geologischen Besonderheit ist der Geiststein ein Naturdenkmal.

Während des Dreißigjährigen Kriegs soll der Urbacher Pfarrer von dieser Naturkanzel gepredigt haben. Das Naturdenkmal steht zwischen zwei Klingen. Foto: J. Stütz

Während des Dreißigjährigen Kriegs soll der Urbacher Pfarrer von dieser Naturkanzel gepredigt haben. Das Naturdenkmal steht zwischen zwei Klingen. Foto: J. Stütz

Von Rainer Stütz

WELZHEIM/PLÜDERHAUSEN.Es gibt Geomantiker, die den Geiststein als Kraftplatz sehen. Auf der Sonnenseite zeigt der Geiststein wabenartige Verwitterungsformen, ähnlich denen auf den Buntsandsteinfelsen des südlichen Pfälzer Waldes. Bei der Ausformung der sesselartigen Nischen oben im Fels hat vielleicht ein Mensch noch etwas nachgeholfen. Eine Tafel erinnert daran, dass 1575 und in den folgenden Jahren Täufer aus den umliegenden Orten sich hier heimlich versammelt haben.

Es wird auch berichtet, dass in den Notzeiten des Dreißigjährigen Krieges der evangelische Pfarrer von Urbach vom Geiststein aus Gottesdienst hielt. Der Name dürfte von seiner geisterhaften Erscheinung zumal in der Dämmerung oder im Nebel herrühren.

Zu erreichen ist das Naturdenkmal von Urbach vom Bärenbachtal aus und von Walkersbach. Von Welzheim aus ist der Geiststein am besten von Breitenfürst aus zu erschließen. Mit dem Auto am Ortsende links abbiegen in Richtung Eibenhof/Köshof. Auf der Weiterfahrt bleibt der Eibenhof seitlich liegen und auch am Abzweig zum Köshof fährt der Wanderer vorbei bis zu einem kleinen Parkplatz am Waldrand. Dem blauen Wanderzeichen folgend, geht es in den Wald. Nach einem unbefestigten Stück kommt der Wanderer zu einem Schotterweg, dem er bis zum Felsklingenweg folgt. Von dort geht es einen Pfad steil bergab. Kurz nachdem der schmale Pfad breiter geworden ist, wird mit dem Wegzeichen nach links abgebogen in Richtung Geiststein Walkersbach. Nach einer scharfen Rechtskurve und einer kleinen Holzbrücke ist die Felsformation zu sehen.

Bereits in vorchristlicher Zeit war diese Felsformation vielleicht eine Kultstätte, um 1575 trafen sich hier Wiedertäufer zu nächtlichem Gottesdienst. Noch heute kommen alljährlich die Baptisten hierher zum Pfingstgottesdienst. In jüngster Zeit haben sich auch Geomantiker des Geiststeins angenommen. Bei ihnen gilt der Geiststein als eine Art Kraftplatz und Energiewunder. Seine energetische Ausstrahlung soll von geomantischen Linien herrühren, die sich unter dem Stein teilweise kreuzen.

Laut Umweltschutzamt des Landratsamtes Rems-Murr wurde der Geiststein mit Verordnung vom 30. Juli 1974 zum Naturdenkmal. Schutzzweck der Verordnung ist die Eigenart von wissenschaftlicher, naturgeschichtlicher und kultureller Bedeutung. Es handelt sich um eine frei stehende, durch Erosion und Verwitterung entstandene, kanzelförmige Felsbildung des oberen Stubensandsteins inmitten des Waldes. Der Geiststein war in der Nachreformationszeit heimlicher Gottesdienstort der Täufer. Am Fuß des Felsens ist eine Gedenktafel angebracht.

Entstehungsgeschichte Info Der Geiststein im dunklen Wald zwischen Welzheim-Breitenfürst und Plüderhausen-Walkersbach im Welzheimer Wald ist eine rund fünf Meter hohe bizarre Felskanzel aus grobkörnigem, mittlerem Trias-Stubensandstein. Solche frei stehenden Felskanzeln kennt man eigentlich nur aus der Eifel, weniger von den Jurakalken der Schwäbischen Alb. In der Keuperstufe markiert der Geiststein somit eine geologische Besonderheit. Er entstand im Laufe vieler Jahrmillionen. In der Stubensandsteinzeit vor rund 190 Millionen Jahren lagerten sich im gesamten Süddeutschland angeschwemmte Sande und Tone aus dem vindelizischen Gebirge ab (Sedimentation). Die Schichten wurden später von Knollenmergeltonen und Rhätsand, dann von Jurakalk überschwemmt und so überlagert und zusammengepresst. Aus den einstigen Sand- und Tonschichten wurde dann der Stubensandstein. In der Tertiärzeit begann dann langsam die Zeit der Abtragung. Vor 60 Millionen Jahren brach der Oberrheingraben ein, unser Schichtstufenland geriet aus dem Lot. Die Flüsse hatten auf einmal eine viel höhere Erosionskraft dank vergrößertem Gefälle und schufen so die vielen Klingen und Täler in die Keuperberge. Die Sandsteinkuppen wurden abgeschliffen, das Gelände der Keuperberge verflachte sich und verwaldete. Der Geiststein besteht aus stärker verkitteten Sanden als das abgetragene Umgebungsgestein und hat sich somit in der Erosionsphase erhalten und herausgeschliffen. Auffällig ist auch die steile Hanglage, die auf besonders widerstandsfähigen Untergrund schließen lässt. Der Wald um den Geiststein besteht stubensandtypisch aus vielen Buchen und ein paar Fichten, die in dem nährstoffarmen Sand gut zurechtkommen. (Quelle: Geocoaching)

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Erstellt:
21. August 2018, 06:00 Uhr

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