Gelungene Integration seit über zehn Jahren

Bürgerpreis Rems-Murr Der Offene Kreis Asyl begleitet Geflüchtete in Althütte vom ersten Tag an: mit Deutschkursen, bei Behördengängen und mit individueller Alltagsunterstützung. Viele haben inzwischen Ausbildung, Beruf und ein selbstständiges Leben in der Region gemeistert.

Die Ehrenamtlichen des Offenen Kreises Asyl aus Althütte unterstützen Flüchtlingsfamilien im Alltag. Foto: privat

Die Ehrenamtlichen des Offenen Kreises Asyl aus Althütte unterstützen Flüchtlingsfamilien im Alltag. Foto: privat

Althütte. Ein Fachinformatiker, eine Alltagsbegleiterin im Pflegeheim, eine zahnmedizinische Fachkraft, eine Kinderpflegerin, ein leitender Manager in der Systemgastronomie, ein selbstständiger Unternehmer in der Logistikbranche, ein Triebwagenführer, ein hauswirtschaftlicher Leiter einer großen Stuttgarter Einrichtung: Die Liste der Menschen, die als Flüchtlinge nach Althütte gekommen sind und nun in der Region Fuß gefasst haben, ist lang – geschafft haben sie das auch durch die Hilfe des Offenen Kreises Asyl in Althütte.

Bereits seit 2014 unterstützt der Offene Kreis Asyl geflüchtete Menschen schon beim ersten Ankommen in der Gemeinde. „Zusammen mit der Gemeinde kümmern wir uns um die Unterkünfte und schauen, dass alles Nötige da ist“, sagt Sven Semet vom DRK Althütte. Seit dem Ukrainekrieg ist die Integrationsarbeit des Offenen Kreises Asyl in die DRK-Ortsgruppe integriert. Auch bei der Ankunft im Ort sind Mitglieder des Offenen Kreises Asyl dabei, um sofort einen ersten Kontakt herzustellen. In den ersten Tagen im Ort werden die Neuankömmlinge intensiv begleitet: Wo kann man einkaufen? Welche Ärzte sind wo? Was sind die wichtigsten Kontaktdaten bei den Behörden? Wie kommen sie an das erste Geld? „Von Beginn an begleiten wir sie im Tagesablauf“, sagt Sven Semet. Dazu gibt es eine Liste mit allen wichtigen Namen, Adressen und Nummern in der Gemeinde.

20 Helferinnen und Helfer sind regelmäßig im Einsatz

Sie begleiten die Neuankömmlinge zur Kleiderkammer, vermitteln bei Gericht und Behörden, helfen bei der Suche nach Ausbildungsplätzen und sind einfach ein Ansprechpartner, um die individuellen Alltagsprobleme zu lösen. Rund 20 Helferinnen und Helfer seien regelmäßig im Einsatz, sagt Semet. „Als Gemeinde sind wir sehr dankbar“, sagt Nina Kunath von der Gemeindeverwaltung. Die Zusammenarbeit zwischen Integrationsmanager, Gemeinde und den Ehrenamtlichen laufe seit Jahren sehr gut. Und auch mit den örtlichen Vereinen sowie den Bürgerinnen und Bürgern sollen die Geflüchteten in Kontakt kommen. Dafür bietet der Offene Kreis Asyl einmal pro Quartal das Begegnungscafé an. Hier stellen sich die Organisationen im Ort vor, vom DRK über den Musikverein bis zur Feuerwehr. Einige Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien sind in den Vereinen bereits engagiert, erzählt Semet. „Das ist gut besucht, es findet ein spannender Austausch statt.“ 2015 hatten die Ehrenamtlichen dann ihren größten Einsatz, als das Haus Lutzenberg zur Unterkunft vorbereitet werden sollte. Damals lief alles sehr kurzfristig. „In fünf Tagen musste das Haus für rund 100 Leute vorbereitet werden“, erinnert sich Semet. Seitdem haben die Ehrenamtlichen in Summe 230 Menschen beim Ankommen begleitet.

Gelungene Integration seit über zehn Jahren
Aktuell leben noch rund 70 Geflüchtete in der Gemeinde, viele von ihnen sind schon seit Jahren da und haben in der Region Fuß gefasst. „Unser Ziel ist es, dass die Kinder möglichst schnell Schule und Kindergarten besuchen und die Erwachsenen möglichst schnell einen Job finden“, sagt Helfer Manfred Tegenkamp. Auch hier unterstützen die Ehrenamtlichen. Sie helfen bei Anträgen und Behördengängen für Arbeitsgenehmigungen, vermitteln an interessierte Arbeitgeber und helfen bei der Wohnungssuche, beim Umzug und sogar beim Möbelaufbau, zum Beispiel wenn ein Job in Stuttgart gefunden wird. Dass die Geflüchteten irgendwann auf eigenen Beinen stehen, das sporne sie an, sagt Tegenkamp. Er berichtet zum Beispiel von einer Frau aus Afghanistan, die in Deutschland ihre Ausbildung gemacht hat, mittlerweile eingebürgert ist und hier ihr drittes Kind bekommen hat. „Viele sind selbstständig. Die brauchen unsere Unterstützung gar nicht mehr“, sagt Tegenkamp. Aber über die Jahre haben sich durch die engen persönlichen Beziehungen zwischen betreuten Familien und Helfern auch Freundschaften gebildet.

Besondere Aktionen für Kinder und Jugendliche bedürftiger Familien

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Ein wichtiger Aspekt sind auch die Deutschkurse, die Albrecht Kurz seit mittlerweile mehr als zehn Jahren anbietet. Schon zwei Tage nach der Ankunft bot der ehemalige Sozialarbeiter Deutschkurse an, damit die Geflüchteten möglichst schnell in Kontakt mit den Bürgern treten können. Bis heute gibt er zweimal pro Woche für zwei Gruppen Deutschunterricht. „Es ist ein freiwilliges Angebot. Nicht mit bestimmtem Kursabschluss oder Formalien“, sagt Albrecht Kurz. Aber auch ohne Kosten oder langes Warten auf Kostenübernahmeanträge. Wer seine Sprachkenntnisse verbessern will, kann einfach dazukommen – und bei Bedarf sogar die Kinder mitbringen.

Ohnehin ist die Unterstützung von Kindern ein wichtiger Aspekt für den Offenen Kreis Asyl. So veranstalten sie jedes Jahr in den Sommerferien einen Ausflug in den Schwaben-Park für Kinder aus bedürftigen Familien. Dafür wollen die Helfer auch das Geld des Leserpreises einsetzen. Außerdem haben sie den Wünschebaum zu Weihnachten eingeführt. Gemeinsam mit der Gemeinde und mithilfe von Spenden werden Kindern aus bedürftigen Familien Weihnachtswünsche erfüllt.

Dass sich die Ehrenamtlichen seit mehr als zehn Jahren für die Geflüchteten einsetzen, ist gerade in Althütte keine Selbstverständlichkeit. In den vergangenen Jahren schürten Rechtsextreme in der Gemeinde immer wieder Ängste und versuchten, unter anderem bei Bürgerversammlungen Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Der Offene Kreis Asyl lasse sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. „Wir begreifen unsere Arbeit als praktische und gelebte Verfassungspflege und Verteidigung der Demokratie vor Ort“, heißt es in der Bewerbung. Und auch Semet meint schmunzelnd: „Uns spornt das eher an.“ Den Ehrenamtlichen ist es auch wichtig, im Dialog zu bleiben, falsche Aussagen zu widerlegen und konkret von den positiven Begegnungen mit Geflüchteten zu berichten. „Wir stellen uns auch schützend vor die Leute und sagen: Was da zum Teil propagiert wird, ist einfach nicht richtig“, ergänzt Tegenkamp.

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Erstellt:
9. Juli 2026, 06:00 Uhr

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