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Gemütliches Fest der Generationen

Das 16. Backnanger Weindorf zieht die Besucher in Scharen an  –  Wer einen Sitzplatz ergattern will, muss früh da sein

Nicht nur kredenzt wird: Die Winzer werden auch nicht müde, den Gästen die Weine zu erklären und sie zu beraten.Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Nicht nur kredenzt wird: Die Winzer werden auch nicht müde, den Gästen die Weine zu erklären und sie zu beraten.Foto: J. Fiedler

Von Andreas Ziegele

BACKNANG. Für viele ist es mittlerweile nach dem Straßenfest das wichtigste Ereignis in ihrem Veranstaltungskalender. Und einige finden es sogar noch schöner als die Feiertage Ende Juni. Es gibt Gemeinsamkeiten, aber in einem unterscheiden sich die beiden Feste in den Augen der Besucher: Die Atmosphäre auf dem Weindorf ist eine gänzlich andere.

Es ist 18 Uhr am Samstagabend und am Adenauerplatz ist es bereits schwierig, einen Sitzplatz zu ergattern. Wer es geschafft hat, ist mit seinen Tischnachbarn gleich per Du und die vorherrschende Sprache ist Schwäbisch. „Sehr gemütlich hier“, sagt eine Dame mittleren Alters, die zum ersten Mal auf dem Backnanger Weindorf ist. Den Großteil der Besucher machen allerdings Wiederholungstäter aus. „Wir sind von Anfang an dabei gewesen“, erzählt ein Ehepaar aus Backnang und ergänzt: „Es gab schon Jahre, da sind wir hier mit den Winterjacken gestanden.“ Die braucht an diesem Abend aber niemand. Selbst zu später Stunde bewegen sich die Temperaturen unter den Schirmen bei der mittlerweile 16. Auflage des Weindorfes im sommerlichen Bereich.

Gefachsimpelt wird über alles, von Fußball bis zu Baustellen

Gesprächsstoff gibt es an allen Tischen genug. Ein Klangteppich von Stimmen hat sich mittlerweile über den Platz gelegt. Die Themen reichen vom VfB Stuttgart über den Brexit bis hin zu der Großbaustelle Backnang. Bei einigen geht es um den Wein, der hier kredenzt wird. Und von dem ist wahrlich für jeden Geschmack etwas dabei. Sei es nun ein erfrischender Weißwein oder ein lieblicher Rosé bis hin zum schweren Rotwein. Und die Winzer werden auch nicht müde, den Gästen die Weine zu erklären. „Wenn Sie gerne einen trockenen Wein trinken, dann kann ich Ihnen den Rosé nicht empfehlen“, erklärt einer dem Gast, der sich offensichtlich für die falsche Rebsorte entschieden hat. Mit einzelnen Weingläsern halten sich die Weindorfbesucher nicht lange auf. Der edle Tropfen geht hier gleich flaschenweise über die Theken, um diese dann mit Freunden, Nachbarn oder zufälligen Bekanntschaften an den Tischen zu teilen.

Aber auch für den kleinen bis hin zum großen Hunger ist für jeden Gast etwas vorhanden. Dabei geht das Angebot weit über die sonst üblichen Pommes und Rote hinaus. Ein Renner dabei ist die Käseplatte, die vor der alten Schmiede frisch gerichtet wird und der Gast selbst bestimmt, wie groß die Portion ausfallen soll. Heinrich von Kleist schätzte diese Geschmackskombination schon um das Jahr 1800: „Käse macht erst geschickt die Zunge, Wein zu schmecken.“

Zwei Stunden später sind nicht nur alle Sitzplätze vergeben, sondern auch die Stehtische sind besetzt. Und die Besucherscharen reichen mittlerweile über den Adenauerplatz hinaus. Auch das Publikum hat sich zu diesem Zeitpunkt verändert. Waren es am Anfang vor allem ältere Menschen oder Familien mit Kindern, die die Obere Vorstadt bevölkerten, sind es nun jede Menge junge Leute, die offenbar Gefallen an dem gemütlichen Fest rund um die Brunnenanlage gefunden haben. Die Generationen mischen sich, ohne dass die Konversation darunter leidet. „Wir sind an allen vier Tagen hier“, erzählt einer aus einer Gruppe von Mittzwanzigern, die es sich auf der Mauer abseits des Adenauerplatzes in Richtung Stiftshof gemütlich gemacht haben. „Mir gefällt es hier mittlerweile besser als auf dem Straßenfest“, sekundiert ein anderer aus der Runde.

Die einen schunkeln, die anderen stoßen an

Leichtes Spiel, die Gäste musikalisch zu unterhalten, hat an diesem Abend Sascha Seiband aus Heubach. Der als „Ostälbler Sascha“ bekannte Akkordeon-Spieler wird oft an die Tische gewunken und um die Erfüllung von Musikwünschen gebeten. Begeistert wird dann mitgesungen und die Nebentische schunkeln zu den Schlagern und der Volksmusik. Ein paar Tische weiter kann man sich dabei weiter in Ruhe unterhalten und der Musiker hat, während er seine Runden zwischen den Bänken dreht, ein feines Gespür dafür, wo seine Musik erwünscht ist oder wo man sich lieber mit seinen Tischnachbarn austauschen möchte. Unterbrochen werden die Unterhaltungen ab und an, um mit den Weingläsern anzustoßen. „Schöner kann man seinen Urlaub nicht beginnen“, sagt einer, der diesen noch vor sich hat.

Eine Gemeinsamkeit mit dem Straßenfest gibt es, trotz anderer Ausrichtung, dann doch. Auf die Frage, warum das Weindorf in diesem Jahr eine Woche früher stattfindet, widerspricht die Ehefrau von Frieder Haar, dem Organisator der Veranstaltung, vehement: „Das Weindorf findet immer am letzten Wochenende im August statt. Und der Montag des viertägigen Festes muss noch im August liegen.“ Also genau so, wie das beim Straßenfest im Juni ist.

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Erstellt:
26. August 2019, 06:00 Uhr

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