Mutation ante portas: Wann kommt die neue Corona-Variante?

dpa/lsw Stuttgart. Eine neue Form des Coronavirus grassiert. Die Grenzen zum Vereinigten Königreich sind geschlossen. Viele Fragen sind offen. Aber nach Einschätzung des Landesgesundheitsamts ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Erreger auch hierzulande entdeckt wird.

Eine Laborantin führt Untersuchungen zum Coronavirus durch. Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild

Eine Laborantin führt Untersuchungen zum Coronavirus durch. Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild

In Großbritannien grassiert eine mutierte Variante des Coronavirus - aus Sicht des baden-württembergischen Landesgesundheitsamtes könnte diese möglicherweise besonders ansteckende Form auch bald in Baden-Württemberg auftauchen. „Wenn es sich tatsächlich leichter übertragen lässt, werden wir die Mutation über kurz oder lang auch bei uns sehen“, sagte der Leiter des Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz im Landesgesundheitsamt, Stefan Brockmann, der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Stuttgart. „Da jedoch nur ein Bruchteil der Virenisolate sequenziert wird, könnte es sein, dass diese Variante bereits seinen Weg auch nach Deutschland gefunden hat.“ Damit meint Brockmann die Analyse des kompletten Erbguts des Virus, die nur wenige Labore in Deutschland durchführen.

Die neue Virusvariante sei bereits seit September bekannt, schreibt Brockmann in einer Einschätzung der Lage an das Gesundheitsministerium. Es gebe Hinweise aus den Niederlanden, Belgien, Italien, Dänemark und Australien. Man dürfe davon ausgehen, dass Deutschland keine Ausnahme bleiben werde, sagte Brockmann. „Warum sollte es bei uns Halt machen?“ Es lägen in Großbritannien einige Hinweise vor, die vermuten ließen, dass die neue Virusvariante deutlich leichter übertragbar sei als die bisherigen Virusvarianten. Bisher gebe es aber keinerlei Hinweise darauf, dass Impfstoffe weniger wirksam seien gegen die Mutation.

Bislang wurden keine Infektionen im Südwesten bekannt. Die Passagiere zweier Flugzeuge, die am Sonntag an den Flughäfen Stuttgart und Karlsruhe/Baden-Baden ankamen, wurden alle negativ getestet. Dies teilten Sprecher der zuständigen Landkreise am Montag mit.

Die Landesregierung plant zudem vorerst keine weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. „Stand jetzt ist nichts geplant“, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Man wisse ja noch gar nicht, ob das mutierte Virus wirklich im Land sei. „Die bereits geltenden Kontaktbeschränkungen verhindern hoffentlich auch die Ausbreitung eines mutierten Virus.“

Am Flughafen in Stuttgart waren am Sonntagabend 151 Passagiere mit einer Maschine aus London gelandet. Sie wurden nach ihrer Ankunft mit einem Schnelltest auf Corona getestet. Die Ergebnisse fielen alle negativ aus, wie eine Sprecherin des Landkreises Esslingen bestätigte. Das beim Landkreis angesiedelte Gesundheitsamt ist für die Aufsicht der Tests am Flughafen Stuttgart verantwortlich. Die Passagiere hätten nach Vorliegen des Testergebnisses den Flughafen noch am Abend verlassen können.

Eine weitere Maschine aus London landete am Sonntagabend am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden. An Bord waren 134 Passagiere, die nach einem negativen Corona-Schnelltest ebenfalls einreisen durften. Zuvor waren sie am Abend für den Schnelltest nach und nach aus dem Flugzeug geholt worden, wie ein Sprecher des Landkreises Rastatt sagte.

Die Tests waren für die Passagiere nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei in Offenburg verpflichtend. Es habe eine entsprechende Anweisung des Bundesinnenministeriums gegeben. Trotz des negativen Ergebnisses sind alle Einreisenden aufgrund der Corona-Verordnung des Landes angehalten, sich nun in Quarantäne zu begeben.

In Großbritannien war eine Mutation des Virus entdeckt worden, die nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form sein könnte. Premierminister Boris Johnson hatte betont, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien. Die Form breitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus.

Zum Schutz vor der Mutation dürfen seit Montag bis zunächst 31. Dezember keine aus Großbritannien kommenden Flugzeuge mehr in Deutschland landen. Das hatte das Bundesverkehrsministerium am Sonntag verfügt. Ausgenommen sind demnach reine Frachtflüge. Weitere Beschränkungen sollen folgen. Auch zahlreiche andere europäische Länder hatten am Sonntag Flugverbote oder Grenzschließungen zum Vereinigten Königreich verkündet.

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Erstellt:
21. Dezember 2020, 15:27 Uhr

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