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Glasfasernetz: 100 Kommunen machen mit

In manchen Städten und Gemeinden trauen die Macher dem Projektpartner Telekom nicht so recht über den Weg

Kommunikation - Das regionale Projekt mit der Telekom als Partner nimmt allmählich Fahrt auf. Im Frühjahr wollen die Betreiber 90 Prozent aller Städte und Gemeinden im Boot haben. Doch es gibt auch Kritik.

Stuttgart Für staugeplagte Autofahrer wäre es eine gute Nachricht, wenn das Straßennetz der Region flächendeckend ausgebaut würde. Die öffentliche Aufmerksamkeit wäre jedenfalls groß. Ein vergleichbares Projekt wird momentan abseits der großen öffentlichen Beachtung auf den Weg gebracht: die Gigabit-Region Stuttgart. Auch bei der Datenübermittlung herrschen in der Region Staus und Engpässe.

Ein flächendeckendes Glasfasernetz, in dem riesige Datenpakete schnell unterwegs sind, soll in den nächsten Jahren vergraben werden. Es ist nach Stuttgart 21 die zweitgrößte Investition in der Region: Mehr als 1,5 Milliarden Euro sind veranschlagt. Grundlage ist das „deutschland- und vielleicht europaweit größte Kooperationsprojekt zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft“, sagt Hans-Jürgen Bahde, regionaler Breitbandbeauftragter und designierter Chef der Gigabit-Region-Stuttgart-GmbH, die Anfang des Jahres gegründet werden soll. Allerdings gibt es für dieZusammenarbeit zwischen der Telekomauf der einen und der Region, Kreisen, Städten und Gemeinden auf der anderen Seite nicht nur Beifall: Stadtwerke setzen auf den eigenen Ausbau, Bürgerinitiativen und Politiker fordern ein öffentliches Netz. Und mittlerweile erhöht die Telekom-Konkurrenz ihre Aktivitäten. Denn: Glasfaserleitungen kann jeder anbieten.

Frage: Wie ist die Ausgangslage?

Antwort: Einigkeit herrscht bei der Diagnose: Deutschland hat enormen Nachholbedarf. Und das gilt nicht nur für das flache Land, selbst wirtschaftsstarke Regionen wie der Ballungsraum Stuttgart sind schlecht versorgt und hinken der Entwicklung hinterher. Zunächst plante die Region ein regionales Backbone-Netz – also so etwas wie große Autobahnen, an denen lokale Abzweigungen für unterversorgte Gebiete andocken könnten. Doch dieser Plan erwies sich wegen der hohen Kosten von mehr als einer halben Milliarde Euro als unrealistisch. Die Region sondierte den Markt und präsentierteAnfang Juli die Telekom als Partner. Das Telekommunikationsunternehmen erklärte sich bereit, 1,1 Milliarden Euro ins Glasfasernetz in der Region zu investieren. 500 Millionen Euro sollen die beteiligten Kommunen beisteuern, damit weniger lukrative Gebiete angeschlossen werden können. Das Ziel ist, bis 2025 alle Gewerbegebiete und Schulen angeschlossen zu haben, bis 2030 fast jeden Haushalt.

Frage: Was wird gemacht?

Antwort: Seit Juli reisen Vertreter der Kreise und der Telekom durch die Region und preisen den Rathäusern ihr Modell an. „Wir untersuchen vor Ort die Situation“, sagt Bahde. Dann wird beziffert, wie hoch der kommunale ­Investitionsbedarf für einen flächendeckenden Glasfaserausbau ist. „Bisher sind mehr als 100 der 179 Kommunen in der Region ­dabei“, sagt Bahde, „im Frühjahr wollen wir die Beteiligung bei 90 Prozent haben.“ Diese Städte und Gemeinden werden Mitglied in den kreisweiten Zweckverbänden, die jeweils ein Siebtel an der regionalen Gigabit-GmbH halten. Als nächster Schritt sind konkrete Ausbaupläne geplant, die immer einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten umfassen.

Frage: Was wird kritisiert?

Antwort: Nicht überall rennen Bahde und sein Team offene Türen ein. In vielen Städten, bei Oberbürgermeistern und Regionalräten herrscht die Erfahrung vor, dass sich die Telekom bisher beim Glasfaserausbau nicht mit Ruhm bekleckert habe und erst beweisen müsse, was sie zu leisten im Stande sei. Aber es gibt auch grundsätzliche Einwände: So reklamieren Bürgerinitiativen und Politiker von links bis rechts, dass das Glasfasernetz wie andere Infrastrukturen in staatliche Hände gehöre und nicht Profitinteressen privater Konzerne untergeordnet werden dürfe. Dem entgegnet Bahde, dass jede Kommune frei sei, ob sie mitmachen wolle, und die Telekom kein Ausbaumonopol habe, sondern auch andere Unternehmen aktiv werden könnten. Dort, wo bereits vorhanden, behielten die Kommunen auch ihre Infrastruktur und könnten sie verpachten. Und dass jeder die von der Telekom und den Kommunen gebauten Leitungen gegen Gebühr nutzen könne, sei Grundbedingung: „Ohne Open Access geht es nicht.“ Ebenso kategorisch pariert er dieKritik aus kommunalen Stadtwerken, wonach die Investition bei Weitem nicht ausreiche, die Telekom ohnehin nur das mache, was sich für sie lohne, und am Ende Kommunen in die Röhre schauen würden. Eine Rosinenpickerei werde es nicht geben, entgegnet Bahde: „Alle Städte und Gemeinden, die mitmachen, werden profitieren.“

Dass die jüngst ausgerufene, ehrgeizige Digitalisierungsoffensive des Bundes den regionalen Gigabitausbau überholt und die Region wieder hinterherhinkt, hält er für ausgeschlossen, im Gegenteil: „Weil wir ­sofort handlungsfähig sind, werden wir von dem Bundesprogramm überproportional profitieren.“

Frage: Wie verhalten sich die Stadtwerke?

Am Ende rechnet Bahde nur mit einer Handvoll Städte, die auf die eigenen Stadtwerke, die bereits jetzt im Glasfaserausbau engagiert sind, setzen – darunter Waiblingen, Sindelfingen und Schorndorf. Dort entschied der Gemeinderat, über die Stadtwerke in den nächsten zehn Jahren mehr als 55 Millionen Euro in eine Vollabdeckung zu investieren. Nur so könnten etwa alle Schorndorfer Haushalte erreicht werden.

Hans-Jürgen Bahde glaubt, dass es mit dem regionalen Konzept für weniger als 20 Millionen Euro möglich wäre. Er hofft, viele der 34 Stadtwerke in der Region zu überzeugen. „Wir gehen auf deren spezifische Bedingungen ein“, sagt er: „Mal sehen, was sich da entwickelt.“

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Erstellt:
17. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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