Greta Thunberg: „Wir werden weiter Druck machen“

dpa Stockholm. Wer in Berlin das Sagen hat, ist Greta Thunberg egal - entscheidend ist, was am Ende für das Klima herauskommt. Trotz Unwägbarkeiten kündigt sie an: Fridays for Future wird auch 2022 nicht nachlassen.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg steht am Ort ihrer freitäglichen Klimaproteste vor dem Reichstag in Stockholm. (Archivbild). Foto: Steffen Trumpf/dpa

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg steht am Ort ihrer freitäglichen Klimaproteste vor dem Reichstag in Stockholm. (Archivbild). Foto: Steffen Trumpf/dpa

Klima- und Umweltaktivistin Greta Thunberg will die politischen Entscheidungsträger und auch die neue Bundesregierung in Berlin im kommenden Jahr weiter zu deutlich mehr Klimaschutz drängen.

Der Druck müsse von allen Seiten erzeugt werden und das Bewusstsein für die Dringlichkeit der Klimakrise endlich erhöht werden, sagte die junge Schwedin in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Stockholm.

Nach der Weltklimakonferenz in Glasgow sei es zunächst überaus ruhig um das Thema Klimaschutz geworden, monierte Thunberg. „Es fühlt sich an, als ob jeder, der über das Klima berichtet, erschöpft ist und eine Pause eingelegt hat.“ Vielleicht wollten die Leute im Moment nichts über das Klima hören, vielleicht liege es aber auch daran, dass die Medien nicht darüber berichteten. „Ich hoffe, dass wir bald wieder darüber sprechen werden“, sagte die 18-Jährige.

Thunberg: Ganzheitlich denken

Angesichts des Ziels der deutschen Ampelkoalition, den bislang für 2038 festgeschriebenen Kohleausstieg vorzuziehen, warnte Thunberg vor einem zu starken Fokus auf das Festschreiben von Zeitpunkten in der Zukunft. „Wir können nicht nur über Daten sprechen, an diesem Datum werden wir aus fossilen Brennstoffen aussteigen, an jenem Datum aus der Kohle und so weiter. Wir müssen in CO2 sprechen, wir müssen in CO2-Budgets sprechen“, sagte sie. „Wenn wir so weitermachen wie jetzt, dann haben wir unser CO2-Budget schon vor den angekündigten Zeitpunkten aufgebraucht. Es geht darum, ganzheitlich zu denken.“

Die neue Bundesregierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, den bislang für 2038 vereinbarten Ausstieg aus der Kohleverbrennung „idealerweise auf 2030“ vorzuziehen. Gelingen soll das durch den Ausbau erneuerbarer Energien und den Bau von neuen Gaskraftwerken. Anfang 2019 hatte sich die von der damaligen Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission auf einen Kompromiss zum deutschen Kohleausstieg im Jahr 2038 geeinigt. „Deutschland will bis 2038 Kohle verbrennen. Das ist absolut absurd“, hatte Thunberg dazu in einem dpa-Interview gesagt.

Hoffnung auf die neue Regierung

Dass sich die Scholz-Regierung stärkeren Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben hat, sorgt bei der Gymnasiastin in Stockholm nicht für sofortige Jubelsprünge. „Nun ja, wir haben auch eine neue Regierung in Schweden bekommen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass gehandelt wird“, sagte sie unter Verweis auf den Regierungswechsel in ihrem Land vor gut einem Monat. „Wir sind immer noch hoffnungsvoll und werden weiter Druck machen, egal was passiert, wer auch immer in der Regierung ist.“

Konkrete Pläne für die Aktionen der von ihr initiierten Klimabewegung Fridays for Future im neuen Jahr gibt es unter anderem aufgrund der Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie noch nicht - und das sei eine der Stärken der Bewegung, sagte Thunberg. „Wir sind sehr spontan. Wir passen uns an alles an, was auch immer passiert.“ Während die Corona-Zahlen gerade wieder anstiegen, wisse man noch nicht, ob man sich in großen Zahlen wie vor der Pandemie versammeln könne.

Thunberg hatte sich im August 2018 zunächst einsam vor den Reichstag in Stockholm gesetzt, um die schwedischen Politik zu mehr Klimaschutz aufzurufen. Unter anderem dank ihrer klaren Worte und der Verbreitung durch die sozialen Netzwerke entstand daraus eine weltumspannende Klimabewegung, die seither großen Druck auf Entscheidungsträger ausübt. Bis zum Corona-Beginn waren immer wieder Hunderttausende überwiegend junge Menschen in Dutzenden Ländern für das Klima auf die Straße gegangen, darunter besonders viele in Deutschland. Durch die Pandemie sind solche Großproteste kaum mehr möglich gewesen.

© dpa-infocom, dpa:211222-99-472583/3

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Erstellt:
22. Dezember 2021, 06:10 Uhr

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