Größer, höher, schneller, steiler

Aspacher Jugendliche haben den Dirtpark an der Mühlfeldhalle in Eigenarbeit saniert.

Hoch hinaus: Campino Kastners Fahrt auf dem neu gestalteten Dirtpark in Aspach kann sich sehen lassen.

© Alexander Becher

Hoch hinaus: Campino Kastners Fahrt auf dem neu gestalteten Dirtpark in Aspach kann sich sehen lassen.

Von Lorena Greppo

ASPACH. Im Aspacher Dirtpark haben die Jugendlichen das Kommando übernommen. „Wir passen die Strecke an unsere Bedürfnisse an“, erklärt Simon Katzer die aktuellen Arbeiten am Track. In der Praxis bedeute das: Größer, höher, schneller und steiler sollte die Strecke werden. Dafür bringen die jungen Leute vollen Einsatz. „Wir haben eigentlich nur den Bagger mit Fahrer gestellt und ab und zu geschaut, dass auch alles gut läuft“, berichtet Uwe Kugler, Sachgebietsleiter im Hochbau der Gemeinde Aspach. Er weiß: „Der alte Park war schon ziemlich in die Jahre gekommen und für die Jugendlichen zu langweilig.“ Drei Tage lang war der Bagger im Einsatz, hat Erde umgeschichtet und Hügel erhöht, danach wurde mit Schaufeln noch der Feinschliff vorgenommen. Der gesamte Park ist nach den Wünschen der Jugendlichen gestaltet worden: Anlauf, Hügel, Kurve – sie haben festgelegt, was wie aussehen soll. Und sie sind noch nicht am Ende. „Es wird noch weiter daran geschafft“, erklärt Campino Kastner. Zum Verdichten des Untergrunds bekommen sie bald auch noch eine Rüttelplatte von der Gemeinde gestellt.

Wie es kam, dass die Jugendlichen das Sagen haben? „Wenn man etwas verbessern möchte, dann fragt man am besten Experten nach ihrer Meinung und nach Vorschlägen. Und genau das haben wir getan“, schreibt die Gemeindeverwaltung auf ihrer Internetseite. Ursprünglich, erklärt Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff, seien die jüngeren Bewohner der Gemeinde wegen des Skateparks neben dem BMX-Track an sie herangetreten. Sie hatten sich Rails und Obstacles, also Hindernisse, die das Skaten interessanter machen, gewünscht. Bei der Gelegenheit sei auch der Dirtpark zur Sprache gekommen und wie es der Zufall so wollte, stand kurz darauf der Bagger zur Verfügung. Da habe man nicht lange gefackelt, erklärt Welte-Hauff. „Von heute auf morgen ging’s los.“

In Handarbeit werden die letzten Arbeiten vorgenommen: David Lindenlaub, Phillip Durst, Simon Katzer und Campino Kastner (von links) passen die Strecke an ihre Bedürfnisse an.

© Alexander Becher

In Handarbeit werden die letzten Arbeiten vorgenommen: David Lindenlaub, Phillip Durst, Simon Katzer und Campino Kastner (von links) passen die Strecke an ihre Bedürfnisse an.

Das Ergebnis überzeugt. „Die Jugendlichen haben sich super eingebracht“, äußert sich Kugler erfreut. Auch sei bei der Ausarbeitung des Tracks auf alle Rücksicht genommen worden: Für die Jüngeren gibt es einen welligeren Abschnitt, der allerdings noch nicht ganz fertig ist, für ältere Fahrer einen höheren Anlauf, bei dem man richtig Schwung mitnehmen kann. „Am Anfang haben wir zusammen einen groben Plan festgelegt“, erklärt David Lindenlaub. „Und wenn das in der Praxis nicht funktioniert hat, haben wir es währenddessen vor Ort noch geändert“, fügt Campino Kastner an. Mit der Bürgermeisterin standen die Jugendlichen dabei in regelmäßigem Kontakt, haben sie auch abends angerufen, als man die ersten Sprünge ausprobieren konnte. „Sehr vorbildhaft“ findet sie die Umsetzung. Gerade dass die verschiedenen Altersgruppen so harmonisch zusammengearbeitet haben, habe ihr imponiert, so Welte-Hauff.

Denn eines ist für die Bürgermeisterin klar: „Auch die Jugendlichen im Alter von 14 und aufwärts brauchen einen Ort, an dem sie sich treffen können.“ Für Spielplätze seien sie zu alt, „aber wenn man sie von dort wegschickt, lösen sie sich ja nicht in Luft auf“. Man müsse auch für sie Räume schaffen und ihnen dann auch den nötigen Freiraum lassen. Zumal im Moment aufgrund der Coronaverordnung nicht einmal der Jugendtreff in Aspach geöffnet ist.

Auch im Skatepark soll sich schon bald etwas tun.

Sozialarbeiterin Denise Moser und ihr Kollege Mirko Eichentopf setzen daher momentan vermehrt auf aufsuchende Arbeit. Dabei seien sie am Skatepark und an der BMX-Bahn immer wieder auf Kinder und Jugendliche getroffen, die den Wunsch nach einer Veränderung geäußert haben, erklärt Moser. „Die Wünsche haben wir aufgelistet und an die Gemeinde weitergeleitet“, berichtet sie. Dass die Umsetzung so schnell ging, werde von allen als sehr positiv wahrgenommen. Und die Jugendreferentin ist sich sicher: „Der neue Dirtpark zieht schon.“ Auch aus den umliegenden Gemeinden erwartet sie junge BMX-Fahrer, statt der bisherigen 20 bis 30 Nutzer könnten es gut doppelt oder dreimal so viel werden.

Währenddessen testen die Jugendlichen schon ausgiebig ihren neuen Track. Einer nach dem anderen dreht eine Runde, freut sich, wenn die hohen Sprünge gelingen, und findet vielleicht noch die eine oder andere Stelle, wo nachgebessert werden muss. Aber sie sind sich einig: Das fühlt sich schon sehr gut an. „Man merkt, es erfüllt sie mit Stolz, was sie hier geschafft haben“, äußert sich Welte-Hauff erfreut. Das Verantwortlichkeitsgefühl für „ihre“ Anlage, welches die Jugendlichen durch ihr Engagement entwickelt haben, hat laut der Bürgermeisterin noch einen weiteren positiven Effekt: „Wir haben festgestellt, dass es erheblich weniger Beschädigungen gibt, wenn die Nutzer an der Gestaltung selbst beteiligt waren.“ Auch wolle man am Rand der Anlage noch ein paar Spinde aufstellen lassen.

Und auch im Skatepark nebenan soll sich in Kürze etwas tun: Die Obstacles seien schon bestellt. Eine sogenannte Shape, also eine Art Rampe, sei relativ teuer. Man habe vergebliche nach gebrauchten Anlagen geschaut und suche jetzt noch nach Sponsoren. „Aber sie kommt als Nächstes“, sagt die Bürgermeisterin. „Ich hab’s versprochen, schließlich waren die Skater zuerst mit ihren Anliegen bei mir.“ Die jungen Aspacher seien sogar zum Rathaus gekommen und hätten das Gespräch mit ihr gesucht. „Ich finde es sehr wichtig, dass sie auch gehört werden“, sagt Sabine Welte-Hauff. Dadurch, dass sie in Projekte wie die Sanierung des Dirtparks einbezogen werden, werde auch die Sozialkompetenz gestärkt.

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Erstellt:
17. April 2021, 16:00 Uhr

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