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Großbrand im Frühmesshof

Scheune und angrenzende Garagen in Kirchberger Ortsteil brennen komplett nieder – Brandstiftung steht im Raum

Eine ausgebaute Scheune, in der ein Secondhand- und Umzugsunternehmen angesiedelt war, brannte in der Nacht zum Samstag bis auf die Grundmauern nieder. Ebenfalls wurden die angrenzenden Garagen, in denen unter anderem Oldtimer untergestellt waren, Opfer der Flammen. Beschädigt wurden überdies auf dem Gelände abgestellte Wohnwagen. Sachschaden: rund 200000 Euro. Einen Mann, der sich am Einsatzort befand, nahm die Polizei mit und verhörte ihn auf einem Revier. Brandstiftung ist nicht ausgeschlossen.

Eine der Herausforderungen beim Brand eines einstigen landwirtschaftlichen Anwesens im Frühmesshof ist zu verhindern, dass andere Gebäude durch den starken Funkenflug entzündet werden.

© 7aktuell.de/Simon Adomat

Eine der Herausforderungen beim Brand eines einstigen landwirtschaftlichen Anwesens im Frühmesshof ist zu verhindern, dass andere Gebäude durch den starken Funkenflug entzündet werden.

Von Ingrid Knack

KIRCHBERG AN DER MURR. Samstag zwischen 3 und 4 Uhr. Ein Anwohner meldet einen Brand im Frühmesshof. Als die Feuerwehr gegen 3.45 Uhr am Einsatzort in der Backnanger Straße in dem Kirchberger Ortsteil eintrifft, brennt das ehemalige landwirtschaftliche Gebäude lichterloh. Schon in den beiden Nächten zuvor war die Kirchberger Feuerwehr zu zwei Bränden gerufen worden. Am Donnerstag löschten die Wehrleute gegen 22 Uhr eine in Flammen stehende Sitzbank im Bereich Hutzeläcker. Am Freitag rückten sie gegen 5 Uhr wegen rund 120 brennenden Strohballen an der Landesstraße zwischen Kirchberg und Burgstall aus. Noch am selben Tag starteten einige Mitglieder der Kirchberger Wehr zu einem mehrtägigen Ausflug nach Dresden. So kann auch der Kirchberger Kommandant Rainer Drexler nicht vor Ort sein, als seine Wehr am dritten Tag in Folge alarmiert wird. Die Einsatzleitung übernimmt deshalb Jochen Zowe. „Wir hatten noch genügend Kameraden vor Ort, um für einen Erstschlag gewappnet zu sein“, erklärt er gestern auf Nachfrage.

Auch Kreisbrandmeister René Wauro ist in der Nacht im Frühmesshof. Wie er später versichert, war es unmöglich, das vollständige Abbrennen des Gebäudes zu verhindern. So konzentrieren sich die Wehrleute darauf zu verhindern, dass die Flammen – vor allem durch den starken Funkenflug – auf das angrenzende Haus, in dem zehn Geflüchtete untergebracht sind, und weitere Gebäude übergreifen. Die Geflüchteten werden ins Feuerwehrgerätehaus Kirchberg gebracht, können aber noch am selben Tag in ihre Wohnungen zurückkehren. Eine Schadstoffmessung der Feuerwehr in dem nur leicht an der Fassade beschädigten Gebäude war negativ verlaufen. Die Bewohner zweier benachbarter Gebäude werden in der Nacht gebeten, ihre Häuser zu verlassen. DRK-Mitglieder und eine Rettungswagenmannschaft sind vor Ort.

Im gesamten Ortsteil

wird der Strom abgeschaltet

Doch es gibt noch weitere Herausforderungen. Es gilt, einen Strommasten „zu halten“ (Wauro) und die Wehrleute nicht durch eine eventuell beschädigte, in etwa fünf Metern Höhe verlaufende Stromleitung zu gefährden. Deshalb schaltet die Syna im Frühmesshof den Strom zunächst komplett ab. In den Häusern auf der gegenüberliegenden Straßenseite gibt’s zwischen 7 und 7.30 Uhr nach den Worten Wauros wieder Strom.

Nicht zuletzt wegen des nicht ganz einfachen Löschwasseraufbaus – auch ein Zeitfaktor – werden weitere Feuerwehren alarmiert. Am Ende sind die Feuerwehren aus Kirchberg, Aspach, Backnang und Steinheim (sie stellen neben den Backnangern die zweite Drehleiter) sowie Wehrleute aus Oppenweiler von der Führungsgruppe mit 16 Fahrzeugen und 70 Mann vor Ort. Wauro: „Sie haben uns unterstützt mit ganz viel Schläuchen. Aus dem Löschwassernetz konnten wir nichts mehr rausnehmen.“ Das Wasser kommt jetzt aus dem Hochbehälter Zwingelhausen, zu dem eine kilometerlange Wasserleitung gelegt werden musste. Nun wird mit NOW-Wasser gelöscht.

Und: Es gibt auch einige von Camping-Gasflaschen und Autos ausgehende Explosionen, so Jochen Zowe.

Noch in der Nacht nimmt die Polizei einen Mann mit aufs Waiblinger Revier, der sich an der Einsatzstelle befindet. Er wird verhört, dann darf er aber wieder seiner Wege gehen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es sich dabei um einen Feuerwehrmann handeln. Dies wird von der Polizei aber nicht bestätigt. Wegen der laufenden Ermittlungen äußert sie sich nicht dazu. Zur Fahndung nach einem eventuellen Brandstifter war auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz.

Gemeinderat Christoph Berroth vertritt in dieser Nacht Bürgermeister Frank Hornek, der sich auf Dienstreise befindet. Er zeigt sich vor allem darüber erleichtert, dass niemand verletzt wurde. Auch am Morgen ist er zusammen mit Hauptamtsleiterin Hanna Selig vor Ort. „Ein Kriminaltechniker war da. Der Brandort ist beschlagnahmt“, sagt er. Überall steigt Rauch auf, es gibt selbst noch am Abend zahlreiche Glutnester. Einige der Wohnwagen, die auf dem Gelände abgestellt waren, habe die Feuerwehr weggezogen, weiß Berroth. Dennoch sieht man durch die Hitze geschmolzene Fenster und Verkleidungen an den Campingwagen. An der Brandstelle wird schnell klar: „Es gibt viele Geschädigte“, wie Berroth konstatiert.

Zahlreiche Oldtimer

werden Opfer der Flammen

Das Gelände nebst den Gebäuden darauf gehört einer Erbengemeinschaft. Mehrere Familienmitglieder sind vor Ort. Sie machen sich ein Bild von der in Trümmern liegenden, vor einiger Zeit umgebauten, uralten Fachwerkscheune, den ausgebrannten Oldtimern und den beschädigten Wohnwagen. Sie fragen sich unter anderem, wie sie das den Besitzern der Fahrzeuge beibringen sollen, denen sie eine Unterstellmöglichkeit für ihre Gefährte angeboten hatten.

Andreas Hoffmann, der Betreiber der Secondhandfirma, erfährt die Nachricht vom Brand im Frühmesshof in seinem Urlaub mit der Familie im europäischen Ausland. „Der Laden war voll“, lässt er auf Anfrage wissen. Unterschiedlichste Gegenstände, die bei Haushaltsauflösungen zusammengekommen sind, befanden sich in der Scheune. Zudem Fahrräder und Utensilien, die das Unternehmen für seine Umzugsdienste benötigt: „Ein Stapler, verschiedene Werkzeuge, ein Außenaufzug...“ Seit 21 Jahren führt die Familie Hoffmann aus Aspach das Geschäft im Frühmesshof. „Ich muss schauen, dass ich wieder ein Ladengeschäft bekomme“, meint Hoffmann. Was genau jetzt mit seinen Mitarbeitern geschieht, wird sich erst noch zeigen müssen.

Als die Feuerwehr am Einsatzort ankommt, brennt die ausgebaute Scheune schon lichterloh.

© 7aktuell.de/Simon Adomat

Als die Feuerwehr am Einsatzort ankommt, brennt die ausgebaute Scheune schon lichterloh.

Von der uralten, umgebauten Fachwerkscheune bleibt so gut wie nichts mehr übrig.

© Ingrid Knack

Von der uralten, umgebauten Fachwerkscheune bleibt so gut wie nichts mehr übrig.

In Garagen abgestellte Oldtimer sind völlig ausgebrannt.Fotos: 7aktuell/agb (2), I. Knack (2)

© Ingrid Knack

In Garagen abgestellte Oldtimer sind völlig ausgebrannt.Fotos: 7aktuell/agb (2), I. Knack (2)

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Erstellt:
24. September 2018, 06:00 Uhr

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