Großerlach hat einen neuen Bürgermeister

Kevin Dispan wird in der jüngsten öffentlichen Sitzung des Gemeinderats in sein Amt eingesetzt. Auf ihn warten große Herausforderungen in der Gemeinde, die er durch Teamarbeit lösen möchte.

Der Spaten mag nur ein Symbol sein, doch auf Kevin Dispan kommen große Aufgaben zu. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Der Spaten mag nur ein Symbol sein, doch auf Kevin Dispan kommen große Aufgaben zu. Foto: Alexander Becher

Von Christoph Zender

Großerlach. „Begeistern Sie die Menschen für Ihre Ziele, und insbesondere diejenigen, die Sie nicht gewählt haben.“ Mit diesen Worten hat Hans Wohlfarth, erster stellvertretender Bürgermeister von Großerlach, wohl recht gut die Stimmung der Bürgerinnen und Bürger erfasst, die am vergangenen Donnerstagabend die Amtseinsetzung ihres neuen Rathauschefs Kevin Dispan in der voll besetzten Schwalbenflughalle in Grab live mitverfolgen wollten. Bei vielen von ihnen war die intensive Auseinandersetzung um die Rathausspitze, die auch in der Bevölkerung ihre Spuren hinterlassen hatte, noch allzu präsent.

Deshalb richtet sich der Blick der anwesenden Gäste und der zahlreich erschienenen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kommunalverwaltung nun in die Zukunft. Schließlich wird Kevin Dispan in den kommenden acht Jahren die Geschicke der Höhengemeinde lenken. An diesem Punkt setzte Dirk Schönberger, Oberbürgermeister von Remseck am Neckar und bisheriger Chef von Dispan, in seinem Grußwort an. „Wer ist eigentlich Kevin Dispan?“, fragte er und lieferte die Antwort darauf gleich mit. „Für mich ist Kevin Dispan jemand, der nicht ausweicht, stets präsent ist und sich auch bei Gegenwind hinstellt“, fasste er die hervorstechenden Eigenschaften seines bisherigen stellvertretenden Kämmerers zusammen.

„Er hat die Verwaltung von der Pike auf gelernt“

Für Landrat Richard Sigel, der Kevin Dispan die offizielle Urkunde zu seiner Amtseinsetzung überreichen durfte, stellt er eine „Traumkombination für eine schwäbische Gemeinde“ dar. „Er hat die Verwaltung von der Pike auf gelernt und kann auch noch mit Zahlen gut umgehen“, freut sich der Landrat bereits auf die zukünftige Zusammenarbeit mit Dispan. Diese möchte auch der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr mit seinem neuen Großerlacher Amtskollegen fortsetzen. „Quasi über den Schwäbischen Wald hinweg“, wie er den bewährten Austausch von einer Höhengemeinde zur anderen beschrieb.

Dass auf den jungen Schultes jede Menge Arbeit zukommen wird, wollten die Mitglieder des Gemeinderats nicht unerwähnt lassen. Mit der Sanierung des Ortskerns von Großerlach und dem dringend notwendigen neuen Abwasserkonzept sind zwei wichtige Themen gesetzt. Wenn auch der vom Gemeinderat als Antrittsgeschenk für Dispan überreichte Spaten wegen der persönlichen Gravur nur geringen praktischen Nutzen haben sollte, ist seine Symbolkraft unübersehbar. „Unser neuer Schultes soll was schaffen“, bringt es der zweite stellvertretende Bürgermeister Markus Zick treffend auf den Punkt.

Weitere Themen

Angesichts der Vorschusslorbeeren und der wohlgemeinten Ratschläge in den Grußworten stimmte Kevin Dispan in seiner Antrittsrede selbst einen durchaus nachdenklichen Ton an. „Ich übernehme das Amt mit unendlicher Dankbarkeit, Demut und Respekt, aber auch mit Freude auf die vor mir liegenden Aufgaben“, gewährte er den Zuhörern einen Einblick in seine Gefühlswelt an diesem Abend. Als aktiver Fußballspieler wisse er, wie wichtig für den Erfolg eine gute Teamleistung ist. Auf seine Mannschaft im Rathaus könne er sich verlassen, wie Hauptamtsleiter Steffen Barth ihm versicherte. „Den Satz ,Das haben wir immer schon so gemacht‘ werden Sie bestimmt häufiger zu hören bekommen“, prophezeite Barth schmunzelnd. „Allerdings dient er nur der Erklärung von Vorgängen und nicht als Rechtfertigung für mangelnden Veränderungswillen.“

Hoffnung auf frischen Wind und ehrgeizige Ziele

Eine echte Herausforderung können jedoch die bevorstehenden Kommunalwahlen für Dispan bedeuten: Rund die Hälfte der amtierenden Mandatsträger wird nicht mehr zur Wahl antreten. Zweifelsohne wird sich dadurch das Gesicht des neuen Rats verändern. „Hierin sehe ich kein größeres Problem. Chance und Herausforderung halten sich die Waage“, entgegnete der neue Rathauschef auf Nachfrage selbstbewusst. „Ich hätte zwar gerne mit vielen bisherigen Gemeinderätinnen und Gemeinderäten weiter zusammengearbeitet, freue mich aber auch auf die Neuen, die zur Wahl antreten.“ Eine Freude, die durchaus auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint, wie Simone Kurz, Mitglied des bisherigen und Bewerberin für den neuen Gemeinderat, es ausdrückte: „Ich verspreche mir frischen Wind durch Kevin Dispan. Er ist jung, motiviert, kompetent und ehrgeizig.“ Diese Einschätzung dürften auch die anwesenden Großerlacher Bürger am Donnerstagabend mit nach Hause genommen haben.

Mit der Amtseinsetzung von Kevin Dispan wird in der Geschichte der Gemeinde ein neues Kapitel geschrieben. Und der Altbürgermeister, dessen Verdienste von seinem Nachfolger nochmals explizit hervorgehoben wurden? Christoph Jäger hat sich im wahrsten Sinn des Wortes in die zweite Reihe verabschiedet: Als aktiver zweiter Tenor im Gesangverein „Eintracht“ aus Grab beschränkte er sich darauf, mit dem Musikverein „Frischauf“ Grab und der Flöten-AG der Grundschule für eine stimmungsvolle musikalische Atmosphäre in der Schwalbenflughalle zu sorgen.

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Erstellt:
4. Mai 2024, 06:00 Uhr

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