Austritt aus sozialem Netzwerk

Grüne verlassen X, aber Cem Özdemir bleibt: „Ich halte es für falsch“

Gemeinsam ziehen sich Grüne, SPD und Linke von der Plattform X zurück. Alle Grünen? Nein – Baden-Württembergs Polit-Promis gerieren sich wieder mal als gallisches Dorf.

Cem Özdemir macht beim Rückzug von X nicht mit.

© IMAGO/Chris Emil Janßen

Cem Özdemir macht beim Rückzug von X nicht mit.

Von Sascha Maier

Der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) bleibt auf der Plattform X, auch wenn seine Partei es nicht tut. Grüne, SPD und Linke hatten sich darauf verständigt, dem sozialen Netzwerk den Rücken zu kehren. Seit der Übernahme durch Elon Musk steht X zunehmend in der Kritik, sich zu einem Einfallstor für Hass und Hetze entwickelt zu haben.

Özdemir wolle den Kampf auf diesem Feld aber nicht aufgeben. „Ich kann die Entscheidung vieler gut nachvollziehen – X hat sich stark verändert und vieles dort ist problematisch“, sagte er gegenüber unserer Redaktion. „Aber ich halte es trotzdem für falsch, sich komplett zurückzuziehen.“

Cem Özdemir bleibt auf X – mit dieser Begründung

Denn: „Gerade auf solchen Plattformen dürfen wir das Feld nicht denen überlassen, die am lautesten schreien oder Desinformation verbreiten.“ Gleichzeitig würden Parteien wie die Grünen dort Menschen erreichen, „die wir über andere Kanäle kaum noch erreichen“.

Özdemir findet: „Wir müssen uns dieser Auseinandersetzung stellen – auch wenn sie anstrengend ist. Deshalb bleibe ich vorerst bei X.“ Dabei ist es auf seinem X-Kanal in den vergangenen Tagen eher ruhig gewesen. Seinen letzten Beitrag verfasste er am 1. Mai.

Özdemir ist in Baden-Württemberg nicht alleine

Cem Özdemir ist in seiner Partei nicht ganz alleine mit seiner Haltung, X als Sprachrohr nicht aufzugeben. Vor allem in Baden-Württemberg ist eine Häufung von prominenten Grünen-Politikern festzustellen, die mit dem Kurs der Bundespartei nicht mitzieht. Sind die BW-Grünen also auch beim Thema X ein Sonderfall?

Jedenfalls erklärte auch Finanzminister Danyal Bayaz auf X: „Ich respektiere jede Entscheidung, X zu verlassen.“ Er habe sich bewusst entschieden, auf der Plattform zu bleiben, „um demokratische Werte sichtbar zu vertreten und extremen Positionen etwas entgegenzusetzen, auch wenn es manchmal schwer erträglich ist.“

Ich respektiere jede Entscheidung, X zu verlassen. Ich habe mich bewusst entschieden zu bleiben, um demokratische Werte sichtbar zu vertreten und extremen Positionen etwas entgegenzusetzen, auch wenn es manchmal schwer erträglich ist.https://t.co/vhHqNxbRts — Danyal Bayaz (@DerDanyal) May 5, 2026

Auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang ist weiterhin auf X aktiv, wo ihr fast 200.000 Menschen folgen. Sie setzt Kurznachrichten ab, als gebe es den Vorstoß ihrer Partei schlicht nicht.

X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert. X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen bespielen wir diesen Account nicht mehr.#WirVerlassenX — SPD-Fraktion im Bundestag (@spdbt) May 4, 2026

Was die Bundesgrünen vom Ausscheren einiger ihrer prominentesten Köpfe halten, war zunächst nicht zu klären. Eine Anfrage an die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner blieb bis Dienstagnachmittag unbeantwortet.

Rückzug von X: Gemeinsamer Schritt von Grüne, SPD und Linke

Grüne, SPD und Linke hatten sich gemeinsam darauf verständigt, die Inhalte, die auf X Verbreitung finden, künftig anderen zu überlassen. „X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert“, ist auch auf dem noch aktiven Account der SPD-Fraktion im Bundestag zu lesen. X fördere zunehmend Desinformation. „Deswegen bespielen wir diesen Account nicht mehr.“

Zum Artikel

Erstellt:
6. Mai 2026, 11:04 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen