Helfern helfen

Pflegende Angehörige sollten besser unterstützt werden

Familien im Südwesten sind besonders hilfsbereit, wenn es um die Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger geht.Das geht aus der neuen Pflegestatistik hervor. Demnach werden 57 Prozent aller Frauen und Männer, die Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, in Baden-Württemberg daheim und allein durch Verwandte versorgt. Nirgendwo in Deutschland ist diese Quote höher – eine gute Nachricht für alle Menschen, die im Alter möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben wollen.

Der Staat tut gut daran, die pflegenden Angehörigen als größten Pflegedienst der Nation nach Kräfte zu unterstützen. Und es geschieht ja auch schon eine ganze Menge. Zu Jahresbeginn steigen wieder einmal die Beiträge zur Pflegeversicherung. Das Geld wird dringend benötigt, um zusätzliche Leistungen beispielsweise für demenzkranke Menschen finanzieren zu können. Zu dumm ist allerdings, dass viele Pflegebedürftige und pflegende Angehörige ihnen zustehende Leistungen für Unterstützung im Pflegealltag gar nicht abrufen können, weil es an Leistungsanbietern mangelt. Jahr für Jahr verlieren sie so bares Geld.

Staatliche Überregulierung für ehrenamtliche Helfer ist ein Teil des Problems. Es sollte dringend angegangen werden. Das Land kann dabei nicht auf den Bund verweisen. Es hat neue und strikte Regeln für die Ehrenamtlichen vor zwei Jahren selbst erlassen. Damals ging das Sozialministerium davon aus, dass es 2030 gut 400 000 Pflegebedürftige im Land geben würde. Dank der neuen Pflegestatistik ist klar, dass diese Zahl bereits Ende 2017 erreicht war. Auch wenn dieser Effekt vor allem durch die neue Definition der Pflegebedürftigkeit zu erklären sein mag – dass Handlungsbedarf besteht, kann niemand bezweifeln.

willi.reiners@stzn.de

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Erstellt:
31. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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