Herbstlicher Kampf gegen die Blätter

Mitarbeiter des Bauhofs reinigen Straßen und Grünflächen von Laub – Sicherheit für die Fußgänger ist wichtig

Lange Zeit hatte man den Eindruck, dass der Sommer in diesem Jahr nie endet. Doch plötzlich war der Herbst da. Nicht nass, aber kalt. Und mit der ersten Kälte fielen auch die ersten Blätter. Für die Mitarbeiter des Bauhofs Backnang jedes Jahr eine besondere Herausforderung, denn sie müssen die Straßen und Grünflächen vom Laub befreien.

Da wird was aufgewirbelt: Rund 39 Kubikmeter Laub sammeln die Mitarbeiter des Bauhofs täglich in Backnang ein. Von Oktober bis Ende Dezember sind sie damit beschäftigt. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Da wird was aufgewirbelt: Rund 39 Kubikmeter Laub sammeln die Mitarbeiter des Bauhofs täglich in Backnang ein. Von Oktober bis Ende Dezember sind sie damit beschäftigt. Fotos: A. Becher

Von Silke Latzel

BACKNANG. „Ein bisschen ist es schon eine Sisyphusarbeit“, bestätigt Simon Heideker, Abteilungsleiter Grünzug des Bauhofs, lachend. „Und wir müssen so schnell wie möglich arbeiten. Momentan ist das Wetter ideal, es spielt uns in die Hände, dass es nicht geregnet hat.“ Denn wäre es nass, könnten die heruntergefallenen Blätter zu einer glitschigen Gefahr für Fußgänger werden. Und auch für die Arbeiter hätte Regenwetter einen besonderen Nachteil: An vielen Stellen müssten sie vermehrt zur Harke greifen, könnten die Laubbläser nicht so einsetzen, wie sie es bei Trockenheit tun.

Apropos Laubbläser und vor allem Laubsauger: Keine anderen Geräte lösen größere Diskussionen zwischen Gartenfreunden, Technikliebhabern, Umweltschützern und genervten Anwohnern aus. Ein Vorwurf, der sich besonders auf aktuelle Ereignisse in Sachen Insektensterben bezieht und den auch der BUND auf seiner Homepage thematisiert: „Die lauten Ordnungshalter saugen mit den welken Blättern auch Kleintiere wie Spinnen und Insekten auf, häckseln und töten sie dabei.“ Auch Heideker und sein Vorarbeiter Safet Ucler wissen um die Kontroversen, die Bläser und Sauger auslösen. „Wir benutzen Laubsauger, die die Blätter so wie sie sind einsaugen, sie werden bei uns nicht gehäkselt. Das wäre sonst auch wirklich gefährlich für die Tiere. Das Laub kommt dann zu uns auf den Bauhof in Container, wird abgeholt und kompostiert“, so Heideker. Gut 39 Kubikmeter fallen dabei pro Tag an, das ist ungefähr so viel als würde man 260 Badewannen mit Laub füllen.

Auch die Themen Lärm und Abgase spielen in der emotionalen Diskussion um die Laubtechnik eine große Rolle. Zu laut sind sie, vor allem wenn direkt vor der eigenen Haustür gesäubert wird, ist ein Vorwurf – sie verpesten die Luft, lautet der andere. „Ja, die Sauger sind laut“, gibt Ucler zu und zeigt auf eines der Geräte: 102 Dezibel steht darauf. Nicht umsonst tragen seine Mitarbeiter alle Gehörschutz. „Aber wenn wir mit unserer Arbeit um 7 Uhr beginnen, benutzen wir keine Laubbläser, sondern nur Rechen“, erklärt er, „vor allem, wenn wir in Wohngebieten unterwegs sind.“

Und der Gestank? „Noch benutzen wir sowohl Geräte, die mit Benzin laufen, als auch elektronisch betriebene“, sagt Ucler. Und an steilen Hängen greife man sowieso meistens auf Harken zurück – gute alte Handarbeit, die keinen Lärm verursacht. Wer sich jetzt fragt, wieso die Stadtverwaltung nicht nur mit Harken arbeiten lässt, sollte eines wissen: Es geht hier auch um Zeit. Bis Ende Dezember wird das sechsköpfige Team um Safet Ucler noch beschäftigt sein, erst dann ist auch das letzte Blatt verschwunden – zumindest für dieses Jahr.

Für die Mitarbeiter ist es
am Straßenrand gefährlich

Seit Anfang Oktober sind sie bereits damit dabei, die heruntergefallenen Blätter in Backnang zu beseitigen – fünf Tage in der Woche, meistens zwischen 7 und 16.30 Uhr. Nur am Freitag gönnen sie sich einen frühen Feierabend. Ob bei Kälte oder Regen, sie sind draußen. Und das nicht nur einmal an jedem Ort, sondern mindestens zweimal, denn nicht alle Blätter fallen mit einem Mal herab. Auch ist ihr Job nicht ganz ungefährlich, die Männer arbeiten an vielbefahrenen Straßen. „Wir sperren natürlich ab, aber es ist trotzdem stressig für uns“, so der Vorarbeiter.

Wann wo mit den Räumarbeiten begonnen wird, ist eigentlich ganz einfach: „Zuerst kommen die Innenstadt und die Hauptstraßen dran, danach fahren wir in die Wohngebiete“, erklärt Heideker. Ist das Laub erst einmal auf große Haufen zusammengeräumt, kommt ein Traktor mit Anhänger, der die Blätter in Sekundenschnelle einsaugt und zum Bauhof fährt. Und so schnell, wie die Gruppe um Safet Ucler gekommen ist, so schnell sind sie auch wieder verschwunden – bis zum nächsten Jahr.

Nicht nur mit Laubbläsern, sondern auch mit Harken werden die Grünflächen gesäubert.

© Pressefotografie Alexander Beche

Nicht nur mit Laubbläsern, sondern auch mit Harken werden die Grünflächen gesäubert.

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Erstellt:
23. November 2018, 06:00 Uhr

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