Heute ist Weltmilchtag. Aber wie und wo wird Milch in der Umgebung eigentlich produziert?

Ralf und Claudia Klenk haben einen Hof mit mehr als 100 Milchkühen im Murrhardter Weiler Mettelberg. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, müssen sie unter anderem sehr früh aufstehen. Zweimal täglich wird gemolken.

Auf dem Hof von Ralf und Claudia Klenk haben die Kühe auch einen kleinen Außenbereich. Jedes der rund 140 Tiere hat übrigens einen Namen. Fotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Auf dem Hof von Ralf und Claudia Klenk haben die Kühe auch einen kleinen Außenbereich. Jedes der rund 140 Tiere hat übrigens einen Namen. Fotos: Alexander Becher

Von Melanie Maier

Murrhardt. Der Tag beginnt für Ralf Klenk mit Volksmusik und Schlager. Sobald er seine Kühe gegen 6 Uhr morgens in den Vorwartehof treibt, läuft SWR4 im Radio. „Meine Mutter behauptet immer, sonst kommen die gar nicht in den Melkstand“, verrät er mit einem Zwinkern. Marlene Klenk lässt es sich auch mit ihren 72 Jahren nicht nehmen, jeden Morgen mitzumelken. „Wer rastet, der rostet, sagt sie immer“, so Claudia Klenk über ihre Schwiegermutter.

Auch der Azubi des landwirtschaftlichen Betriebs im Murrhardter Weiler Mettelberg hilft mit, den Melkstand für die Kühe herzurichten, Futter hinzuschieben und die Tiere an die Melkmaschine anzuschließen. Jetzt im Frühsommer steht die Sonne dann schon am Himmel, im Winter dagegen ist es am frühen Morgen noch stockduster, wenn die Kühe nacheinander in den Melkstand trotten. Insgesamt 24 können auf einmal gemolken werden, zwölf auf jeder Seite.

Der Melkvorgang hat etwas Technisches

Das Melken läuft ganz anders als früher ab – Bauer und Bäuerin müssen sich nicht mehr auf einem Holzschemel den Rücken krumm machen. Stattdessen hat der Melkvorgang etwas Technisches. „Zuerst werden die Euter desinfiziert“, berichtet Ralf Klenk. „Jede Kuh wird mit einem eigenen Lappen gesäubert. Dadurch kommt der Milchfluss in Gang.“ Beim Vormelken wird zunächst geschaut, ob mit der Milch alles in Ordnung ist: Sind Flocken enthalten oder sieht die weiße Flüssigkeit anders aus als sonst? Nur wenn nichts auffällig ist, werden die vier zapfenförmigen Melkbecher an den Euter angeschlossen. Dort bleiben sie so lange, bis alle Milch abgepumpt ist. „Sobald der Druck nachlässt, wird das Vakuum unterbrochen, das Melkzeug automatisch abgenommen“, erklärt der 51-jährige Landwirt.

Landwirt Ralf Klenk demonstriert, wie die Melkmaschine funktioniert. Auf der Anzeige oben kann man ablesen, wie viel Milch eine Kuh abgegeben hat.

© Alexander Becher

Landwirt Ralf Klenk demonstriert, wie die Melkmaschine funktioniert. Auf der Anzeige oben kann man ablesen, wie viel Milch eine Kuh abgegeben hat.

Statt in den Eimer fließt die Milch durch Edelstahlrohre in den Raum nebenan. Im sogenannten Vorabscheider wird sie durch einen Filter gepumpt. Stroh und andere Grobteile bleiben darin hängen. Die übrige Milch landet im großen Milchtank. Darin haben 8500 Liter Platz. Wegen der längeren Haltbarkeit und um der Keimvermehrung entgegenzuwirken, wird der Inhalt auf 4,5 Grad Celsius heruntergekühlt.

Durchschnittlich 38 Liter gibt jedes Tier täglich

Vom Einschalten des Radios bis zum Ausschalten des Hochdruckreinigers im Melkstand dauert es gut 2,5 Stunden. Denn das hat sich im Vergleich zu früher nicht geändert: Die Kühe erleichtern sich nicht nur im Vorwartehof. Der Melkstand muss nach jedem Durchgang gesäubert werden. Zweimal täglich wird gemolken, das zweite Mal um 16 Uhr. Daran wird nicht gerüttelt. „Die Kühe sind die Zeiten gewohnt. Wenn man dann nicht melken würde, würden die Euter irgendwann anfangen zu tropfen“, sagt Ralf Klenk. Durchschnittlich 38 Liter gibt jedes Tier täglich. Übers Jahr kommen rund 1,6 Millionen Kilogramm zusammen.

Etwa 140 Kühe haben die Klenks derzeit, schwarz-weiße und rot-weiße Holsteiner, eine reine Milchrasse, davon werden rund 120 gemolken. Die hochträchtigen Kühe und die, die vor Kurzem gekalbt haben, sind außen vor, sie stehen in einem gesonderten Bereich des Stalls. Die Kälbchen sind vor dem Stall in Kälberiglus – kleinen Hütten aus weißem Kunststoff – untergebracht. Die weiblichen werden zur Nachzucht aufgezogen, die männlichen nach etwa einem Monat in die Kälbermast gegeben. Auch die Altkühe, die nicht mehr trächtig werden können, werden zu Fleisch verarbeitet.

Etwa 50 Cent erhalten Ralf und Claudia Klenk pro Liter

Doch zurück zur Milch. Jeden zweiten Tag fährt der Lastwagen der Hohenloher Molkerei vor, um die Rohmilch abzuholen. Etwa 50 Cent erhalten Ralf und Claudia Klenk pro Liter (der Preis richtet sich nach dem Fett- und Eiweißgehalt), damit sind sie „noch zufrieden“. „Der gesamte Milchmarkt ist am Bröckeln“, klagt der Landwirt. „In Norddeutschland werden zum Teil nur noch 40 Cent pro Liter bezahlt. Gleichzeitig sind die Kosten für Strom und Diesel stark gestiegen.“ Und das macht sich bemerkbar. Die Traktoren der Klenks laufen alle mit Diesel, das Futtermittel für die Kühe stellen sie zum Großteil selbst her. Heu, Silomais, Wintergerste und Winterweizen verfüttern sie, Körnermais kaufen sie dazu. Inklusive der Bewirtschaftung der rund 120 Hektar Anbauflächen ist die Milchproduktion mehr als ein Vollzeitjob. Denn neben dem Melken müssen die Kühe auch noch besamt, nach der Geburt betreut und auf Krankheiten kontrolliert werden. Urlaub ist nur möglich, wenn eine Vertretung da ist. Meist fahren die Klenks nicht lange weg. Dass derartige Arbeitskonditionen unbeliebt sind, wird selbst vor Ort deutlich: In den 80er-Jahren waren es noch acht landwirtschaftliche Betriebe in Mettelberg, heute sind es zwei.

Dennoch bereut Ralf Klenk nicht, seinen Beruf ergriffen zu haben. Schon seit vier Generationen verdient seine Familie ihren Lebensunterhalt mit der Milchproduktion. Dass er den elterlichen Hof später einmal übernehmen würde, stand für ihn schon früh fest. Momentan sieht es so aus, als könnte der 20-jährige Sohn Levin in seine Fußstapfen treten. Er lässt sich gerade im bayerischen Triesdorf zum Landbau-Techniker ausbilden.

Der Internationale Tag der Milch

Anlass Der Weltmilchtag findet jedes Jahr am 1. Juni statt. Er soll für den Konsum von Milch und Milchprodukten werben. Ins Leben gerufen wurde der Tag 2001 von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Internationalen Milchwirtschaftsverband.

Social Media Personen und Organisationen, die sich am Weltmilchtag beteiligen, sind dazu aufgerufen, Fotos und Videos mit dem Hashtag #WorldMilkDay in sozialen Medien wie Facebook oder Instagram zu posten.

Gegenbewegung Die Tierrechtsgruppe Animal Rights Watch und der Nandu-Trägerverein führen jedes Jahr am 1. Juni die Kampagne „Sag Nein zu Milch“ durch. Mit der Aktion wollen sie auf das Tierleid aufmerksam machen, das mit der intensiven Nutztierhaltung einhergeht.

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Erstellt:
1. Juni 2023, 11:30 Uhr

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