Hoch motiviert trotz letztem Listenplatz

Seit 1998 sitzt der Backnanger Christian Lange für die SPD im Bundestag. Der 20-jährige Tim-Luka Schwab, der sich im September um Langes Nachfolge bewirbt, hat nach dem Landesparteitag vom Wochenende nur noch geringe Chancen auf ein Mandat.

Bis zur Bundestagswahl im September will Tim-Luka Schwab Backnang noch besser kennenlernen. Bislang war der 20-Jährige vor allem in Schwäbisch Gmünd politisch aktiv. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Bis zur Bundestagswahl im September will Tim-Luka Schwab Backnang noch besser kennenlernen. Bislang war der 20-Jährige vor allem in Schwäbisch Gmünd politisch aktiv. Foto: J. Fiedler

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Beim digitalen Landesparteitag der SPD hat Tim-Luka Schwab am vergangenen Wochenende den Aufstand geprobt. Bei der Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl im September trat er im Kampf um Listenplatz zehn gegen den erfahrenen Bundestagsabgeordneten Lars Castellucci an. Der 20-jährige Student bekam zwar beachtliche 40 Prozent der Stimmen, für eine Überraschung reichte es aber nicht. Am Ende landete der Kandidat im Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd nur auf Platz 36, dem letzten Rang der Landesliste. Den Einzug in den Bundestag kann Schwab jetzt nur noch schaffen, wenn er das Direktmandat gewinnt, was in diesem Wahlkreis allerdings noch nie einem SPD-Kandidaten gelungen ist.

Trotzdem wirkt der junge Mann aus Schwäbisch Gmünd alles andere als geknickt: „Ich bin nie davon ausgegangen, dass meine Kandidatur bei den etablierten Kräften im SPD-Landesverband Jubelstürme auslöst. Somit war ich von Anfang an darauf eingestellt, hoch motiviert um das Direktmandat zu kämpfen“, erklärt Schwab. Und sollte dieser Kampf nicht von Erfolg gekrönt sein, könnte er es wohl auch verschmerzen. Schließlich steht der jüngste SPD-Kandidat in Baden-Württemberg noch ganz am Anfang seiner politischen Karriere.

In Schwäbisch Gmünd ist erbei „Fridays for Future“ aktiv.

Im Backnanger Raum ist Tim-Luka Schwab noch weitgehend unbekannt, in seiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd kennt man ihn schon länger. Zusammen mit Freunden hat er dort die Fridays-for-Future-Proteste auf die Beine gestellt. Mit gerade mal 18 Jahren wurde er 2019 auch in den Gemeinderat gewählt. Dass er über den nötigen Machtinstinkt verfügt, bewies er bei den Vorstandswahlen des Ortsverbands. Weil er das Gefühl hatte, dass die SPD in Schwäbisch Gmünd aktiver werden müsste, bewarb er sich um den Vorsitz und setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen eine altgediente Parteifunktionärin durch.

Als er gefragt wurde, ob er für den Bundestag kandidieren wolle, hat Schwab auch nicht lange gezögert. „Das ist für mich eine große Ehre. So etwas dürfen nicht viele machen“, sagt er. Sein Ziel sei es nun, möglichst viele Wählerinnen und Wähler von der SPD und ihrem Programm zu überzeugen – unabhängig von seinem persönlichen Ergebnis.

Als Arbeiterkind fühlt sich derStudent in der SPD zu Hause.

Aber was treibt den jungen Mann in die SPD? Einen Klimaschutzaktivisten wie ihn würde man doch eher bei den Grünen vermuten. Tim-Luka Schwab kennt diese Frage und lacht: „Als ich 17 war, gab es in Schwäbisch Gmünd nur die Jusos und die Junge Union.“ Doch das war nicht der einzige Grund, die SPD passt auch zu seiner Biografie. Schwab bezeichnet sich selbst als „Arbeiterkind“. Als Ältester von fünf Geschwistern musste er auch in der Familie früh Verantwortung übernehmen. Dass er heute an der Universität Stuttgart Geschichte und Politikwissenschaften studieren kann, ist für ihn nicht selbstverständlich.

Sich für sozial Benachteiligte einzusetzen, ist ihm deshalb wichtig, und auch sein ökologisches Engagement sieht er als Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit. Schließlich träfen die Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel in der Regel die Ärmeren besonders hart. Schwab erinnert an Willy Brandt, der bereits Anfang der 1960er-Jahre gefordert hatte: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden.“

Dass seine Partei in aktuellen Umfragen nur noch bei 14 Prozent liegt, kann den SPD-Kandidaten nicht schrecken. „Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und setze nicht so sehr auf Umfragen“, sagt er. Verlorenes Vertrauen könne man schließlich auch wieder zurückgewinnen. In seinem Wahlkreis will Tim-Luka Schwab schon bald damit beginnen.

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Erstellt:
12. Mai 2021, 06:00 Uhr

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