Hoffen auf zusätzliche Busse im Schülerverkehr

Das verbesserte Förderprogramm des Landes könnte auch die stark ausgelasteten Verbindungen im Raum Backnang entlasten.

Volle Busse - auch in Coronazeiten kein seltener Anblick. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Volle Busse - auch in Coronazeiten kein seltener Anblick. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

BACKNANG. Der Backnanger SPD-Landtagsabgeordnete und Kreisrat Gernot Gruber drängt: Im Schülerverkehr sollen baldmöglichst Entlastungsfahrten eingeführt werden, um überfüllte Busse zu vermeiden und die Schülerströme angesichts der Coronagefahr besser zu lenken. Zu diesem Zweck hat ja auch das Verkehrsministerium des Landes zusätzliche Fördermittel bereitgestellt.

Im Kreistag, der jüngst in Welzheim tagte, ergriff Gruber deshalb das Wort, um beim Landrat nach dem Stand der Dinge zu fragen. Hier könne man für die Gesundheit der Fahrgäste aktiv werden und gleichzeitig mit dem Einsatz von Verstärkerbussen auch lokalen Unternehmen wirtschaftlich helfen, denen viele Einnahmen weggebrochen seien, machte Gruber deutlich. Viele Unternehmen wären nämlich froh, fuhr er fort, hier ein paar Euro verdienen zu können. Eine Abfrage bei Busunternehmern aus dem Backnanger Raum – Böltz, Strohmaier, Eisenmann, Schmid und Pfitzenmaier – habe gezeigt, dass Busse zur Verfügung gestellt werden könnten. Stadträtin Pia Täpsi-Kleinpeter hat diesbezüglich den Stein ins Rollen gebracht, ihre Fraktionskollegen Armin Dobler und Simone Kirschbaum beteiligten sich dann an der Abfrage. Gruber mahnt: „Die Zeit drängt hier, damit Verstärkerbusse zumindest nach den Herbstferien fahren.“

Richard Sigel versicherte, dass der Kreisverwaltung das Thema wichtig sei, die Förderbedingungen des Landes aber sehr schwer zu erfüllen seien und es von daher wohl eher weniger Anträge geben werde. So war die Förderung des Landes zunächst an eine Überschreitung von 100 Prozent der Sitzplätze und 40 Prozent der zulässigen Stehplätze gekoppelt.

Auch seitens der Kreisverwaltung habe es Abfragen bei den Busunternehmen gegeben, erklärte Sigel weiter. Konkreteres konnte er allerdings nicht dazu sagen, da der für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständige Dezernent Peter Zaar in der Sitzung nicht zugegen war. In früheren Auskünften des Landratsamts war die Rede davon gewesen, dass die Möglichkeiten der Busunternehmen begrenzt seien, nicht nur hinsichtlich der Fahrzeuge, sondern auch im Hinblick auf die personellen Ressourcen.

Unterdessen ist aber neue Bewegung in die Sache gekommen: Das Land hat – für den Landkreis überraschend – diese Woche verkündet, das Coronasonderprogramm Schulbusse angesichts der wachsenden Infektionszahlen zu stärken.

Der nunmehr erhöhte Fördersatz von 95 Prozent soll ab sofort gelten, wenn in normalen Linienbussen die Sitzplätze regelmäßig nicht ausreichen. Verkehrsminister Winfried Hermann mahnte aber bei der Vorlage der verbesserten Regelung gleichzeitig mehr Kreativität und Flexibilität bei der Planung des Schulunterrichts an: „Wenn die Schulen endlich für flexiblere Zeiten beim Unterrichtsbeginn sorgen würden (...) wären deutlich weniger Schüler gleichzeitig auf dem Weg zur Schule unterwegs.“

Das ÖPNV-Amt im Landratsamt sei derzeit dabei, so Pressesprecherin Leonie Ries, Schulen zu identifizieren, bei denen sich Probleme mit vollen Busse aufdrängen, zum Beispiel wegen Rückmeldungen der Busunternehmen oder Beschwerden der Eltern: „Dort, wo die Probleme am größten sind, sollen nach den Herbstferien Verstärkerfahrten angeboten werden.“

Ergänzend will die Kreisverwaltung dann mit Unterstützung des Staatlichen Schulamts auf die betreffenden Schulen zugehen, um eine mögliche Entzerrung der Unterrichtszeiten hinzubekommen – dies vor dem Hintergrund, dass nach Rückmeldungen der Busunternehmen voraussichtlich nicht genügend Busse und Busfahrer zur Verfügung stehen, um bei allen Fahrten, bei denen der Fahrgastrichtwert des Landes erreicht wird, Verstärkerbusse einsetzen zu können.

Landratsamt: „Wir sind mit Hochdruck an dem Thema dran.“

„Wir sind mit Hochdruck an dem Thema dran“, erklärt Leonie Ries. Es liege aber noch keine Förderrichtlinie des Landes vor, aus der hervorgeht, bis zu welchem Preis – Kilometervergütung oder Tagessatz – Kosten für zusätzliche Busse vom Land erstattet werden. „Sobald die Eckpunkte der Richtlinie bekannt sind, können wir je nach Notwendigkeit und Verfügbarkeit Schulbusse bestellen.“ Ein weiterer Knackpunkt bestehe darin, dass das Coronasonderprogramm Schulbusse nur bis zum Jahresende läuft – Verstärkerfahrten auf den kritischen Linien würden aber über den ganzen Winter hinweg gebraucht. Wenn die Landesförderung zum Jahresende endet, bliebe der Landkreis im Zweifel danach auf den vollen Kosten sitzen.

Probleme mit vollen Bussen wurden bereits auf verschiedenen Linien gemeldet. So gab es Beschwerden zu einer Verbindung der Linie 445 von Burgstetten nach Backnang. Insbesondere die Fahrt am frühen Morgen war betroffen: An der Haltestelle Laubert in Erbstetten blieben morgens um 7.14 Uhr etliche Kinder stehen, weil kein Platz im Bus mehr war. Durch interne Umstellungen konnte das Busunternehmen eine Entlastung schaffen. Voll ist der Bus aber trotzdem noch.

Zudem gibt es Hinweise, dass die Busse aus Aspach Richtung Backnang stark ausgelastet sind. Besonders betroffen ist offenbar die Linie 367. Der Bus, der um 7.15 Uhr die Haltestelle Seminar passiert, sei fast immer vollkommen überladen, übermittelt Gruber entsprechende Klagen. Sogar im Fahrerbereich würden mitunter Fahrgäste transportiert, weil die Mitfahrer im Bus selbst – meist Schüler – dicht an dicht gedrängt stehen. Da könne man sich dann auch die Maßnahmen in den Schulen sparen, wird kritisiert.

Eine Entzerrung der Unterrichtszeiten wirft aber Schwierigkeiten auf. Denn zu den veränderten Zeiten müssten dann ja auch wieder Busse bereitstehen. Und wie dies in die ÖPNV-Abläufe zu integrieren ist, ohne neue Verwerfungen zu erzeugen, muss sich erst zeigen, zumal die Fahrzeiten der Busse wiederum auf die S-Bahn-Takte abgestimmt sind.

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Erstellt:
22. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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