Hohe Nachfrage und begrenztes Angebot bei Schwimmkursen der TSG Backnang
Dem Trend, dass immer weniger Kinder sicher schwimmen können, stemmt sich die TSG Backnang mit ihren Kursen entgegen. Die Abteilung würde gerne noch mehr tun, doch dafür fehlt es vor allem an den nötigen Beckenzeiten sowie an Übungsleiterinnen und Übungsleitern.
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TSG-Kursleiterin Stefanie Rebmann (rechts) geht es darum, dass sich die Kleinsten spielerisch ans Wasser gewöhnen. Foto: Tobias Sellmaier
BACKNANG/WEISSACH IM TAL. „Ja, wir sind die kleinen Fische, kleinen Fische, kleinen Fische, ja, wir sind die kleinen Fische, wir sind alle da“, singen die Mamas oder Papas mehr oder weniger lautstark und textsicher. Dabei marschieren sie im Lehrschwimmbecken in Unterweissach im Kreis, halten ihre Kinder fest – und dann nacheinander in die Höhe, wenn die „Fische“ namentlich vorgestellt werden. Es ist die Kennenlernrunde und zugleich ein Ritual, das stets den Auftakt der halben Stunde beim Eltern-Kind-Schwimmen der TSG Backnang markiert.
Größere Action bringt der Bi-Ba-Butzemann. „Er rüttelt sich, er schüttelt sich, er wirft sein Säcklein hinter sich“, singen die Eltern und tun selbiges mit ihren Sprösslingen. Da spritzt es ordentlich und genau darum geht es. „Die Kinder sollen sich an das Wasser gewöhnen und die Scheu davor verlieren“, nennt Stefanie Rebmann das erste Ziel des Angebots für die ab Zweijährigen, das die Kursleiterin an diesem Nachmittag in drei Stunden für fünf Gruppen durchzieht. Später wird auch geglitten und getaucht. „Das sind wichtige Elemente, bevor wir erste Schwimmbewegungen üben können“, erklärt Stefanie Rebmann. Eine Vielzahl von Hilfsmitteln wie Schwimmnudeln, Bretter, Ringe und Gurte liegt bereit, damit für jedes Kind etwas Passendes dabei ist.
Bei Jona hat es geklappt. „Wasser im Gesicht war immer ein großes Thema, jetzt nicht mehr“, verrät Laura Höfer, die Mutter des Fünfjährigen. Ähnliches berichtet Ronny Jung, Vater der gleichaltrigen Lia: „Vorher war nicht dran zu denken, dass sie mit dem Kopf unter Wasser geht. Jetzt lässt sie unter Wasser die Augen offen und holt den Ring.“ Einig sind sich alle Eltern in dem, was Susanne Rösch sagt: „Es ist wichtig, dass die Kinder das Schwimmen lernen.“ Um die Sicherheit zu haben, dass ihnen im und am Wasser nichts passieren kann. Der nächste mögliche Schritt auf diesem Weg ist für ihren Sohn Moritz sowie alle anderen Fünfjährigen die Schwimmschule der TSG, die Kinder ab diesem Alter aufnimmt und ihnen im Flachwasser das nötige Rüstzeug für den Wechsel ins Tiefwasser verschafft.
Auf der Interessentenliste für Plätze in Schwimmkursen stehen rund 300 Kinder
„Wir haben Katharina in der Woche ihrer Geburt für das Eltern-Kind-Schwimmen angemeldet“, erzählt Manfred Frank und bestätigt damit, was TSG-Abteilungsleiter Robert Mahn sagt: „Die Eltern wissen, dass sie sich frühzeitig um Plätze kümmern müssen.“ Vielleicht nicht zwingend derart früh, aber keinesfalls auf den letzten Drücker und in der Hoffnung, leicht zum Zuge zu kommen. Als er 2017 bei der Schwimmschule anfing, so Mahn, habe man Kurse noch bewerben müssen, um sie vollzukriegen. Dann kam die Pandemie und während dieser Phase der Abstandsgebote der Verlust eines Standorts in Großaspach. Den kriegt die TSG seither auch nicht zurück, weil die Beckenzeiten von anderen Institutionen wie der VHS mit Aqua-Fitness-Kursen blockiert sind. Somit blieben das Wonnemar in Backnang und das Lehrschwimmbecken in Unterweissach – und die Warteliste wurde immer länger. Inzwischen ist es aus organisatorischen Gründen eine Interessentenliste. Darauf stehen laut Robert Mahn rund 300 Kinder, deren Eltern über einen Newsletter erfahren, wann wieder Kurse buchbar sind – dann gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. 300 sind viel, selbst wenn noch einige Familien den Newsletter beziehen sollten, die schon die nötigen Plätze ergattert haben.
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Der Abteilungsleiter verweist auf die beiden Grundprobleme: zum einen die schwierige Suche nach geeigneten Übungsleiterinnen und Übungsleitern, zum anderen die fehlenden Beckenzeiten. Ersteres ist ein andauernder Prozess und Letzteres lässt sich auf die Schnelle kaum ändern. „Das Wonnemar ist ein super Bad, aber wir haben feste Zeiten und können nur in diesem Rahmen unsere Angebote machen“, betont Robert Mahn. Für die TSG-Schwimmschule steht Dienstagabends und Samstagmorgens jeweils eine Stunde zur Verfügung, die für jeweils zwei 30-minütige Kurse genutzt wird. Zusätzliche Angebote im Tiefwasser zwackt die TSG von den Trainingszeiten ihrer Leistungsschwimmer ab, was der Funktionär so begründet: „Wir haben als Verein auch eine soziale Verantwortung. Es ist wichtig, dass Kinder schwimmen lernen.“
Bei zu kaltem Wasser fehlt die Lust
Für dieses hehre Ziel wäre es das Worst-Case-Szenario, wenn das sanierungsbedürftige Lehrschwimmbecken in Unterweissach auch noch wegfallen sollte. Dort hat die Abteilung von Backnangs größtem Verein drei Nachmittage zur Verfügung. Es ist derzeit schon schwierig genug, wenn trotz der von Robert Mahn ausdrücklich gelobten Bemühungen der Gemeinde zum Beispiel wegen der zu geringen Wassertemperatur kurzfristig Einheiten abgesagt werden müssen. „Normalerweise sind es 31 Grad Celsius. Sind es unter 28 Grad, geht nichts. Dann stehen die Kinder nur noch bibbernd da und haben keine Lust“, sagt Stefanie Rebmann. Das Problem: Die Kosten für die Sanierung des Beckens werden mittlerweile mit mindestens zweieinhalb Millionen Euro beziffert. Die Gemeinde Weissach im Tal sucht Fördertöpfe und Mitfinanzierer unter den Nachbarkommunen und Robert Mahn hofft inständig auf eine Lösung. Sonst gebe es für etwa 120 Kinder pro Halbjahr keine geeignete Alternative – außer vielleicht seine Wunschvorstellung eines eigenen Vereinsbads. In dem könnte zum einen die aufgestockte Schulkooperation, für welche die TSG mithilfe eines Förderprogramms des Landes einen Trainer holen will, noch besser umgesetzt werden. Zum anderen hätten die kleinen und die größeren Fische eine Heimat, in der sie ohne zeitliche Einschränkungen sicher schwimmen lernen können.
TSG Backnang Wer noch genauer wissen will, welcher Kurs wie abläuft und wie es mit der Interessentenliste und der Anmeldung funktioniert, findet alle Infos unter t1p.de/TSG-Schwimmschule.
Wonnemar Auch das Backnanger Hallenbad hat die unterschiedlichsten, teils aber auch schon ausgebuchten Angebote in seinem Repertoire. Sie reichen von Eltern-Kind-Kursen über Anfängerschwimmkurse für Kinder ab fünf oder sechs Jahren bis hin zu einem Kurs für Fortgeschrittene ab sechs Jahren und einem Anfängerkurs für Erwachsene. Alle weiteren Informationen gibt es im Internet unter www.t1p.de/Wonnemar.
DLRG Die Backnanger Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft ist ebenfalls mit Kursen im Wonnemar in Backnang am Start, doch auch hier gilt: Gerade die Anfängerschwimmkurse für Kinder sind oft weit im Voraus ausgebucht. Einen Überblick über alle Kurse gibt es unter www.t1p.de/dlrg-backnang.
