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Holzheizung im Fokus

Minister Peter Hauk (CDU) schaut sich bei Landwirten und einem Betrieb Wärmeanlagen in Murrhardt an

Die Tage geben bereits einen Vorgeschmack auf Zeiten, in denen das Heizen sprichwörtlich ins Haus steht. Wer in Murrhardt wohnt, hat dabei den Rohstoff Holz in greifbarer Nähe, auf den wegen des Klimaschutzes immer stärker gesetzt wird. Bei einem Ortstermin in Siebenknie und Siegelsberg war Landwirtschaftsminister Peter Hauk bei einer Gruppe von Landwirten und einem Betrieb zu Gast, die sich für das moderne Heizen mit Holz entschieden haben.

Expertenrunde und Gäste lassen sich von Markus Scheib (steht rechts neben dem Ofen) die Anlage in Siebenknie zeigen, die fünf Gehöfte über ein eigenes, modernes Hackschnitzelwärmenetz versorgt (von links): Staatssekretär Wilfried Klenk, Landwirtschaftsminister Peter Hauk, Alfons Renn, Martin Bentele und Bürgermeister Armin Mößner. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Expertenrunde und Gäste lassen sich von Markus Scheib (steht rechts neben dem Ofen) die Anlage in Siebenknie zeigen, die fünf Gehöfte über ein eigenes, modernes Hackschnitzelwärmenetz versorgt (von links): Staatssekretär Wilfried Klenk, Landwirtschaftsminister Peter Hauk, Alfons Renn, Martin Bentele und Bürgermeister Armin Mößner. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Das landwirtschaftliche Anwesen der Familie Scheib liegt idyllisch auf den Höhen des Schwäbischen Waldes im Murrhardter Teilort Siebenknie. Es ist die erste Station des Besuchs von Peter Hauk (CDU), baden-württembergischer Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Eingeladen zum Rundgang hatte der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) gemeinsam mit dem Ministerium. Mit von der Partie sind Lokal- und Landespolitiker, weitere Branchen- und Forstfachleute sowie Anwohner. Nach der Erfahrung von DEPV-Geschäftsführer Martin Bentele wird das Heizen mit Holz immer noch mit qualmenden, handbetriebenen Öfen verbunden, ihm hänge ungerechtfertigterweise ein altmodisches Image an. Die Stippvisite in Siebenknie und Siegelsberg soll zeigen, dass die Branche mittlerweile modern aufgestellt ist.

Peter Hauk hält die zentralen Argumente bereit: Mit Holz heize man schon lange, mittlerweile sei aber die Möglichkeit, dies CO2-neutral zu tun, von zunehmender Bedeutung. Auch die regionale Wertschöpfung ist für Hauk wichtig, macht sie einen doch zumindest in diesem Bereich von Importen, insbesondere Öl, unabhängig. „Etwas Saubereres, Besseres gibt es eigentlich nicht“, sagt er. Auch wenn es Feinstaub bei der Verbrennung gebe, könne moderne Technik ihn heute stark reduzieren und die Konzentration sei im Ländlichen Raum eine ganz andere. Insofern hofft er, dass sich auch mit Blick auf eine dezentrale Selbstversorgung mehr Bürger dazu entschließen, etwas für die Klimaneutralität zu tun.

Markus Scheib berichtet, dass mit dem Kauf des Anwesens auch die Planung der künftigen Wärmeversorgung auf dem Plan stand. Beim Projekt stiegen dann weitere Höfe mit ein und so sollten erst vier, später sechs Häuser durch eine Holzhackschnitzelheizung mit Wärme versorgt werden. Nicht zuletzt, da die Beteiligten alle selbst Waldbesitzer sind. Die Planung, die 2011 begann, dauerte rund anderthalb Jahre. „Ohne eine Förderung wär es zu schwer gewesen, das zu stemmen“, sagt Markus Scheib. Dabei kristallisiert sich im Gespräch mit Stefan Wolf, der die Anlage konzipiert hat, und Elektro- und Heizungsbaumeister Alfons Renn heraus, dass gerade die Fördermöglichkeiten für die Experten nicht immer ganz leicht zu überblicken sind.

Peter Hauk kontert, dass die Fachleute auch etwas verkaufen wollten, will heißen, sich entsprechend engagieren müssen. Das Projekt findet er vorbildlich, und erinnert: „Der Wärmebereich ist genauso energieintensiv wie der Verkehrsbereich.“ Auch wenn die Anlage nur fünf Gehöfte versorge, so mache Kleinvieh in der Summe doch einen Riesenmisthaufen.

Als die Gäste einen Blick in den Ofen der Anlage werfen können, kommt Martin Röhrs, Leiter des Kreisforstamts, auf die Frage zu sprechen, wie es momentan mit der Nutzung des Rohstoffs in den Wäldern aussieht. Seine Bilanz: Es ist noch genügend Luft nach oben. Von den 300000 Festmetern Holz des 34000 Hektar großen Waldgebiets im Rems-Murr-Kreis werden nur 200000 Festmeter genutzt. Der Anteil an Brennholz im Staatswald beträgt 25000 Festmeter.

Auch Martin Benteles Einschätzung für das gesamte Bundesgebiet fällt ähnlich aus. Der Waldbestand werde zu 80 Prozent genutzt. Zudem sagt der Diplomforstwirt, der zehn Jahre Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg und zuvor parlamentarischer Berater der CDU-Landtagsfraktion war, dass die Bundeswaldinventur in Bezug auf die Qualität des Forstes stetige Fortschritte zeige.

Peter Hauk, ebenfalls studierter Forstwirt, ergänzt, dass Holznutzung auch die Herstellung von Möbeln umfasst, die somit weiterhin als CO2-Speicher fungieren und keinen Ersatz erfordern.

Mit diesen Aspekten gehen sie auch darauf ein, dass manche Naturschützer den neuen Hunger nach Holz als problematisch beurteilen. Sie befürchten, dass er die Abholzung von Wäldern befeuert – insbesondere bei einer Verstromung des Rohstoffs in Kraftwerken. Aber gerade letzteres hält Martin Bentele im Vergleich zur Wärmenutzung vom Wirkungsgrad her auch für nicht effizient genug.

Dann wird die zweite Station des Nachmittags angesteuert: Die Firma Pfund Fensterbau bei Siegelsberg. Geschäftsführer Karl-Heinz Pfund hat sich bereits 2009 entschieden, seine defekte Öl- durch eine Pelletheizung zu ersetzen. Für DEPV-Geschäftsführer Bentele eine Variante, die weit weniger Betreuung erfordert und insofern komfortabler ist. Nur der Aschekasten muss regelmäßig geleert werden, erläutert Planer Alexander Barbano von Hargassner.

Geheizt wird mit Pellets, die aus dem hergestellt werden, was im Sägewerk übrig bleibt beziehungsweise nicht mehr verwendet werden kann. Das sind rund 40 Prozent des Stamms, wie Bentele erläutert. Für den Landwirtschaftsminister liegt auf der Hand, dass für jemanden, der eine Umstellung von seiner Ölheizung plant, Pellets das Mittel der Wahl sein sollten. Berücksichtigt werden muss dann beispielsweise auch die Lagerung. Heinz Anwender, der mit einem großen Laster vor Ort ist, kümmert sich gerade um den Nachschub für das Unternehmen Pfund. Er sorgt zudem dafür, dass die Runde die Abhängigkeit der Branche von der Natur und die Dringlichkeit des Klimaschutzes nicht vergisst. Anwender merkt an, dass er einen so trockenen Sommer wie dieses Jahr eigentlich nicht mehr erleben will. Die Hitze mache der Fichte langfristig den Garaus.

Staat unterstützt Heizungstausch Info Beim Rundgang werden die Preise für die jeweiligen Energieträger beim Heizen verglichen: Kommt man bei Öl auf etwa 8,5 Cent pro Kilowattstunde, sind es bei Pellets rund 4,8 und bei Hackschnitzel 2,5 bis 3 Cent pro Kilowattstunde, so Martin Bentele. In den letzten zehn Jahren waren Pellets im Durchschnitt 30 Prozent günstiger als Öl. Man sollte sich daher beim Heizungstausch nicht Tagespreisen für Heizöl oder Gas verleiten lassen, sondern langfristig kalkulieren, sagt das Deutsche Pelletsinstitut GmbH (DEPV-Tochter). Mit einer Pelletsheizung spart man aber nicht nur Heizkosten, sondern jedes Jahr auch mehrere Tonnen CO2. Daher unterstützt der Staat den Heizungstausch mit mindestens 4200 Euro. Seit Jahrzehnten wird in deutschen Wäldern weniger Holz eingeschlagen als nachwächst. Dieser nachhaltige Umgang führt dazu, dass der Holzvorrat kontinuierlich zunimmt. Die Pellets werden bei uns aus Sägespänen hergestellt, die in großen Mengen als Reststoff bei der Holzverarbeitung anfallen. Holz, aus denen Dachbalken oder Möbel hergestellt werden könnten, wäre hingegen zu teuer für die Pelletproduktion, so das Deutsche Pelletsinstitut.

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Erstellt:
30. Oktober 2018, 09:31 Uhr

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