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In der Welt der Superlative

Die Fußball-Bundesliga will die beliebteste Sportliga der Weltwerden

Düsseldorf Das Düsseldorfer Kongresszentrum ist alljährlich der Ort, an dem besonders eindrucksvoll zu sehen ist, dass der moderne Sport eine gigantische Unterhaltungsindustrie ist. Als Europas größtes und bedeutsamstes Sportbusiness-Event gilt die zweitägige Messe Spobis, bei der sich Hunderte von sogenannten Topentscheidern aus Sport, Wirtschaft und Medien zum Netzwerken und Geschäftemachen versammeln. Die Herren tragen gerne weiße Sneaker zum schmalen Anzug, die Damen sind eindeutig in der Unterzahl. Von 217 Rednern sind 17 weiblich. Das Sportbusiness, keine neue Erkenntnis, ist noch immer eine Männerdomäne.

Inflationär dafür der Gebrauch von Superlativen – gewissermaßen in einer frei interpretierten Variante des olympischen Mottos: immer höher, immer schneller, immer größer. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) darf am Mittwoch den Anfang machen und hat ihren Kommunikationsdirektor an den Rhein geschickt: Christian Pfennig gibt auftragsgemäß die Richtung vor und erklärt, dass die Bundesliga das Ziel verfolge, „die beliebteste Sportliga der Welt“ zu werden. Ein tollkühnes Vorhaben!

Nun weiß auch Pfenning nicht so genau, wie sich die Beliebtheit konkret messen lässt – doch hat er imposante Fakten zusammengetragen: In keiner anderen der Topligen Europas fallen mehr Tore als in Deutschland, nirgendwo kommen mehr Zuschauer in die Stadien. Nur eine Sportliga gebe es auf der Welt, die noch höhere Besucherzahlen aufweise: die National Football Liga (NFL) in den USA. Womit auch geklärt wäre, mit wem sich Deutschlands Berufsfußballer im Konkurrenzkampf sehen. „Die gute alte Bundesliga“, ruft Pfennig, „ist ein Global Player geworden.“ Im Publikum sieht man Oke Göttlich, den Präsidenten des Zweitligisten FC St. Pauli, die Augen verdrehen.

Auch den DFL-Strategen ist nicht entgangen, dass sich nicht allein am Millerntor, sondern auch in den Fankurven der modernen Bundesliga-Arenen Widerstand regt. Der Protest gegen den Kommerz, die Show, die Montagsspiele – er trübt das Bild der schönen Bundesliga. „Diesen Diskussionen stellen wir uns“, sagt Pfennig. Nicht ohne Stolz verweist er darauf, dass man, anders als in England oder Spanien, den Namen Bundesliga noch nicht „versponsert“ habe, dass es nicht „zehn unterschiedliche Anstoßzeiten“ gebe und auch in Zukunft niemand vorhabe, Pflichtspiele in Übersee auszurichten. „Kein Kunstprodukt“ wolle man entwerfen – „das wäre nicht glaubwürdig und würde nicht funktionieren.“

Ironie dieser Geschichte: Auch die renitenten, traditionsbewussten Ultras gehören inzwischen zu dem, was die DFL als „Markenkern der Bundesliga“ definiert hat. Ein genialer Schachzug! Die Bundesliga sei „rau“, sagt Pfennig, sie sei keine „heile Welt“ und keine „geleckte, polierte Hollywoodshow“. Was sie dann ist? Um mit den Worten der PR-Profis aus der Verbandszentrale zu sprechen: „Football as it’s meant to be“ (zu Deutsch ungefähr: Fußball, wie er sein soll). So jedenfalls lautet der neue Slogan, mit dem die DFL ihr Produkt zu Markte trägt. Allerdings nur international, weil man sich mutmaßlich den Hohn und Spott der deutschen Fans ersparen wollte. In China hingegen, berichtet Pfennig, habe es dieser Claim zur Nummer eins der Fußballslogans gebracht.

Nach dem DFL-Mann darf dann übrigens Enrique Moreno aufs die Bühne, der Markenchef der spanischen Eliteklasse. Dort wird sogar noch größer gedacht als in der Bundesliga. Das Motto lautet: „It’s not football. It’s La Liga.“

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Erstellt:
31. Januar 2019, 03:14 Uhr

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