Internationale Bauausstellung: Ideen für ein Backnang von Morgen

In einem IBA-Workshop ließen Jugendliche ihren Ideen für die Zukunft der Stadt freien Lauf. Geleitet wurde dieser von einer Expertin des Hamburger Landschafts- Architekturbüros Treibhaus und einer Vertreterin der Stadt Backnang.

Ideenfindung im Technikforum (von links): Lisa Wall, Lilly Siebel, Lieselotte (Lilo) Rückert und Franca Rist mit Ronja Scholz (Landschaftsarchitekturbüro Treibhaus, Hamburg) und Anja Kleist (Projektleiterin Quartier Backnang-West beim Stadtplanungsamt). Foto: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Ideenfindung im Technikforum (von links): Lisa Wall, Lilly Siebel, Lieselotte (Lilo) Rückert und Franca Rist mit Ronja Scholz (Landschaftsarchitekturbüro Treibhaus, Hamburg) und Anja Kleist (Projektleiterin Quartier Backnang-West beim Stadtplanungsamt). Foto: Tobias Sellmaier

Von Carmen Warstat

Backnang. Die beiden Expertinnen Anja Kleist, Projektleiterin für das Quartier Backnang-West beim Stadtplanungsamt Backnang, und Ronja Scholz, Freiraumplanerin von Treibhaus Hamburg, sind sich einig: Geplant werden muss für die Jugend, denn es wird Jahrzehnte dauern, bis die Projekte umgesetzt sind. Schnell finden sie einen Zugang zu den vier Zehntklässlerinnen, die gekommen sind, um vielleicht Einfluss zu nehmen auf die Arbeit der Planungsteams und um einmal zu schauen, wie deren Tätigkeit eigentlich vonstattengeht. Der Kunstunterricht bei Stefanie Hübner hat die Schülerinnen Lisa Wall, Lilly Siebel und Lieselotte (Lilo) Rückert vom Max-Born-Gymnasium ebenso inspiriert wie das Projekt „Jemandsland“ der Backnanger Künstlerin Barbara Kastin, mit dem etwa die Tausgymnasiastin Franca Rist sich bereits befasst hat.

So treffen die vier sich in ihrer Freizeit mit Anja Kleist und Ronja Scholz im glücklicherweise klimatisierten Technikforum und stellen einander zunächst vor. Nach der Besprechung der Grobplanung für den Vormittag besichtigen sie die Ausstellung über das Quartier, die sich im Obergeschoss befindet, dann geht es hinaus zu einer kleinen Ortsbegehung in Richtung Lederwerke, am Juze vorbei und kurz hinunter zur Murr.

Weitere Ideen für den geplanten Park auf dem Gelände des Tesat-Parkplatzes

Auf dem Gelände des großen Tesat-Parkplatzes soll ein Park entstehen, für dessen genauere Gestaltung weitere Ideen zu sammeln sind. Ronja Scholz erläutert die Rahmenbedingungen und zeigt die ungefähren Umrisse eines riesigen unterirdischen Regenüberlaufbeckens, das aus Kostengründen nicht verlegt werden kann.

Zurück am Arbeitstisch, werden sogleich Karten ausgebreitet und Stifte bereitgestellt, Transparentpapier entrollt und kleine Fotos durchgeschaut: Bäume und Bänke, Partyspaß und Gelbbauchunken, Bienenhotels und Spielgeräte sowie vieles andere mehr ist abgebildet und inspiriert zum Gespräch darüber, was den Jugendlichen wichtig ist in so einem Park.

Es ist ein Geben und Nehmen: Ronja Scholz und Anja Kleist erkundigen sich nach den Gewohnheiten und Bedürfnissen der Mädels, sie fragen gezielt nach, geben Anstöße und machen Notizen. Im Gegenzug erfahren die Jugendlichen einiges über den aktuellen Stand der Planungen. Wohin eigentlich mit den Autos, wenn der Parkplatz wegkommt, fragen sie, und Ronja Scholz spricht über die Idee, „gestapelte Parkplätze terrassenförmig in den Hang zu schieben“. Sie merkt an, dass jede Neuplanung zunächst noch mehr Verkehr produziert, dieser aber wegen der geplanten Anbindung zum Bahnhof dann langfristig wieder abnimmt. „Viel Raum für spannendere Sachen als Autos“ werde es dann geben.

Ziel des Workshops ist es, nach dem Zusammentragen der Ideen und Gedanken einen Titel zu finden und ein Plakat mit kartografischen, bildlichen und vielleicht auch verbalen Darstellungen zu kreieren, das im Obergeschoss des Technikforums gezeigt werden soll.

Schülerinnen wünschen sich Raum für einen Treffpunkt oder ein Partyareal

Ein wichtiges Thema hierbei ist der Hochwasserschutz, der die Rahmenbedingungen setzt. Anja Kleist berichtet, dass die „Leistungsphase 2“ der Hochwasserschutzplanung abgeschlossen ist und weitere folgen werden. Im Prinzip hätte die Stadt die anliegenden Eigentümer weitgehend an ihrer Seite, so Anja Kleist. Die Beschäftigung mit dem Hochwasserschutz sei unerlässlich, und da könne und wolle man „nicht einfach Mauern bauen“, sondern müsse ökologische Lösungen anstreben.

Viele der bisher angedachten Planungsdetails wurden angesprochen, freilich ist zum jetzigen Zeitpunkt nichts davon fix – aufschlussreich sind sie aber allemal: Die Rede ist von einer hochgelagerten Promenade beziehungsweise erhöhten Wegen, von Plattformen im Park und einem durchgängigen Uferweg („total wichtig“), von einer neuen Straße zur Verbindung der drei Quartierteile, vom eventuellen Rückbau des vorhandenen Wehres, von Urban Gardening und Gastronomie – die Ideen sind zahlreich und vielversprechend. Die Schülerinnen wünschen sich vor allem etwas Raum für einen Jugendtreffpunkt oder ein Partyareal.

Zum Artikel

Erstellt:
17. Juli 2023, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Leben mit dem Lärm
Top

Stadt & Kreis

Leben mit dem Lärm

Krach macht krank — das ist wissenschaftlich erwiesen. Die Folgen reichen von Hörschäden über Depressionen bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um auf die Gefahren einer zu hohen Lärmbelastung aufmerksam zu machen, wurde der letzte Mittwoch im April zum "Tag gegen den Lärm" erklärt. Anlässlich dieses Aktionstages haben wir mit Menschen gesprochen, die beruflich oder privat hohen Geräuschpegeln ausgesetzt sind.

Thomas Klingseis (links) und Hendrik Turni (rechts) nehmen das Artenspektrum im Waldgebiet Hörnle ein Jahr lang genau unter die Lupe. Philip Gohl (Mitte) ist Projektleiter beim Unternehmen Uhl Windkraft, das hier drei Windkraftanlagen plant. Fotos: Alexander Becher
Top

Stadt & Kreis

Artenschutzkartierung für Windkraftvorhaben im Gebiet Hörnle

Auf der Suche nach Wespenbussard und Co.: Das Unternehmen Uhl Windkraft und das Haus Württemberg planen gemeinsam mit den Kommunen Backnang und Winnenden bis zu drei Windkraftanlagen im Waldgebiet Hörnle südwestlich von Allmersbach im Tal. Aktuell führen Gutachter eine Artenschutzkartierung durch.