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Jahreswechsel wird brandgefährlich

Trockene Weihnachtsbäume, Kerzen und Feuerwerke werden in der Zeit nach Weihnachten zu einem großen Feuerrisiko

Viele Menschen unterschätzen die Brandgefahren nach der Weihnachtszeit und an Silvester. Vertreter der Feuerwehr erklären, warum es erst im Januar so richtig gefährlich wird, wodurch Brände vermeidbar werden und wie man sich im Ernstfall richtig verhält.

Kommandant Marcus Reichenecker erklärt am Modell, was sich bei einem Gebäudebrand abspielt und wie man sich richtig verhält. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Kommandant Marcus Reichenecker erklärt am Modell, was sich bei einem Gebäudebrand abspielt und wie man sich richtig verhält. Foto: A. Becher

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Weihnachten ist die Zeit der schönen Lichter und Kerzen. Doch was am Baum hübsch aussieht, kann schnell zu einer Gefahr werden. Besonders Ende Januar, dann, wenn Weihnachtsbäume, Adventskränze und Deko aus Tannenzweigen so richtig ausgetrocknet sind. Denn dann dauert es nur etwa 30 Sekunden, bis sich ein Funke am trockenen Baum zu einem vollen Zimmerbrand entwickelt, das zeigen verschiedene Versuche des Landesfeuerwehrverbands Bayern. Ein Problem sei die Einstellung vieler Menschen: „Die Leute machen sich keine Gedanken und belächeln das Thema oft“, sagt Kommandant Marcus Reichenecker. „Man denkt, so was passiert ja doch immer woanders.“

So verhält man sich im Brandfall richtig

Wenn doch ein Feuer ausbricht, ist das richtige Verhalten für die eigene Sicherheit und die Arbeit der Feuerwehr sehr wichtig. „Zuerst muss man Ruhe bewahren, das ist das Wichtigste“, sagt Jan Kusche. Sobald man das Feuer bemerkt, muss der erste Anruf an die Feuerwehr gehen. „Nicht an Papa, Nachbar oder Oma, zunächst muss man uns anrufen.“ Man solle nicht davon ausgehen, dass schon irgendjemand anderes die Feuerwehr informiert hat. „Es ist besser, wenn zehn Leute anrufen und das gleiche Feuer melden, als wenn gar keiner anruft und alle denken, jemand macht das schon.“ Ein Problem der letzten Jahre ist auch Social Media: „Wir hatten schon einen Fall, da war der Livestream vom brennenden Mülleimer auf Facebook online, bevor wir überhaupt informiert wurden“, sagt Kusche. Ist die Feuerwehr unterwegs, muss man sich entscheiden: In der Wohnung bleiben oder raus? Brennt es in der eigenen Wohnung, muss man die Tür zum betroffenen Raum schließen, damit sich das Feuer und der Rauch nicht verbreiten können. Anschließend müsse man weitere Personen in der Wohnung informieren, die Wohnung so schnell wie möglich verlassen und dabei hilfsbedürftige Personen unterstützen.

Etwas anders verhält es sich, wenn es außerhalb der eigenen Wohnung brennt, zum Beispiel im Treppenhaus oder Gang. Hier sei eines besonders wichtig: Niemals in den Rauch laufen. Denn schon drei bis vier Atemzüge in schwarzem Rauch können zum Tod führen. Kommandant Reichenecker rät: „Tür zum Brandraum schließen und ein nasses Handtuch davorlegen, damit kein Rauch ins Zimmer kann. Und dann am Fenster oder Balkon bemerkbar machen. Dort kann die Feuerwehr dann helfen.“ Türen seien mittlerweile in der Lage, einem Feuer bis zu 30 Minuten standzuhalten. Obwohl die Feuerwehr in Backnang keine Berufsfeuerwehr ist, sondern aus etwa 200 Ehrenamtlichen besteht, schaffen sie es in spätestens zehn Minuten zu einem Einsatzort. „Ist die Wohnungstür verschlossen, ist man hier für gewöhnlich am sichersten“, sagt Reichenecker. Im Erdgeschoss sowie im ersten Stock könne man wenn möglich die Wohnung verlassen, das aber nur über den zweiten Rettungsweg, also über Fenster oder Fluchtbalkone. Auf keinen Fall dürfe man bei einem Brand den Aufzug nutzen: „Der Aufzug wird zur tödlichen Falle, denn bei Rauch schließen die Türen nicht“, sagt Reichenecker.

Wenn die Einsatzkräfte dann vor Ort sind, kann ihre Arbeit durch wenige Informationen erleichtert werden: Wo ist das Feuer, wie viele Personen befinden sich im Haus, und wer davon wird vermisst, gibt es Haustiere und befinden sich irgendwo Gefahren für die Einsatzkräfte, wie zum Beispiel Gasbehälter im Keller oder Ähnliches? „Sehr hilfreich sind auch Wohnungsschlüssel“, meint Kusche. „Wir kriegen die Tür auch so auf, aber dabei wird sie eben beschädigt.“ Denn ist der Brand erst gelöscht, gehört es auch zur Aufgabe der Feuerwehr, das Haus schnell wieder rauchfrei zu bekommen, damit der Rauch keinen weiteren Schaden an der Einrichtung anrichten kann. Je schneller das geht, desto weniger Rauchschäden entstehen. Dafür müssen sie die Wohnungen betreten können.

Das Jahresende ist für die Feuerwehr nicht nur wegen leicht entflammbarer Weihnachtsbäume eine stressige Zeit. Auch in der Silvesternacht kommt es regelmäßig zu Einsätzen, letztes Jahr musste die Feuerwehr in der Nacht siebenmal ausrücken. Das hat teilweise mit dem fahrlässigen Umgang mit Feuerwerkskörpern zu tun, zum Beispiel durch Betrunkene, Kinder oder selbst gebastelte Raketen und Böller. Oft sei es an Silvester auch schwer, überhaupt zum Feuerwehrhaus beziehungsweise von dort zum Einsatzort zu kommen, so Kusche. „Da liegt natürlich die ganze Straße voller Böller, manchmal fliegt einem auch eine Rakete vors Auto oder Feiernde laufen auf die Straße.“ Das erschwere die ohnehin schon stressige Situation an Silvester noch weiter, erklärt Kusche.

Info
Brände in der Weihnachtszeit verhindern

Kerzen in eine standfeste und nicht brennbare Halterung stellen und niemals unbeaufsichtigt lassen. Kerzen nicht neben brennbaren Gegenständen oder an einem Ort mit starker Zugluft aufstellen.

Adventskränze auf feuerfeste Unterlagen legen, wie Fließen oder Glas. Kerzen nicht komplett herunterbrennen lassen.

Löschmittel wie Wassereimer oder Feuerlöscher bereitstellen.

Rauchmelder installieren, regelmäßig testen und darauf achten, dass sie nicht verschmutzt sind.

Aufpassen, dass elektrische Lichterketten die Steckdose nicht überlasten.

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Erstellt:
27. Dezember 2019, 06:00 Uhr

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