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„Jeder muss aufstehen“

Über 200 Bürger aus dem Rems-Murr-Kreis und Schwäbisch Gmünd setzen in Alfdorf ein Zeichen gegen rechte Gewalt

Bei der Kundgebung „Alfdorf gegen Rechts“ spricht Tim Neumann vom Bündnis ‚Zusammen gegen Rechts – Rems-Murr‘ auf dem Marktplatz. Foto: G. Habermann

© Gabriel Habermann

Bei der Kundgebung „Alfdorf gegen Rechts“ spricht Tim Neumann vom Bündnis ‚Zusammen gegen Rechts – Rems-Murr‘ auf dem Marktplatz. Foto: G. Habermann

Von Jörg Hinderberger

ALFDORF. Eine Woche vor dem Massaker in Hanau, am 14. Februar, wurde unter anderem in Alfdorf eine faschistische Terrorgruppe namens „Gruppe S“ aufgedeckt. Diese hortete Waffen und plante Anschläge auf Moscheen. „Diese GruppeS gründete und traf sich in unserem Rems-Murr-Kreis, eben genau hier in Alfdorf. Blutrünstige Faschisten in unseren Kleinstädten? Was komisch klingt, ist leider nichts Neues, denn wenn auch keiner der Akteure aus dem Rems-Murr Kreis stammte – einer kam aus Esslingen– sind Nazis im Rems-Murr Kreis nichts Neues, ganz im Gegenteil“, erklärte Tim Neumann vom Bündnis ‚Zusammen gegen Rechts – Rems-Murr‘, das seit dem Jahr 2015 existiert, bei der Kundgebung „Alfdorf gegen Rechts“ auf dem Alfdorfer Marktplatz.

Klare Botschaft an die Politik und die Unternehmer

Im Rems-Murr-Kreis tummeln sich laut Neumann seit Jahrzehnten verschiedenste „Rechte“. Es habe Strukturen der mittlerweile verbotenen Naziorganisation „Combat 18“ gegeben, unter anderem in Großerlach, sowie eine bizarre Gruppe des rassistischen Ku-Klux-Klans in Fellbach. Außerdem gebe es die „Altnazis der Pseudo-Gewerkschaft Zentrum Automobil um Oliver Hilburger, welche in Althütte wohnen und Faschisten sind“, meint Neumann.

Mehr als 200 Bürger aus Alfdorf, Schwäbisch Gmünd und benachbarten Orten aus dem Rems-Murr-Kreis setzten ein Zeichen gegen rechten Terror und Rassismus. „Wer nicht in einer Gesellschaft leben möchte, die in einer Spirale aus Gewalt, Terror und Hass versinkt, sondern in einer Gesellschaft der Solidarität und Achtung untereinander, muss gegen rechte Politik als Ganzes aufstehen, auch wenn er von ihr noch nicht betroffen ist“, so Tim Neumann, der für seine Rede großen Applaus bekam.

Die Kundgebung verlief friedlich, Einsatzleiter Daniel Hinderer von der Polizei hatte auch im Vorfeld keine Befürchtungen, dass diese aus dem Ruder laufen könnte: „Uns ist keine Gegendemonstration bekannt und die Kundgebungen in den vergangenen Jahren von ‚Zusammen gegen Rechts – Rems-Murr‘ verliefen ruhig.“ Sebastian Fritz, Stadtrat in Schwäbisch Gmünd und Fraktionsvorsitzender der Linken, sagte: „Wir wollen ein klares Zeichen setzen. Die Masse an Menschen heute zeigt, dass die Zivilgesellschaft dieses Thema, gegen rechten Terror, sehr ernst nimmt.“ Aus Gmünder Sicht und kommunalpolitischer Sicht sei es wichtig, dass Parteien wie die AfD keinen Weg in ein Gremium finden. Da sei der Gmünder Weg ein sehr gutes Beispiel. Dort hat es die Partei nicht in den Stadtrat geschafft. „Da müssen alle demokratischen Parteien zusammenhalten“, erklärte Fritz. Auch einige Mitglieder des Alfdorfer Gemeinderats waren auf dem Marktplatz.

Peter Yay-Müller von der IG Metall Schwäbisch Gmünd ist fassungslos, dass in einem Land wie Deutschland, mit dieser Geschichte, „es noch im Jahr 2020 Nährboden für rechten Terror und Rassismus gibt.“ Die Gewerkschaften müssen sich hier laut Peter Yay-Müller gegen Rassismus klar positionieren, da auch die „Alternative für Deutschland“ versuche, in den Betrieben Anhänger zu finden.

Plädoyer für Initiativen im Sinne des Klimaschutzes

„Es kann nicht sein, dass eine AfD den Klimawandel leugnet und niemand etwas dagegen unternimmt. Daher wollen wir unter Berücksichtigung der sozialen Verantwortung für unser Klima kämpfen“, so Peter Yay-Müller, der in diesem Zusammenhang das „Zentrum Automobil“ scharf kritisierte: „Die gewerkschaftsfeindliche Organisation und Pseudogewerkschaft um den Ex-Rechtsrocker Oliver Hilburger aus Althütte besteht seit 2010. Erklärtes Ziel von Zentrum Automobil ist es, die DGB-Einheitsgewerkschaften zu bekämpfen und letzten Endes zu zerschlagen, sowie der angebliche Schutz von Patrioten im Betrieb. Zentrum Automobil verfügt über Ableger bei Daimler in Untertürkheim, Sindelfingen und Rastatt, bei BMW in Leipzig und Stihl in Waiblingen. Hier müssen wir auf die Straße gehen und die Unternehmer und Politiker darauf aufmerksam machen, was hier passiert.“ Der Nährboden hierfür sei die AfD.

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Erstellt:
2. März 2020, 06:00 Uhr

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