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Jüdische Bibel war 80 Jahre im Versteck und auf Reisen

dpa/lsw Bopfingen. Ein jüdisches Ehepaar versteckt seine Bibel hinter einer doppelten Wand. Dann werden beide von den Nationalsozialisten ermordet. Knapp 50 Jahre bleibt das Buch unentdeckt - jetzt soll es an die Schicksale jüdischer Familien erinnern.

Eine Prachtausgabe einer Tora von 1880 liegt in der Synagoge Oberdorf auf einer Vitrine. Foto: Edith Geuppert/Archivbild

Eine Prachtausgabe einer Tora von 1880 liegt in der Synagoge Oberdorf auf einer Vitrine. Foto: Edith Geuppert/Archivbild

Die Odyssee eines Buches veranschaulicht in Bopfingen (Ostalbkreis) die Geschichte eines im Holocaust ermordeten Paars. Nach knapp 50 Jahren in einer geheimen Kammer und einer fast 30-jährigen Reise durch Deutschland ist eine jüdische Bibel dort jetzt zum Ausstellungsobjekt geworden.

Der Darmstädter Künstler Gerhard Roese hat sie im Internet ersteigert und dem Trägerverein der Gedenkstätte ehemalige Synagoge Oberdorf geschenkt. Seinen Angaben nach handelt es sich bei der Prachtausgabe einer Tora von 1880 um eine Rarität. Weil es umständlich war, sie auf der Flucht mitzunehmen, ließen verfolgte Juden ihre Exemplare meist zurück.

Das jüdische Ehepaar Ernestine und Eduard Leiter mauerte seine „Heilige Schrift der Israeliten“ hinter einer doppelten Wand auf dem Dachboden ein. Beide waren während des Zweiten Weltkriegs in das Bopfinger Haus zwangseingewiesen worden. Mit sieben anderen jüdischen Familien mussten sie auf engstem Raum auskommen, wie die „Schwäbische Post“ berichtete. 1942 wurden die Leiters von den Nationalsozialisten nach Theresienstadt deportiert und im Vernichtungslager Treblinka vergast.

Der neue Besitzer des Bopfinger Gebäudes entdeckte die Bibel 1990 bei Renovierungsarbeiten. Dessen Sohn nahm sie an sich - und während seiner Umzüge nach Leipzig, Kassel, Göttingen, Hannover, Rottweil und Pinneberg mit durch ganz Deutschland, bis er sie 2017 auf der Online-Verkaufsplattform Ebay anbot.

Dort erwarb sie Gerhard Roese. In einem Kunstprojekt porträtierte er 50 Menschen beim Betrachten der Bibel, um das kulturelle Gedächtnis der Juden zu würdigen. Einem der Teilnehmer fiel dabei eine Postkarte aus der Bibel in die Hand. Sie war an ihren ehemaligen Besitzer Eduard Leiter adressiert - damit ließen sich Historie und Herkunft des Folianten rekonstruieren.

Der Bopfinger Stadtarchivarin Johanna Fuchs zufolge könnte das Buch eine dreistellige Summe einbringen. „Die Bibel hat aber vor allem einen hohen ideellen Wert“, sagte sie.

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Erstellt:
24. September 2019, 08:59 Uhr

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