Jugendliche wollen in 72 Stunden die Welt verbessern

In einer bundesweiten Sozialaktion ruft der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Kinder und Jugendliche dazu auf, für 72 Stunden gemeinnützige Projekte anzugehen. Die katholische Kirche Backnang und die Kirchengemeinde St. Michael Kirchberg nehmen teil.

Die Ministranten der Kirchengemeinde St. Michael Kirchberg bauen ein Spielhaus, das im Brandwald aufgestellt werden soll. Foto: Alex Becher

© Alexander Becher

Die Ministranten der Kirchengemeinde St. Michael Kirchberg bauen ein Spielhaus, das im Brandwald aufgestellt werden soll. Foto: Alex Becher

Von Carolin Aichholz

Burgstetten/Backnang. Drei Tage können gleichzeitig eine sehr lange und relativ kurze Zeit sein, zumindest wenn man große Pläne für Bauprojekte hat. Deutschlandweit verabreden sich aktuell viele Jugendliche, um für einen guten Zweck gemeinsam zu werkeln. Alle fünf Jahre ruft dazu der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) auf. Innerhalb von 72 Stunden werden gemeinnützige Projekte absolviert.

Bei der letzten Aktion im Jahr 2019 waren insgesamt 3400 Gruppen beteiligt. In diesem Jahr lautete das Motto: „Uns schickt der Himmel“ (siehe Infotext). Engagierte Mitarbeiter der Kirchengemeinden überlegen sich, oft in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern und den Gemeinden, dafür Projekte und Aktionen, die in den drei Tagen umgesetzt werden können.

Rund um Backnang nehmen gleich zwei Gruppen teil. Die Kirchengemeinde in Backnang ist dabei, ebenso wie viele Ministrantinnen und Ministranten der Gemeinde St. Michael Kirchberg (umfasst Affalterbach, Kirchberg an der Murr und Burgstetten). Um den Oberministranten Paskal Kaluza haben sich rund 13 Kinder und Jugendliche geschart. Für die Aktion konnten die Schüler freitags vom Unterricht freigestellt werden. Heute werden noch mehr Unterstützer in der Schreinerei erwartet.

Bereits am Donnerstagabend fiel der langersehnte Startschuss: Alle Gruppen des Rems-Murr-Kreises haben im Kino Traumpalast in Waiblingen feierlich ihre Aufgaben überreicht bekommen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wussten bei ihrer Anmeldung nicht wirklich, was auf sie zukommt. Denn was in den 72 Stunden gebaut und geschafft wird, überlegen sich die Gruppenleiter vorher im Geheimen.

Das Wetter kann die Gruppen nicht aufhalten, beim Arbeiten wird es warm

Als die Gruppe die Mitteilung bekam, dass sie ein Spielhaus bauen darf, war die Freude entsprechend groß. In der Schreinerei Lang in Erbstetten wird seit Freitagmorgen um 8.30 Uhr unter fachkundiger Anleitung die Hütte zusammengezimmert. „Der Plan war sofort, etwas Handwerkliches zu machen, damit die Kinder am Ende auch sehen, was sie geschafft haben“, sagt Paskal Kaluza. In Absprache mit der Gemeinde Burgstetten entstand die Idee für das Haus, das auf dem Spielplatz am Brandwald in der Nähe von Kirschenhardthof aufgestellt wird. Der Bauhof unterstützt die fleißigen Nachwuchsschreiner ebenfalls.

Obwohl die Kälte den motivierten Kindern nicht in die Karten spielt, kennt Paskals Bruder Nils ein wirksames Mittel dagegen: „Wenn man anfängt, zu arbeiten, wird es schnell warm.“ Er und seine Kameraden sind bereits seit Freitag um 8.30 Uhr mit dem Sägen, Hämmern und Schrauben beschäftigt; das Grundgerüst steht schnell. Unter fachkundiger Anleitung wird genau nach Plan gearbeitet, die Kinder messen nach und assistieren, schrauben und bohren aber auch schon selbst tatkräftig mit.

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Heute im Lauf des Tages soll das Spielhaus fertiggestellt und an seinem angedachten Platz aufgestellt werden. „Dann ist noch ein Fest geplant“, verrät Paskal Kaluza. „Wenn das Wetter mitspielt, gerne draußen, sonst feiern wir unseren kleinen Abschluss eben irgendwo drinnen.“

In Backnang werden Hochbeete für anschließende Projekte gebaut

Bei der Gruppe der katholischen Kirchengemeinde in Backnang hat die Jugendreferentin Stefanie Breithaupt den Bau von drei Hochbeeten hinter dem Pfarrbüro der Christkönigkirche geplant. „Wir wollten etwas Bestehendes und Nachhaltiges machen, das den Jugendlichen auch noch mal verdeutlicht, dass die Natur etwas ganz Besonderes und Schützenswertes ist. Gottes Schöpfung eben“, sagt Stefanie Breithaupt. 27 Kinder und Jugendliche packen im Pfarrgarten der Christkönigkirche mit an. Als die Hochbeete stehen, werden sie mit Eimern voller Holzhackschnitzel befüllt. Vom stetig andauernden Regen lassen sie sich nicht aufhalten, aber immer wieder wärmen sich die fleißigen Arbeiter drinnen auf.

Am Samstag ist eine Kräuterwanderung im Plattenwald geplant. Eine Naturparkführerin zeigt den Jugendlichen, welche Kräuter in den heimischen Wäldern zu finden sind. „Die Wanderung findet ebenfalls bei jedem Wetter statt“, sagt Stefanie Breithaupt und lacht. Das schlechte Wetter kann die Heimwerker und Hobbygärtner nicht aufhalten: Fachliche Anleitung erhalten die Kinder dabei durch den ehrenamtlichen Helfer Matthias Jungerth, der als ausgebildeter Landschaftsgärtner die Expertise fürs richtige Pflanzen und Pflegen der Kräuter mitbringt. Er kann sich auch über einige Helfer mit Erfahrung freuen. Viele der Jugendlichen waren bereits bei der vergangenen 72-Stunden-Aktion vor fünf Jahren dabei. Damals wurde die Dachterrasse eines Heims für Menschen mit Handicap verschönert. Sie haben Palettenmöbel gebaut und als Abschluss ein Grillfest auf der Terrasse mit den Heimbewohnern gefeiert.

Bei einem gemeinsamen Abendessen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Lebenshilfe wurden die Beete bereits am Freitagabend eingeweiht. „Jetzt haben wir die Beete gebaut, aber sie sollen natürlich für lange Zeit Freude und Ernte bringen“, sagt Stefanie Breithaupt. Aktuell veranstaltet sie bereits regelmäßige Kochabende, weitere Projekte sollen sich nun nahtlos anschließen. „Streichen wollten wir die Beete eigentlich auch gleich, aber das verschieben wir jetzt wegen des Wetters auf einen späteren Zeitpunkt“, sagt sie.

Die Jugendreferentin möchte eine dauerhafte Fortführung des Projekts erreichen. Sie sieht die 72-Stunden-Aktion „nur“ als Startschuss für weitere Aktivitäten. „Auch unabhängig von der bundesweiten Aktion wollen wir nachhaltig etwas Gutes tun und die Kinder und Jugendlichen mitnehmen.“

Die dritte 72-Stunden-Aktion der katholischen Jugendverbände

Ziel Die erste Sozialaktion des BDKJ und seiner Jugendverbände fand 2014 statt. Es sollen Projekte umgesetzt werden, die „die Welt ein Stückchen besser machen“. Sie greifen politische und gesellschaftliche Themen auf, sind lebensweltorientiert und geben dem Glauben „Hand und Fuß“. Oft stoßen die Teilnehmenden damit nachhaltige Veränderungen an.

Teilnehmer In diesem Jahr nehmen rund 2 700 Gruppen bundesweit teil. Auch international beteiligen sich fünfzehn weitere Länder.

Projekte Nachbarschaftstreffen organisieren, Partnerschaften zu Asylunterkünften entwickeln oder Bienenhotels bauen: Diese Vorschläge etwa nennt der BDKJ auf seiner Website.

Informationen Unter https://www.bdkj.de/aktionen/72-stunden-aktion gibt es weitere Infos zur Aktion.

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Erstellt:
21. April 2024, 06:00 Uhr

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