100-Milliarden-Euro-Vorhaben
Kampfjet der Zukunft sorgt weiter für deutsch-französische Spannungen
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Friedrich Merz beraten in Berlin ein europäisches Luftkampfsystem. Streitigkeiten um die Zuständigkeiten führen jedoch zu Verzögerungen.

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Bis 2029 soll ein erstes flugfähiges Modell stehen (Symboldbild)
Von red/AFP
Beim Besuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Mittwochabend in Berlin soll es auch um die gemeinsame Entwicklung des Kampfjets der Zukunft gehen. Das 100-Milliarden-Euro-Vorhaben hat sich immer wieder wegen Streitigkeiten zwischen den beteiligten Industrieunternehmen verzögert. Ein Überblick:
Was ist FCAS?
Die Abkürzung steht für Future Combat Air System, übersetzt: zukünftiges Luftkampfsystem. Es soll langfristig bei der deutschen Luftwaffe den Eurofighter Typhoon und bei den französischen Luftstreitkräften das Kampfflugzeug Rafale ablösen. Dabei soll der Kampfjet von Drohnen begleitet werden, die über eine Datenwolke miteinander verbunden sind. Das Kampfflugzeug der sechsten Generation, das 2040 auf den Markt kommen soll, soll zudem mit Tarnkappentechnik ausgestattet sein.
Welche Etappen hat der FCAS hinter sich?
Macron und die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten das Vorhaben bei einem deutsch-französischen Ministerrat 2017 auf den Weg gebracht. Zwei Jahre später gab Spanien seine Beteiligung bekannt. Belgien hat seit 2023 eine Art Beobachterstatus.
Derzeit befindet sich das Vorhaben in der Phase 1B, in der die Technologie für den sogenannten Demonstrator entwickelt werden soll. In der folgenden Phase 2 soll bis 2029 ein flugfähiges Modell entwickelt werden, das der Vorstufe eines Prototyps entspricht.
Was sind die Streitpunkte?
Im Kern geht es bei dem deutsch-französischen Gezerre um Zuständigkeiten immer um Fragen des geistigen Eigentums und künftige Exportaussichten. Nach den bisherigen Vereinbarungen sollen sich Frankreich, Deutschland und Spanien jeweils zu einem Drittel an der Entwicklung beteiligen. Federführend in Frankreich ist Dassault Aviation, in Deutschland Airbus und in Spanien Indra.
Während Frankreich beim FCAS grundsätzlich eine Führungsrolle übernehmen sollte, sollte Deutschland diese Rolle bei dem gemeinsam zu entwickelnden Kampfpanzer MGSC übernehmen. Wie genau diese Führungsrolle aussehen soll, ist weiter umstritten.
Dassault-Chef Eric Trappier hat in der Vergangenheit mehrfach erkennen lassen, dass er für sein Unternehmen eine größere Führungsrolle vorsehe. „Es braucht einen Leader, einen Architekten“, sagte er kürzlich bei einer Anhörung im Senat. Dieser solle dann auch über die Zulieferer entscheiden können.
Nach einem Bericht des Fachmagazins „hartpunkt" strebt Frankreich einen Anteil von 80 Prozent an der Entwicklung des eigentlichen Kampfjets (New Generation Fighter) an. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht. Dies würde die bislang ausgehandelte Aufgabenverteilung durcheinander bringen.
Welche Position vertritt Merz?
Der Bundeskanzler räumte kürzlich ein, dass es „unterschiedliche Auffassungen“ darüber gebe, wie das Konsortium zusammengesetzt werde. „Ich möchte unbedingt, dass wir bei den Verabredungen bleiben, die wir im Hinblick auf FCAS mit Frankreich und Spanien getroffen haben“, sagte er bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Berlin. Es könne „ein gutes Projekt für die europäische Verteidigung“ werden.
Die offenen Fragen sollten im Verlauf der kommenden Monate geklärt werden. Er sei zuversichtlich, dass dies gelingen werde. „Aber wir sind hier noch nicht bei einem Ergebnis, das mich abschließend zufriedenstellt“, sagte Merz Anfang Juli.
Welche Alternative gibt es?
Großbritannien, Italien und Japan wollen ihrerseits unter dem Namen GCAP (Global Combat Air Programme) oder Tempest einen neuen Tarnkappen-Bomber entwickeln. Anfang Juni gab die EU-Kommission grünes Licht für die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens. Dieses soll die japanischen F-2-Kampfflugzeuge sowie die britischen und italienischen Eurofighter ersetzen.