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Karl Krische wurde der erste Chefarzt in Backnang

Blick in das Archiv von Peter Wolf: Vom Armenhaus mit Spital über das ehemalige Bezirks- bis zum späteren Kreiskrankenhaus

1924 wurde das neue Bezirkskrankenhaus eingeweiht. Später wurde daraus das Kreiskrankenhaus Backnang. Das Foto stammt vom Ende der 1920er-Jahre. Repros: P. Wolf

1924 wurde das neue Bezirkskrankenhaus eingeweiht. Später wurde daraus das Kreiskrankenhaus Backnang. Das Foto stammt vom Ende der 1920er-Jahre. Repros: P. Wolf

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Die stationäre Versorgung von kranken Menschen hat in Backnang eine lange Geschichte und ist aus den Armenhäusern hervorgegangen. Bereits in der frühen Neuzeit gab es ein mittelalterliches Spital, das vom Augustiner-Chorherrenstift zur Aufnahme von Alten und Kranken betrieben wurde, informiert das Backnang-Lexikon. Sein genauer Standort ist jedoch nicht bekannt. In den Armenhäusern lebten vor allem ältere Menschen, die nicht mehr selbst für ihren Unterhalt sorgen konnten.

Für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ist ein „Armen- und Bettelhaus“ beim „Totenkirchle“ in der späteren Sulzbacher Straße bezeugt. 1826 erwarb die Stiftungspflege von der Stadt das ehemalige Schießhaus der Landesmiliz in der späteren Stuttgarter Straße 46 und nutzte es als Armenhaus. Im Jahr 1853 mietete die Amtsversammlung des Oberamts Backnang darin sechs heizbare Zimmer für „Irren- und ansteckende Kranke“, heißt es im Backnang-Lexikon weiter. Der Standort des Armenhauses mit Spital befand sich zwischen der heutigen Chelmsford-Brücke und der Abzweigung zur Blumenstraße.

Ein Foto, das 1934 mit Blick stadteinwärts aufgenommen wurde, zeigt das Gebäude an der Eisenbahnbrücke. Zwei kleinere Fenster links im oberen Bereich sind vergittert. Unter der Brücke ist ein Mann mit seinen Pferden in Richtung Stadt unterwegs. Da der Fotodesigner Peter Wolf die alten, meist kleinformatigen Aufnahmen digitalisiert hat, können Details heute leicht in der Vergrößerung am Computer betrachtet werden. An der Hauswand ist rechts ein Werbeschild mit der Aufschrift „Auto Staub“ angebracht. In den 1930er-Jahren war der Autoverkauf auf dem Vormarsch. Dieses letzte Armenhaus in Backnang wurde 1960 geschlossen und ein Jahr später zur Verbesserung der Verkehrssituation abgerissen.

Im Ersten Weltkrieg mussten Hilfslazarette eingerichtet werden.

Zusätzlich zum Armenhaus war bereits im Oktober 1869 in der Unteren Bahnhofstraße 4 das erste Bezirkskrankenhaus mit 22 Betten eröffnet worden. Allerdings erwies sich der Neubau schon bald als zu klein. Das Backnang-Lexikon weist darauf hin, dass man die Patienten kaum nach Geschlechtern getrennt unterbringen konnte. Außerdem habe im Fall von Epidemien kein ausreichender Raum für eine Isolierung zur Verfügung gestanden. Heute, rund 150 Jahre später, ist diese Überlegung aktueller denn je. Im Ersten Weltkrieg konnte das Krankenhaus die zahlreichen Verwundeten nicht aufnehmen. Hilfslazarette wurden eingerichtet, wie etwa im Marienheim der Spinnerei Adolff. Nach der Schließung des Bezirkskrankenhauses zog 1925 die Oberamtssparkasse (heute Kreissparkasse) in das Gebäude ein. Das Haus wurde später, optisch verändert, ins Post-Areal integriert. Heute befindet sich an diesem Standort in der Bahnhofstraße 2 das Kolping-Bildungszentrum.

Trotz finanzieller Bedenken wurde 1923 der Neubau eines Bezirkskrankenhauses beschlossen, wofür die Stadt Backnang drei Morgen Land an der Hügelstraße zur Verfügung stellte, informiert das Backnang-Lexikon weiter. Im November 1924 konnte der zweiflügelige Bau eingeweiht werden. Während in einem Flügel 63 Betten Platz fanden, waren im anderen Behandlungs- und Operationsräume sowie die Verwaltung untergebracht. Die ärztliche Leitung übernahm der Chirurg Karl Krische, der 1964 Ehrenbürger wurde und im Alter von 80 Jahren starb. Ein Jahr später wurde die Hügelstraße in Karl-Krische-Straße umbenannt. Ein Foto aus Peter Wolfs Archiv zeigt den Neubau Ende der 1920er-Jahre. Für den Chefarzt Krische war links neben dem Krankenhaus ein Wohngebäude errichtet worden. Aufgrund von akutem Platzmangel dienten nach dem Zweiten Weltkrieg die Frauenarbeitsschule in der Stuttgarter Straße 56, die Volksschule in Steinbach sowie die Krankenbaracke des Flüchtlingslagers auf der Maubacher Höhe als Hilfskrankenhäuser, ehe bis 1949 in mehreren Bauabschnitten der bestehende Gebäudekomplex erweitert werden konnte. Ein neues Bettenhochhaus stellte man 1959 fertig.

1966 wurde das Schwesternwohnheim, das 113 Einzelzimmer und sieben kleinere Apartments umfasste, eingeweiht. Der Behandlungsbereich des Kreiskrankenhauses erhielt 1983 einen Neubau. Ab 1997 wurde der gesamte Komplex in mehreren Bauschritten einer Generalsanierung unterzogen. Das Kreiskrankenhaus verfügte 1999 über acht Abteilungen und war Teil des Eigenbetriebs der Rems-Murr-Kliniken. Der Beschluss zur Schließung zugunsten eines Neubaus in Winnenden wurde 2008, trotz heftigen Widerstands seitens der Bevölkerung, durch den Kreistag gefasst. Das Schwesternwohnheim wurde 2011 abgerissen. An dessen Stelle entstand ein neues Gesundheitszentrum, das am 8. Juni 2013 eingeweiht werden konnte. Im Juli 2014 erfolgten der Umzug der Patienten nach Winnenden und die Schließung des Backnanger Kreiskrankenhauses.

Im Armenhaus neben der heutigen Chelmsford-Brücke wurden bereits 1853 Zimmer für „Irren- und ansteckende Kranke“ eingerichtet. Die Aufnahme stammt von 1934.

Im Armenhaus neben der heutigen Chelmsford-Brücke wurden bereits 1853 Zimmer für „Irren- und ansteckende Kranke“ eingerichtet. Die Aufnahme stammt von 1934.

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Erstellt:
10. August 2020, 11:30 Uhr

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