Keine Baustellen zum Schutz des Handels

Die Sanierung der Backnanger Eduard-Breuninger-Straße beginnt frühestens 2022. Und über den Ausbau der Dilleniusstraße und des Obstmarkts wird erst nächstes Jahr entschieden. Der Gemeinderat möchte den Einzelhandel nicht noch weiter belasten.

Die Sanierung der Eduard-Breuninger-Straße drängt. Spätestens 2022 muss die Straße wegen der alten Kanäle und der fehlenden Feuerwehraufstellflächen erneuert werden. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Die Sanierung der Eduard-Breuninger-Straße drängt. Spätestens 2022 muss die Straße wegen der alten Kanäle und der fehlenden Feuerwehraufstellflächen erneuert werden. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die Einzelhändler stöhnen unter den Belastungen, die im Zuge der Coronapandemie ihre Geschäfte beeinträchtigen. Die Misere zieht sich nun schon seit acht Monaten hin und ein Ende ist noch nicht absehbar. Doch nun hätte es für die Geschäftsleute im Bereich des Backnanger Obstmarkts noch dicker kommen sollen, weil die Stadt die Straßen im Umfeld sanieren möchte. Die Erreichbarkeit der Geschäfte und die Anlieferung wären stark eingeschränkt oder zumindest problematisch gewesen. Der Aufschrei der Händler war riesig. Die Verwaltung hat flugs reagiert und eine erste Planungsvariante aufgrund dieser Kritik bereits wieder verworfen. Denn diesen Plänen zufolge hätten die Straßenarbeiten schon im Januar begonnen, parallel zu den Arbeiten an den Kronenhöfen.

Nun hat der Ausschuss für Technik und Umwelt des Gemeinderats entschieden: Die Geschäftsleute erhalten eine Verschnaufpause. Die Arbeiten an der Eduard-Breuninger-Straße beginnen frühestens im Januar 2022. Und über den Start der Sanierung der Dilleniusstraße und des Obstmarkts wird erst im Frühjahr nächsten Jahres entschieden. Weil aber die Abschnitte nur nacheinander saniert werden können, steht jetzt schon fest, dass dann die Bagger auf dem Obstmarkt frühestens ab 2023 rollen könnten. Realistisch ist aber eher das Jahr 2024 oder sogar noch später.

Für Stadtbaudezernent Stefan Setzer stand es außer Frage, dass nach dem Abschluss der Arbeiten rund um die Aspacher Brücke nun die Maßnahmen in Richtung Eduard-Breuninger-Straße fortgeführt werden, dies sei eine logische Entwicklung, zumal die Straße – nicht nur aufgrund der Baustelle Kronenhöfe – dringend neu gestaltet werden müsse. Zahlreiche Gespräche mit den Anwohnern, Geschäftsleuten und Einzelhändlern führten jedoch zu der Erkenntnis, dass weitere Baumaßnahmen im Jahr 2021 nicht zu verantworten waren. „Es war uns wichtig, dass wir die Händler bei dem Projekt mitnehmen.“

Die Notwendigkeit, die Eduard-Breuninger-Straße auf Vordermann zu bringen, ist unumstritten. Nicht nur die Riesenbaustelle Kronenhöfe setzt der Straße kräftig zu, die technische Infrastruktur ist auch in die Jahre gekommen. So spricht Stadtplanungsamtsleiter Tobias Großmann von Abwasserkanälen, die inzwischen 80 Jahre alt sind. Thema ist natürlich auch die Aufwertung und Einbindung der Kronenhöfe und die Vernetzung der angrenzenden Straßen. Mehrere Passagen sind nicht mehr zeitgemäß und sehr sanierungsbedürftig und nicht barrierefrei. Auch soll zum Beispiel die Treppe von der Eduard-Breuninger-Straße zum Chelmsfordplatz größer und offener gestaltet werden.

Simon Köder betonte, dass auch vom Stadtmarketing Backnang aus viele Gespräche mit Gewerbetreibenden und Einzelhändlern geführt wurden. Dabei war deutlich geworden, dass die Händler die Unterstützung des Stadtmarketingvereins und der Stadt nötig hätten. Köder hatte mehrere Ideen, wie eine solche Unterstützung aussehen könnte. Angefangen von einem Bauzaunbanner über einen Baustellenfahrplan, verschiedene Sonderveröffentlichungen in Print, online oder sozialen Medien bis hin zu einem Baustellenerklärvideo oder Baustellenevents, bei denen sich die Menschen mit den Baustellen vertraut machen könnten. Sein Fazit: „Eine hohe Akzeptanz der Baustellen bei den Händlern und Bürgern ist wichtig.“

Rolf Hettich (CDU) erinnerte daran, dass die Gewerbetreibenden das Vorhaben sehr skeptisch sehen würden. Er plädierte dafür, dass die Arbeiten so schnell wie möglich durchgezogen werden sollten, um die Belastung so gering wie möglich zu halten, und regte eine Art Belohnung für Geschwindigkeit an. Setzer bezweifelte, dass sich die Arbeiten beschleunigen lassen: „Die Firmen bauen so schnell wie möglich. Keine hat Interesse, die Baustelle in die Länge zu ziehen, schließlich heißt es ,Zeit ist Geld‘.“ Sowohl Hettich als auch Willy Härtner (Grüne) und Volker Dyken (Backnanger Demokraten) bezeichneten die Hilfestellung des Stadtmarketings als gut. Härtner und Dyken gefiel vor allem die Idee mit den Videos. Aber Ute Ulfert (CDU) relativierte: „Trotz aller Begleitmaßnahmen und Hilfen – alle Unwägbarkeiten können wir nicht wegnehmen.“ Während sich Härtner dafür aussprach, den zweiten Teil der Arbeiten erst 2024 anzugehen, „ein Jahr Pause täte uns sehr gut“, plädierte Steffen Siggi Degler (AfD) dafür, „alles in einem Aufwasch zu erledigen“.

Die Kosten für die Gesamtmaßnahme betragen 3,13 Millionen Euro. Wird nur die Eduard-Breuninger-Straße und das Notwendigste in der Dilleniusstraße saniert, dann sind es immerhin noch 2 Millionen Euro. Der Ausschuss stimmte dem Entwurf einstimmig zu. Die Baubeschlüsse und die Entscheidung über den Zeitplan fallen im Frühjahr. Wobei jetzt schon feststeht, dass der erste Teil der Arbeiten zeitnah erledigt werden muss.

Die Baustelle Kronenhöfe wächst Stück für Stück in die Höhe. Die Straßen ringsum jedoch werden aus Rücksicht auf die Anwohner und den Einzelhandel nicht gleichzeitig ausgebaut. Mit Ausnahme der Eduard-Breuninger-Straße. Dort besteht dringender Handlungsbedarf. Foto: W. Kuhnle

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Die Baustelle Kronenhöfe wächst Stück für Stück in die Höhe. Die Straßen ringsum jedoch werden aus Rücksicht auf die Anwohner und den Einzelhandel nicht gleichzeitig ausgebaut. Mit Ausnahme der Eduard-Breuninger-Straße. Dort besteht dringender Handlungsbedarf. Foto: W. Kuhnle

Fünf Stellplätze weniger, dafür aber mehrere Bäume

Insgesamt gibt es in dem Gebiet aktuell 30 öffentliche Stellplätze, nach dem Umbau werden es nur noch 25 Plätze sein. Alleine vier Parkplätze fallen in der Eduard-Breuninger-Straße weg, dort gibt es künftig die Zufahrt zur Tiefgarage der Kronenhöfe und eine Feuerwehrzufahrt beziehungsweise eine Feuerwehraufstellfläche. Erfreulich aus städteplanerischer Sicht ist, dass entlang der Straßen mehrere Bäume gepflanzt werden, alleine in der Dilleniusstraße vier Stück.

Tiefbauamtsleiter Lars Kaltenleitner erläuterte, dass das Gesamtprojekt in fünf Bauphasen unterteilt werden muss. Die Arbeiten würden demnach im unteren Bereich der Eduard-Breuninger-Straße beginnen und vermutlich vom Januar bis Juli 2022 dauern. Der obere Teil der Straße bis zum Schillerplatz würde in dieser Zeit als Baustelleneinrichtung benötigt werden, es würden 19 öffentliche Stellplätze entfallen.

Danach würde als zweite Phase der Rest der Straße bis zur Einmündung Dilleniusstraße saniert werden, die Arbeiten würden sich über sieben Monate bis zum Jahresende hinziehen. Die Kreuzung Dilleniusstraße müsste etwa acht Wochen lang gesperrt werden, in dieser Zeit würde die Zufahrt für Lieferfahrzeuge oder Anwohner des Bereichs Obstmarkt über die Fußgängerzone (Schillerstraße) erfolgen.

Von der logischen Reihenfolge her gehen die Arbeiten dann am Obstmarkt weiter, inklusive des Fußwegs in Richtung Marktstraße. Auch hier beträgt die Bauzeit sechs bis sieben Monate. Frühester Zeitpunkt 2023.

Die kürzeste Dauer ist für die Arbeiten an der Dilleniusstraße vorgesehen, etwa drei bis vier Monate. Dort werden nicht nur die Stromleitungen neu verlegt, sondern auch die Hausanschlüsse gerichtet.

Als fünfte Bauphase bezeichnete Kaltenleitner die Arbeiten im Bereich Grabenstraße am Übergang zur Eduard-Breuninger-Straße. Sie könnte zeitgleich mit den Phasen eins oder zwei erledigt werden und zieht sich über sieben bis neun Wochen. Wichtigstes Ziel dabei ist die Erneuerung der Bushaltestelle „Aspacher Brücke“. Während dieser Arbeiten wird die Bushaltestelle verlegt und die Buslinie umgeleitet.

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Erstellt:
4. November 2020, 06:00 Uhr

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