Krieg und Inflation trüben die Stimmung

Der IHK-Konjunkturklimaindex sinkt im Rems-Murr-Kreis wieder, obwohl die Geschäfte noch gut laufen.

Symbolbild: Adobe Stock/scharfsinn86

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Von Kornelius Fritz

Rems-Murr. Die Coronakrise ist kaum überstanden, da sorgen der Krieg in der Ukraine und der dramatische Anstieg der Energiepreise für den nächsten Dämpfer bei den Unternehmen in der Region. Bei der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) äußern sich die befragten Firmenchefs jedenfalls wesentlich skeptischer zu ihrer Geschäftsentwicklung als noch zu Jahresbeginn.

Für ihren Konjunkturbericht, der dreimal im Jahr veröffentlicht wird, hatte die IHK 227 zufällig ausgewählte Unternehmen aus dem Rems-Murr-Kreis angeschrieben, 96 beteiligten sich letztlich an der Umfrage. Bei der Frage nach der aktuellen Geschäftslage fallen die Ergebnisse dabei noch immer sehr positiv aus. So bezeichnen nach wie vor 87,9 Prozent der Befragten ihre momentane Geschäftslage als gut oder befriedigend – das sind sogar noch etwas mehr als bei der letzten Umfrage im Januar (86,1 Prozent). Auch die Auftragslage im Industrie- und Bausektor ist weiterhin gut. Die Kapazitätsauslastung liegt bei 81 Prozent.

Deutlich düsterer fällt allerdings der Blick in die Zukunft aus. Rechneten Anfang des Jahres noch 34,2 Prozent der Befragten damit, dass sich ihre Situation in den nächsten zwölf Monaten verbessern wird, so tun dies aktuell nur noch 26,7 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die mit einer Verschlechterung rechnen, von 12,1 auf 17,9 Prozent gestiegen. Vor allem die Industrieunternehmen und das Baugewerbe erwarten sinkende Geschäftszahlen. Der Stimmungsumschwung ist auch am sogenannten IHK-Konjunkturklimaindex abzulesen. Nachdem dieser von Mitte 2020 bis Anfang 2022 stetig gestiegen war, ging der Wert nun erstmals wieder zurück, und zwar von 125,6 auf 119 Punkte.

Energiepreise sind das größte Risiko

„Auch ohne die Einschränkungen der Coronapandemie wären die Herausforderungen für die Betriebe nach wie vor zahlreich gewesen: gestörte Lieferketten, hohe Inflation, Fachkräftemangel in vielen Branchen, Strukturwandel in den Kernbranchen und viele weitere Themen. Nun also noch die unmittelbaren und mittelbaren Folgen eines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs“, fasst Bezirkskammerpräsident Claus Paal die Situation zusammen. Den Ukrainekrieg und die Sanktionen gegen Russland spüren vor allem viele exportorientierte Unternehmen unmittelbar. Die Exporterwartungen für die kommenden zwölf Monate sind deshalb spürbar zurückgegangen.

„Erstaunlich und zugleich erfreulich“ ist aus Sicht der IHK hingegen die Beschäftigungslage. Denn trotz der unsicheren Zukunftsaussichten denken nur knapp 13 Prozent der Unternehmen darüber nach, ihr Personal zu reduzieren, 28,6 Prozent wollen hingegen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Vorausgesetzt, sie finden geeignete Fachkräfte, was weiterhin ein Problem ist. IHK-Geschäftsführer Markus Beier appelliert deshalb an die Betriebe, bei der Ausbildung nicht nachzulassen: „Wenn der Arbeitsmarkt leer gefegt ist, müssen die Unternehmen ihre Fachkräfte selbst ausbilden.“

Der Fachkräftemangel gehört auch weiterhin zu den Risiken, die die Firmenchefs nennen. Allerdings ist dieser Aspekt in der Rangliste vom zweiten auf den vierten Platz zurückgefallen. Als noch größere Bedrohung sehen die Befragten jetzt die Energiepreise, die Rohstoffpreise und die Inlandsnachfrage. Die Coronapandemie, die zu Jahresbeginn noch als größte Bedrohung bezeichnet wurde, belegt in der Ranglisten inzwischen nur noch Platz sechs.

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Erstellt:
13. Mai 2022, 16:00 Uhr

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