Kriminalitätszahlen auf Rekordtief

Das Polizeipräsidium Aalen hat gestern seine Jahresstatistik 2021 veröffentlicht. Mit den beiden anderen Landkreisen im Präsidiumsbereich gehört der Rems-Murr-Kreis demnach zu den sichersten Regionen im Land. In einigen Deliktbereichen ist die Entwicklung aber sehr unerfreulich.

Symbolfoto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Symbolfoto: A. Becher

Von Bernhard Romanowski

Rems-Murr/Aalen. „Unsere Bürgerinnen und Bürger leben weiterhin in einem der sichersten Präsidiumsbereiche des Landes“, verkündet Reiner Möller als Präsident des Polizeipräsidiums Aalen und nicht ohne Stolz auf seine und die Arbeit seiner Kollegen. Während die Aufklärungsquote ihren bisherigen Höchststand erreicht hat, sanken die Fallzahlen im Jahr 2021 auf den niedrigsten Wert seit Beginn der elektronischen Erfassung der polizeilichen Kriminalstatistik im Jahre 2003. „Diese an objektiven Kriterien gemessene Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhalten sowie auch das Sicherheitsgefühl aller Bürgerinnen und Bürger weiter zu stärken, bleibt unser größtes Bestreben“, sagt Möller und spielt damit auch auf die Tatsache an, das dieses Sicherheitsgefühl der Bürger oft nicht mit den belastbaren Zahlen korreliert. Letztere liegen mit der gestrigen Veröffentlichung des polizeilichen Jahresberichts 2021 aber nun klar auf dem Tisch.

„Für mich ist Sicherheit Lebensqualität und deshalb ein Herzensanliegen, dass die Menschen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen sicher leben und sich hier auch sicher fühlen“, so der Polizeipräsident zu seinem Arbeitsethos. Er stellt aber auch klar, dass mit der polizeilichen Kriminalstatistik und der Verkehrsunfallstatistik keinesfalls die Arbeitsbelastung der polizeilichen Tätigkeiten abgebildet werde. Diese binde vielmehr erhebliche personelle Ressourcen. „Durch den Rückgang der Zahlen dürfen wir uns also nicht täuschen lassen. Beispielsweise hat uns die Coronapandemie enorm gefordert. Sie beeinflusste die polizeiliche Arbeit in großen Teilen und stellte uns täglich vor neue Herausforderungen“, betont Möller.

Aalen ist eines der sichersten Polizeipräsidien

Für das Jahr 2021 ist präsidiumsweit eine Abnahme der Straftaten um minus 11,2 Prozent auf 31612 Delikte zu verzeichnen. Im Rems-Murr-Kreis sanken die Straftaten um 13,5 Prozent auf 15593 Straftaten. Die Aufklärungsquote im Präsidiumsbereich stieg um 0,9 Prozent auf 63,5 Prozent, im Rems-Murr-Kreis stieg sie auf 63,7 Prozent – den höchsten Wert seit der elektronischen Erfassung der Kriminalstatistik. Bei der Häufigkeitsziffer, also der Kriminalitätsbelastung gemessen an der Anzahl der Straftaten pro 100000 Einwohner, ist demnach erneut ein Rückgang zu verzeichnen. „Diese ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 11,4 Prozent auf 3365 gesunken und liegt damit weiterhin deutlich unter dem Landesschnitt von 4380. Das Präsidium Aalen belegt damit als eines der sichersten Polizeipräsidien weiterhin landesweit einen Spitzenplatz“, so Möller als Chef der Behörde. Einen maßgeblichen Anteil an der Abnahme der Fallzahlen haben demzufolge die Diebstahlsdelikte. „Die positive Entwicklung ist das Ergebnis nachhaltigen polizeilichen Handelns begleitet von einem pandemiebedingt veränderten gesellschaftlichen Leben“, stellt Möller fest. Erfreuliche Rückgänge konnten zudem insbesondere beim Wohnungseinbruchdiebstahl, auch bei den Aggressionsdelikten und bei den Sachbeschädigungen verzeichnet werden.

Die Fallzahlen der Delikte im Rems-Murr-Kreis im Jahr 2021 weisen den niedrigsten Wert seit 19 Jahren auf. Grafik: N. Thellmann

© Jennifer Bauer

Die Fallzahlen der Delikte im Rems-Murr-Kreis im Jahr 2021 weisen den niedrigsten Wert seit 19 Jahren auf. Grafik: N. Thellmann

Steigerungen der Fallzahlen sind in einigen Bereichen allerdings auch zu verzeichnen, und zwar bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, bei den Gewalttaten gegen Polizeibeamte sowie bei den Fällen der Wirtschaftskriminalität. Die Pandemie brachte auch ganz neue Betrugsmaschen hervor. Hohe Fallzahlen waren im letzten Jahr beispielsweise bei der Fälschung von Impfdokumenten zu verzeichnen. Die Diebstahlsdelikte bildeten 2021 mit etwas über einem Fünftel aller Straftaten einen polizeilichen Schwerpunkt. Innerhalb des Aalener Präsidiumsbereichs sind sie um 15,7 Prozent auf ein Allzeittief seit 2003 zurückgegangen. Diese Entwicklung fällt im Rems-Murr-Kreis am deutlichsten aus, wie die Polizeistatistiker mitteilen. Hier gingen die Fallzahlen um 17,6 Prozent auf 3323 Fälle zurück. Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls bildete für das Polizeipräsidium einen der Schwerpunkte der zurückliegenden Jahre. Mit 196 Fällen und einem Rückgang um 37,4 Prozent liegen die Fallzahlen der Einbrüche des Jahres 2021 auf einem historischen Tiefstand und gegenüber dem Höchststand aus dem Jahr 2014 mit damals 1058 Fällen bei weniger als einem Fünftel. Im Rems-Murr-Kreis sanken die Einbrüche um 58 auf 84 Fälle. Über die Hälfte der Einbrüche verblieb laut Polizei im Versuchsstadium. Die Schadenshöhe stieg indessen präsidiumsweit um 978976 Euro erheblich auf 1577697 Euro.

Die Pandemie wirkt sich auf die Kriminalität aus

Die pandemiebedingten Bestimmungen wirkten sich offenkundig auch auf die Fallzahlen unter der Rubrik „Straftaten im öffentlichen Raum“ aus: Sie sanken in allen drei Landkreisen. Im Rems-Murr-Kreis wurde mit 6836 Taten und einem Minus von 19,7 Prozent die größte Abnahme registriert. 2021 wurden im Rems-Murr-Kreis 347 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verzeichnet. Dieses Plus von 25,3 Prozent zum Vorjahr basiert auf einer massiven Steigerung der Fallzahlen beim Verbreiten pornografischer Schriften, was in erster Linie auf eine rapide steigende Anzahl an Hinweisen von verschiedenen Internetprovidern sowie geänderte digitale Möglichkeiten zurückzuführen sei. Das Präsidium hat dazu vor einem Jahr auch eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Im Bereich „Gewalt gegen Polizeibeamte“ stiegen die Fallzahlen präsidiumsweit auf den höchsten Wert im Zehnjahresvergleich um 32 (plus 9,9 Prozent) auf 356 Fälle. „Die weiterhin sehr hohen Fallzahlen dokumentieren die enorme Respektlosigkeit und Aggressionsbereitschaft gegenüber eingesetzten Polizeibeamtinnen und -beamten“, so Polizeipräsident Möller auch mit Blick auf die Coronademonstrationen. Bei der politisch motivierten Kriminalität ist für das Präsidium Aalen mit insgesamt 577 Straftaten eine deutliche Zunahme um 85,5 Prozent zum Vorjahr zu verzeichnen. Die meisten sind dabei dem politisch rechten Spektrum mit insgesamt 246 Delikten zuzuordnen. Die Gewaltdelikte sind hingegen von zehn auf sieben Fälle zurückgegangen.

Polizeilicher Jahresbericht 2021

Präsentation Mit 1615 Bediensteten ist das Polizeipräsidium Aalen für die Sicherheit von rund 940000 Einwohnern in den Landkreisen Ostalbkreis, Rems-Murr-Kreis sowie Schwäbisch Hall zuständig. Der ausführliche Jahresbericht 2021 sowie eine entsprechende Präsentation stehen auf dem Internetauftritt des Polizeipräsidiums Aalen zum Herunterladen zur Verfügung:

https://ppaalen.polizei-bw.de/statistiken

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Erstellt:
18. März 2022, 06:00 Uhr

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