Wassermangel in der Region: Heimische Quellen sichern die Zukunft

Laut Umweltministerium muss rund die Hälfte der Kommunen bis 2050 damit rechnen, dass sie ihren Wasserverbrauch in Spitzenzeiten nicht mehr decken kann. Die NOW, die viele Gemeinden im Umkreis mit Wasser beliefert, setzt auf die verstärkte Nutzung heimischer Quellen.

Die Wahlquelle bei Kirchenkirnberg ist eine von 20 Quellen, aus denen die Stadt Murrhardt Trinkwasser bezieht. Foto: privat

Die Wahlquelle bei Kirchenkirnberg ist eine von 20 Quellen, aus denen die Stadt Murrhardt Trinkwasser bezieht. Foto: privat

Rems-Murr. Die Felder sind vertrocknet, kein einziger Tropfen kommt aus der Wasserleitung gekrochen und auf der Straße herrscht Krieg um eine einzige Flasche Wasser – das ist kein reales Szenario, zumindest nicht bei uns. Doch Dürreperioden und extreme Wetterereignisse sorgen in vielen Regionen bereits jetzt für Herausforderungen bei der Wasserversorgung. Das Umweltministerium rechnet damit, dass im Jahr 2050 rund die Hälfte der Kommunen im Land davon ausgehen muss, dass sie ihren Wasserverbrauch in Spitzenzeiten nicht mehr decken kann. Schon heute bekommt ein Viertel bei anhaltender Trockenheit Probleme.

Die Stadt Backnang sowie einige umliegende Gemeinden werden zum Teil oder vollständig vom Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) versorgt. Der drittgrößte Fernwasseranbieter in Baden-Württemberg hat erst vor wenigen Wochen das Wasserwerk Murrtal bei Burgstetten ans Netz genommen (wir berichteten). Dort wird nun aus 55 Quellen und Brunnen aus dem Umland Wasser gesammelt. Im gesamten Verbundnetz fließt hingegen das Wasser aus 210 Quellen und Brunnen, das in neun Wasserwerken aufbereitet wird, durch die Rohre der NOW. Fast 40 Prozent des von der NOW verteilten Wassers stammen damit aus heimischen Quellen. Wie NOW-Geschäftsführer Jochen Damm erklärt, gehört die verstärkte Nutzung heimischer Wasservorkommen zum Masterplan, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserversorgung in den Griff zu bekommen. „Wir können dadurch auf eine sehr breite Struktur in der Versorgung zurückgreifen“, erklärt er. Aktuell gebe es sogar einen Wasserüberschuss, sodass gar nicht das ganze verfügbare Wasser benötigt werde. Sollten durch den Klimawandel zum Beispiel einige Brunnen versiegen, habe die NOW noch genügend Puffer. „Wir haben dadurch ein Back-up“, so der Geschäftsführer. Zudem führt der Wasserversorger schon jetzt Bohrungen im Jagst- und Murrtal durch, um je nach Bedarf neue Brunnen zu erschließen.

Auch wenn sich die NOW für wasserärmere Zeiten rüstet, so wird die verfügbare Menge an Wasser in der Region laut einigen Studien nicht weniger, weiß Jochen Damm: „Es kommt aber zu einer Verschiebung.“ So werden die Sommer immer trockener und die Winter immer milder. Folglich stelle sich die Frage, ob die zunehmend nassen Winter ausreichen, um die Sommer zu überbrücken. Im Gegensatz zur Trockenheit würden andere Extremwetterereignisse wie Hochwasser die Versorgung nicht gefährden, denn aufgrund der geografischen Lage der Brunnen und Quellen komme es im Umkreis kaum zu Überschwemmungen.

Die steigenden Wasserpreise sind nicht auf den Klimawandel zurückzuführen

Gerade in lang anhaltenden Dürreperioden hat auch der Wasserverbrauch Auswirkungen auf die Wasserversorgung. Dieser ist in den vergangenen Jahren laut Jochen Damm nicht gestiegen. Trotzdem hat sich der Wasserpreis erhöht. Wie der Geschäftsführer erklärt, liege das aber weder am Verbrauch noch am Klima, sondern an Inflation und Investitionen. Denn neben dem Betrieb der Wasserwerke investiert die NOW auch in neueste Filtermethoden.

Dass der Wasserverbrauch in den vergangenen Jahren nicht gestiegen ist, kann auch die Stadt Backnang bestätigen. „Die Verbrauchsmenge zeigt sich seit über zehn Jahren mit rund zwei Millionen Kubikmetern pro Jahr sehr stabil. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch bleibt langfristig konstant, was unter anderem auf den Einsatz effizienterer Haushaltsgeräte zurückzuführen ist“, so Pressesprecher Frederik Schell. Der Preis ist dennoch gestiegen: 2023 lag er bei 2,84 Euro pro Kubikmeter, 2026 liegt er bei 3,05 Euro. Gründe sind notwendige Investitionen in die Infrastruktur, Zinsentwicklungen und gestiegene Bezugskosten durch die NOW. Diese stellt für die Stadt eine wichtige Säule im Umgang mit Trockenperioden dar, da der Versorger auf Fern- und Regionalwasser zurückgreifen kann: „Zudem modernisieren wir stetig unsere technischen Anlagen, um deren Effizienz zu steigern und Leitungsverluste zu minimieren.“

Die Stadt Murrhardt kann bei Tagesspitzen ebenfalls auf die NOW zurückgreifen, in erster Linie wird das Wasser aber aus den eigenen 20 Quellen gespeist. Laut Bürgermeister Armin Mößner hat sich der Verbrauch in den vergangenen Jahren nicht verändert. Der Preis ist dennoch gestiegen: „Die Verbrauchsgebühr wurde zum 1. Januar von 2,94 Euro pro Kubikmeter auf 3,21 Euro erhöht.“ Die Anpassung erfolgte wegen Preissteigerungen, gestiegener Gehälter und der Bezugspreise der NOW.

Vereinzelt wurden Quellen aufgegeben

Die Quellschüttung wird seit Jahrzehnten von den Stadtwerken gemessen. Laut Armin Mößner lässt sich sagen, dass sich in trockenen Jahren ein Rückgang der Quellschüttung bis ins folgende Jahr zieht: „Bisher haben die Stadtwerke aber keinen deutlichen Rückgang feststellen müssen. Einzelne Quellen suchen sich jedoch neue Austrittswege, daher wurden vereinzelt Quellen aufgegeben.“ Die Stadt Murrhardt bereitet sich dennoch auf trockenere Zeiten vor: „Es wird laufend in die Sanierung von Quellen investiert. Dies betrifft häufig den Zulauf der Quellen, aber auch die Quellschächte. Zudem ist geplant und teilweise konkret in Vorbereitung, neue Quellen zu erschließen und das Wasser für die Bevölkerung nutzbar zu machen.“ Zudem stehen die Stadtwerke im Austausch mit den Landwirten, um eine unwissentliche oder versehentliche Verunreinigung von Quellen durch Ausbringung von Gülle zu vermeiden. Die Aufbereitungs- und Desinfektionstechnik wird ebenfalls laufend erneuert und gewartet.

Die Gemeinde Althütte greift ebenfalls primär auf eigene Quellen zurück. Insgesamt drei Quellen stehen der Gemeinde zur Verfügung. Bei längeren Trockenperioden wird auch Wasser der Landeswasserversorgung zugegeben. Um die Versorgung auch künftig zu sichern, werden bestehende Quellen gesichert und die Bezugsrechte der Landeswasserversorgung ausgebaut, wie Bürgermeister Reinhold Sczuka erzählt: „Wir geben auch Hinweise auf eine sparsame Verwendung von Trinkwasser.“

Der Wasserpreis, der im Jahr 2025 von 2,64 Euro (2018) auf 4,06 Euro gestiegen ist, lässt sich aber weder mit dem Verbrauch noch mit dem Klimawandel begründen. Wie Reinhold Sczuka erzählt, gab es an dieser Stelle schon über viele Jahre eine Unterdeckung.

Wassermangel in der Region: Heimische Quellen sichern die Zukunft

© Stefan Bossow

Wer stellt die Wasserversorgung sicher?

Versorgung In erster Linie sind die Kommunen für die Wasserversorgung ihrer Bürger zuständig. Diese beziehen ihr Wasser aus eigenen Gewässern wie Brunnen oder Quellen oder von einem Wasserversorger.

Landeswasserversorgung Der zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründete Fernwasserversorger hat insgesamt 106 Mitglieder und beliefert rund 250 Städte und Gemeinden. Das Wasser wird zum Großteil aus dem Donauried (Ulm) gespeist.

Bodenseewasserversorgung Der Wasserversorger beliefert seit fast 70 Jahren Kommunen mit Trinkwasser, das aus dem Bodensee gespeist wird. Mittlerweile hat der Zweckverband 182 Mitglieder.

NOW Über ein 931 Kilometer langes Leitungsnetz verteilt der Zweckverband seit mehr als 70 Jahren Trinkwasser. Neben Eigenwasser bezieht er sein Wasser von der Landeswasserversorgung und der Bodenseeversorgung.

Grundwasser Über das Portal https://shorturl.at/sihCT der Landesanstalt für Umwelt lässt sich die langfristige Entwicklung der Grundwasserneubildung in über 1000 Gemeinden in Baden-Württemberg abrufen.

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Erstellt:
23. Februar 2026, 06:00 Uhr

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