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Krise als Chance für mehr digitales Lernen

Sulzbacher Gemeinderat bringt mit der Ausschreibung der Arbeiten den IT-Ausbau der örtlichen Schulen auf den Weg

Krise als Chance für mehr digitales Lernen

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR. Die Zukunft ist digital. Auch oder gerade in der Schule. Und eigentlich wäre es gerade jetzt sinnvoll, die im sogenannten Digitalpakt vorgesehene technische Aufrüstung der Schulen wäre bereits Gegenwart. Angesichts der derzeitigen Schulschließungen wegen der Coronakrise wäre der Unterrichtsausfall nämlich bestmöglich durch digital kommunizierte Lernangebote und -aufgaben zu kompensieren – Schüler wie Lehrer könnten so geschützt zu Hause arbeiten. Nach Expertenschätzungen sind in Deutschland aber bisher nur fünf bis zehn Prozent der Schulen in der Lage, diesem Anspruch zu genügen.

Mit der Verwaltungsvereinbarung Digitalpakt Schule 2019 bis 2024 haben die Bundesregierung und der Bundestag 2018 die Absicht bekundet, die Digitalisierung in den allgemeinbildenden Schulen mit fünf Milliarden Euro zu fördern. Dazu musste sogar ein Grundgesetzartikel geändert werden, denn Bildung ist in der Bundesrepublik dezentral organisiert, nämlich Sache der einzelnen Länder.

Zwar ist die Vereinbarung seit Mai 2019 in Kraft, aber bis August 2019 hatten erst 9 von 16 Bundesländern die nötigen Förderrichtlinien veröffentlicht. Anfang 2020 waren erst 20 Millionen aus dem Topf abgerufen – gerade einmal ein halbes Prozent der bereitgestellten Summe. Grund ist häufig ein sehr aufwendiger Antrag, für den die Schulen unter anderem einen individuellen Medien-Entwicklungsplan (MEP) erstellen müssen.

Während es daran anscheinend bei vielen Schulen hapert, hat man in Sulzbach seine Hausaufgaben schon erledigt: Der MEP der Gemeinschaftsschule ist bereits genehmigt, derjenige der Realschule wird gerade geprüft. Im Rems-Murr-Kreis sind die Sulzbacher Schulen damit bei den ersten Kandidaten. Nun kann man die öffentliche Ausschreibung in Angriff nehmen, dafür hat jetzt der Gemeinderat – wegen des Versammlungsverbotes per Umlaufbeschluss – grünes Licht gegeben. Und zwar muss europaweit ausgeschrieben werden, da es sich um einen Liefer- und Dienstleistungsauftrag von über 221000 Euro handelt. „So etwas hatten wir noch nie“, sagt Sascha Reber, der als stellvertretender Kämmerer das 700000-Euro-Projekt betreut. Bei der Ausschreibung wird die Kommune von den Fachanwälten der Stuttgarter Kanzlei Iuscomm unterstützt.

Schon vor drei Jahren hatte man in der Gemeinschaftsschule mit der Planung begonnen. „Sowie das publik wurde mit dem Digitalpakt, haben wir uns Gedanken gemacht“, erzählt Schulleiter Andreas Schwarz. „Das wurde auch höchste Zeit: Ausgerecht wir in Deutschland sind ja so weit hinterher mit der digitalen Infrastruktur, zum Beispiel im Vergleich zu einem afrikanischen Land wie Algerien.“

Man überlegte, wo der Server stehen könnte, wie die Leitungen ohne allzu viel Grabarbeiten zu verlegen wären, was vom Vorhandenen zu integrieren wäre und natürlich, welche und wie viele Geräte sinnvoll wären. Immer in Abstimmung mit der benachbarten Realschule. Unzählige Begehungen habe es gegeben, mit Sascha Reber von der Gemeinde als Schulträger, dem beratenden Kreismedienzentrum und dem ortsansässigen IT-Unternehmen L-Mobile. Auf dessen Kompetenz und Zuverlässigkeit hält der Schulleiter große Stücke und hofft natürlich, dass es den Zuschlag erhalten wird. „Dank dieser Firma konnten wir schon vieles umsetzen“, berichtet der Rektor, „wir haben ja bereits einen schuleigenen Server, unsere Kinder bekommen schon lange auch digital Aufgaben gestellt, über unsere Lernplattform.“ In der aktuellen coronabedingten Bewährungsprobe bekommen nur noch die Grundschüler ausgedruckte Aufgaben zum Abholen, jede Klasse hat dafür eine eigene Box vor der Schule. Ab Klasse 5 laufe das – auch dank eines angepassten Stundenplanes – anstandslos digital ab. „Wir sind wirklich sehr zufrieden. Da haben wir zuvor schon ganz andere Dinge erlebt, selbst mit namhaften, großen Unternehmen.“ Probleme wie etwa abschmierende, überlastete Server, wie sie derzeit in manchen Schulen für geraufte Haare sorgen, kennen die Sulzbacher anscheinend nicht.

Kompetente Unterstützung erfahren die 187 Schulen im Landkreis durch das Kreismedienzentrum (früher Kreisbildstelle). Selbiges hat sich im Laufe der allgemeinen Digitalisierung vom schlichten Filmverleih zum kompetenten und vielseitigen Ansprechpartner für Medienpädagogik entwickelt. Schulnetzwerkberater Wolfram Otto, der selbst hauptberuflich Lehrer ist, hat auch die Sulzbacher bei der Planung unterstützt. Zum Beispiel bei Fragen wie: Wo kann strahlungsarm verkabelt werden? Wo braucht es WLAN? Wofür können Notebooks eingesetzt werden, wann sind Tablets sinnvoller? Wie kann die digitale Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern ohne Facebook und WhatsApp laufen, die als nicht europäische Plattformen im schulischen Bereich nicht gestattet sind?

Ralf Nentwich, Leiter des Kreismedienzentrums in Waiblingen, berichtet von einer Flut von Anfragen zu E-Learning mit Beginn der Coronakrise: „Schulen sind ja eh unser Brot-und-Butter-Job, aber da ging’s durch die Decke.“ Er freut sich über den intensiven Kontakt mit den Schulen, die sich aktuell zu Dreivierteln im Prozess des Digitalpakt-Antrages befänden und verteidigt die baden-württembergische Pflicht zur Erstellung eines durchdachten Medien-Entwicklungsplanes: „Unser Konzept dauert ein bisschen länger, ist dafür aber zielführend und nachhaltig.“ In anderen Bundesländern genüge teilweise ein ausgefülltes DIN-A4-Blatt zur Antragstellung, „aber ob das nachher auch funktioniert?!“

Schulleiter Andreas Schwarz wird ihm sicher beipflichten, denn er hat festgestellt: „Es ist doch gut, dass der Plan noch nicht umgesetzt ist, denn jetzt im Coronahärtetest zeigt sich, was sich pädagogisch wirklich bewährt.“ So werde man in Zukunft eher auf bewegliche Geräte wie Tablets und Notebooks setzen, „der klassische PC wird gerade nur für die Prüfungen gebraucht“.

Info

Im Haushaltsplan 2020 der Gemeinde sind 400000 Euro für die Umsetzung des Digitalpakts eingeplant und 300000 Euro aus dem Kommunalen Sanierungsfonds (KommSan). In beiden Programmen ist mit einer Förderung von 80 Prozent zu rechnen. Das Förderbudget von 322500 Euro (151800 für die Realschule und 170700 für die Gemeinschaftsschule) wurde vom Kultusministerium aus der Anzahl Schüler berechnet und muss bis zum 30. April 2022 abgerufen sein, sonst werden die Mittel anderweitig vergeben.

Beim KommSan wurde angemeldet und genehmigt:

– Netzwerkverkabelung sämtlicher Gebäude und Klassenzimmer am Schulzentrum

– Einbau einer neuen Serverstruktur inklusive Glasfaseranbindung

Beim Digitalpakt wurden angemeldet:

– 140 PC-Arbeitsplätze (Computerräume, Klassenräume, Verwaltung, Lehrerzimmer)

– Einrichtung eines WLANs auf dem Schulgelände

– 75 Notebooks (teils als Klassensätze, teils für Lehrkräfte)

– 60 Tablets (je 20 für Grund-, Gemeinschafts- und Realschule)

– 7 Drucker und zwei 3-D-Drucker

– 4 Beamer, 50 TV-Geräte (70-Zoll-Bildschirm) und 4 Smartboards (ersetzen die klassische Tafel)

– Installations- und Konfigurationsarbeiten

– TIMAGO-Schulnetzpaket

– Firewall und Antivirenschutz

– Softwarelizenzen

– IT-Support

Schnelles Internet als Grundvoraussetzung für funktionierende Kommunikation soll der Ausbau der Breitbandversorgung bis Mitte 2024 bringen, mit dem die Telekom GmbH beauftragt wird (wir berichteten).

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Erstellt:
28. April 2020, 06:00 Uhr

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