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Legenden umranken diese Speise

Unsere Leser haben uns ihre bevorzugten Rezepte für Maultaschen eingesendet – Klassiker mit kleinen Variationen im Trend

Maultaschen in Hülle und Fülle: Die eingesandten Rezepte unserer Leser offenbaren, dass es bei der wohl schwäbischsten aller Speisen auf gewisse Feinheiten und das richtige Händchen bei der Zubereitung ankommt– und dass sie an Beliebtheit nichts eingebüßt hat.

Das Kloster Maulbronn im Enzkreis gehört nicht nur zum Unesco-Weltkulturerbe, sondern ist der Legende nach der Ursprungsort der schwäbischen Maultaschen. Foto: Landesbetrieb Bau und Vermögen

© Guenther Bayerl

Das Kloster Maulbronn im Enzkreis gehört nicht nur zum Unesco-Weltkulturerbe, sondern ist der Legende nach der Ursprungsort der schwäbischen Maultaschen. Foto: Landesbetrieb Bau und Vermögen

Von Bernhard Romanowski

BACKNANG. Eine Siegerrezept zu küren, wäre uns mehr als schwergefallen. Zum Glück wurde der Maultaschenwettbewerb per Losentscheid geregelt. Über den Backnanger Einkaufsgutschein darf sich Margit Krauss aus Backnang freuen. Sie erhält das Präsent von uns in den kommenden Tagen per Post.

Die klassische Variante der Maultasche dominiert die Einsendungen unserer Leser. So auch bei dem Rezept der Juniorgruppe Maxibienen der Landfrauen Althütte. „Anfang des Jahres haben die Maxibienen klassische schwäbische Maultaschen gekocht“, erklärt Elfi Lex vom Betreuerteam der Maxibienen. Dazu gab es „schlotzigen“ Kartoffelsalat.

„Unsere Kids lieben das Kochen und Backen ganz besonders und sind schon echte Profis“

„Das sind die besten Maultaschen, die ich je gegessen habe“, wird Laura, eine Teilnehmerin der Juniorgruppe, von Lex zitiert. Lex: „Das Rezept stammt aus unserem eigenen Landfrauen-Kinderkochbuch, das bereits in zweiter Auflage erschienen ist. Unsere Kids lieben das Kochen und Backen ganz besonders und sind schon kleine Profis.“

Gabi Lechner aus Auenwald schreibt uns: „Ich habe es von meinem verstorbenen Vater, der es wiederum von seiner Mutter, meiner Erdmannhauser Oma, hat. Wir bereiten diese Maultaschen seit über 40 Jahren am Gründonnerstag in großer Zahl zu.“

In diesem Jahr seien es 96 Stück. Am Karfreitag komme dann die ganze Familie zum Maultaschenessen zusammen. „In meiner Kindheit fand dieses Treffen oft bei meiner Tante in Holland statt. Als wir uns einmal kurz vor dem Ziel etwas verfahren hatten, meinte mein Papa: Keine Sorge, ohne uns geht gar nichts, wir haben die Maultaschen im Kofferraum. Leider fällt dieses Jahr das Familientreffen durch Corona aus, aber Maultaschen gibt’s bei uns natürlich trotzdem“, so Lechner. Julian Kupferschmid aus Allmersbach im Tal benutzt hingegen Chilipulver zum Abrunden des Geschmacks seiner gerollten Maultaschen, ganz so, wie es er von seiner Mutter gelernt hat.

Margit Krauss macht seit 1990 Maultaschen und hat in den 30 Jahren einiges verbessert, wie sie schreibt. „Jedes Rezept wird im Büchle festgehalten mit Datum, Stückzahl und weiteren Angaben. Wenn ein runder Geburtstag im Freundes- oder Bekanntenkreis ansteht, werden Maultaschen verschenkt“, schreibt die Backnangerin.

Brigitte Balmer aus Weissach im Tal lässt uns wissen. „Vor einigen Jahren war ich einmal bei einer alten Dame zu Besuch. Sie bot mir von ihren selbst gemachten Maultaschen an. Ich fand sie superlecker. Dann sagte sie mir, dass da kein Spinat, sondern Brennnesseln drin wären. Sie gab mir dann das Rezept.“ Sie nehme aber heute lieber Biozitronen. „Und durch die Sahne schmecken die Maultaschen auch nicht so herb“, meint Balmer. Aber wie war das eigentlich noch einmal mit dem Ursprung der über den Südwesten Deutschlands hinaus so beliebten Mahlzeit? Der Legende nach sollen es Mönche gewesen sein, die ihr Fleisch klein gehackt und mit Grünzeug vermengt in Nudelteig packten, um es auch an Fastentagen – vor dem Schöpfer verborgen – genießen zu können.

„Von den Alpen bis zur Nordsee kennt man das Kloster Maulbronn als Ursprungsort der Maultaschen“

„So anschaulich die Legende von der Erfindung der Herrgottsbscheißerle auch klingt – sie stimmt an vielen Ecken und Enden nicht“, heißt es dazu von der Pressestelle der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Es bleibt aber eine gute Geschichte, die längst ihr Eigenleben entwickelt habe: „Von den Alpen bis zur Nordsee kennt man das Unesco-Denkmal Kloster Maulbronn im Enzkreis als Heimat der Urschwabenspeise“, so die Pressestelle weiter.

Aber wie sieht die historische Realität aus? Gemäß der Regel des heiligen Benedikt kamen vor allem Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte auf die Teller der Mönche. Fisch und Geflügel waren erlaubt – aber nur außerhalb der Fastenzeiten, so erläutert der Landesbetrieb weiter. „Und das waren nur ganz kurze Phasen im klösterlichen Jahr. Das Fleisch vierfüßiger Tiere hingegen war vollständig tabu und nur für Kranke zugelassen.“

Weil die Lust aufs gute Essen erfinderisch macht, versuchte man demnach immer wieder, die Regeln tatsächlich auf ganz eigene Weise zu interpretieren: Fische wurden zu Flussgemüse ernannt und waren damit auch während der Fastenzeit zugelassen; Biber wurden nach dieser Logik zu Fischen.

Völlerei und Trunksucht gehörten zu den sieben Todsünden. Hingegen war es Christenpflicht, Fremde gut zu bewirten. Das war eines der sieben christlichen Werke der Barmherzigkeit. In der Zeit, als das Maulbronner Zisterzienserkloster schon längst im Zuge der Reformation aufgelöst war, stößt man bei der Recherche auf einen evangelischen Maulbronner Abt, der sich damals als Kochbuchautor hervortat.

Bernardin Buchinger (1606 bis 1673) verfasste ein „Koch-Buch so wol für Geistliche als auch weltliche Haußhaltungen“ mit über 1000 Rezepten, die Ausdruck barocker Tafelfreuden sind. Dass man im Kloster gut zu kochen wusste, ist also keine Legende.

Gabi Lechner aus Auenwald schickte uns dieses Rezept ihrer Oma aus Erdmannhausen.

Gabi Lechner aus Auenwald schickte uns dieses Rezept ihrer Oma aus Erdmannhausen.

Diese klassische Variante der Maultasche haben die Maxibienen, die Juniorgruppe der Landfrauen Althütte, auf den Tisch gebracht. Fotos: privat

Diese klassische Variante der Maultasche haben die Maxibienen, die Juniorgruppe der Landfrauen Althütte, auf den Tisch gebracht. Fotos: privat

Auch Julian Kupferschmid aus Allmersbach geht mit Leidenschaft in der Küche zu Werke.

Auch Julian Kupferschmid aus Allmersbach geht mit Leidenschaft in der Küche zu Werke.

Die Althütter Maxibienen sind mit viel Spaß und Engagement beim Kochen und Backen dabei und lassen sich ihre Maultaschen hier mit „schlotzigem“ Kartoffelsalat schmecken.

Die Althütter Maxibienen sind mit viel Spaß und Engagement beim Kochen und Backen dabei und lassen sich ihre Maultaschen hier mit „schlotzigem“ Kartoffelsalat schmecken.

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Erstellt:
9. April 2020, 06:00 Uhr

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