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„Man fühlt sich alleingelassen“

Familie Albrecht aus Backnang hat nach einer Südtirolreise Symptome einer Erkältung – oder eben einer Coronaerkrankung

Archivfoto: B. Büttner

© Benjamin Büttner

Archivfoto: B. Büttner

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Für Betroffene, insbesondere für Reiserückkehrer aus Italien, hat das Gesundheitsministerium in Baden-Württemberg eine Verhaltensempfehlung veröffentlicht. Diese beinhaltet vor allem, sich umgehend telefonisch mit dem Hausarzt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst in Verbindung zu setzen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Wie es dann weitergeht, entscheiden die medizinischen Fachleute, im Zweifelsfall wird auch das Gesundheitsamt noch mit einbezogen. Dass dabei aber von unterschiedlichen Stellen unterschiedliche Antworten kommen können, hat Angela Albrecht aus Backnang in den vergangenen Tagen erlebt. Sie war mit ihrer Familie in Südtirol im Urlaub. Nun, nach der Rückkehr, zeigen sich bei Mann und Tochter Symptome einer Erkältung – die eben auch Symptome einer Coronaerkrankung sein könnten. Man habe im Urlaub auch Kontakt zu Personen aus der Lombardei – also einem Coronarisikogebiet – gehabt, erklärt Albrecht. „Bisher sind wir aber nicht getestet worden.“ Und es stehe nicht in Aussicht, dass das zeitnah passiert.

Verschiedene Stellen geben unterschiedliche Auskünfte

Der Hausarzt stelle sich quer, erzählt Angela Albrecht. Zum einen verfüge er nicht über die nötige Schutzkleidung, heiße es, zudem sei Südtirol ja kein Risikogebiet. „Und wenn jemand von uns positiv getestet werden sollte, müsste er ja auch seine Praxis schließen“, weiß sie. Alles in allem also wenig Grund für den Hausarzt, die Familie zu testen. Er habe geraten, erst einmal zu Hause zu bleiben. Das stellt die Albrechts aber nicht zufrieden, schließlich liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, dass sie den Coronavirus in sich tragen. „Wir tragen auch eine Verantwortung, schließlich will man ja andere nicht anstecken, sollte es so sein“, erklärt die Backnangerin ihre Motivation. Hinzu kommt, dass ihr Arbeitgeber ebenso wie der ihres Mannes angeordnet haben, die beiden mögen nicht am Arbeitsplatz erscheinen. Das Risiko wolle man nicht eingehen.

Um endlich klare Verhältnisse zu bekommen, haben sich die Albrechts zudem an das Gesundheitsamt sowie an andere Hausärzte in der Region gewandt – ohne Erfolg. Das Amt habe erklärt, der Hausarzt könne, wenn er den Test nicht selbst durchführt, die Familie an das neue Testzentrum in Schorndorf überweisen. Tat dieser aber nicht. Eine andere Hausärztin habe zwar angegeben, die Tests auf eine Coronainfektion zwar grundsätzlich machen zu können. Sie sei aber mit ihren regulären Patienten derart ausgelastet, dass sie die Albrechts nicht auch noch aufnehmen könne. „Man fühlt sich alleingelassen“, beschreibt Angela Albrecht ihren emotionalen Zustand. Klar könne sie einfach für zwei Wochen zu Hause bleiben. Oder aber dem Alltag wie gewohnt nachgehen, schließlich scheint ja von ärztlicher Seite niemand eine Gefahr darin zu sehen. Das ist der Zwiespalt, in dem sich die drei Backnanger befinden. Weitere Faktoren erschweren die Situation. „Meine Mutter hat Asthma und auch mein Vater hat eine Vorerkrankung“, erklärt Angela Albrecht. Für sie wäre eine Coronaerkrankung besonders gefährlich. „Wo ist denn Deutschland bitte gut vorbereitet?“, fragt sie im Hinblick auf eine gleichlautende Aussage des Gesundheitsministers Jens Spahn. Ihrer Erfahrung nach wisse niemand so recht, wie genau zu verfahren ist. Sie bleibe auch weiterhin im telefonischen Austausch mit den genannten Stellen, sagt Angela Albrecht. Ihre Erwartungshaltung ist seit den vergangenen Tagen jedoch sehr gedämpft.

Nachtrag der Redaktion: Wie das Landratsamt Rems-Murr mitteilt, ist die Familie inzwischen auf eine Coronaerkrankung getestet worden.

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Erstellt:
6. März 2020, 06:00 Uhr

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