Mehr als Bulette mit Salat im Brötchen

Der heutige Samstag steht im Zeichen eines der beliebtesten Fast-Food-Gerichte – dem Hamburger. Früher vor allem durch bestimmte Ketten bekannt geht der Trend mittlerweile zum selbst gegrillten Burger. Das lässt auch Gourmets nicht kalt.

Als passionierter Grillmaster präsentiert der Kirchberger Daniel Schmidt seine deliziösen Kreationen zum Besuch unserer Zeitung in seinem Zuhause. Fotos: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Als passionierter Grillmaster präsentiert der Kirchberger Daniel Schmidt seine deliziösen Kreationen zum Besuch unserer Zeitung in seinem Zuhause. Fotos: Tobias Sellmaier

Von Simone Schneider-Seebeck

Kirchberg an der Murr. In Deutschland denken viele beim Begriff Hamburger immer noch an etwas, das man von einschlägigen Fast-Food-Ketten kennt – zwei pappige Brötchen, zusammengepresstes Hackfleisch, mit etwas Glück noch ein Salatblatt und eine Tomate. Und nie sieht das Produkt, dass man letztlich in Händen hält, auch nur im Entferntesten so aus wie auf den Bildern, die Hungrige ins Innere der Burgerläden locken.

Und nun eine Offenbarung: ein richtiges Brötchen, das Rindfleisch gebettet auf knackigem Salat, aromatischer Tomate und schmackhaftem Gürkchen, so dick geschichtet, dass es sich empfiehlt, den Burger lieber aufzuklappen. Kein Wunder, dass der Hamburger – ein richtiger Hamburger wohlgemerkt – so beliebt ist, dass ihm sogar ein internationaler Gedenktag gewidmet ist. Wo dieser seine Ursprünge hat, liegt jedoch im Dunkeln. Eine Theorie besagt, dass 1992 die US-amerikanische Burgerkette White Castle als Marketing-Gag den Mai zum „National Hamburger Month“ mit besonderen firmeneigenen Aktionen erklärt hat.

Verdient hat die Köstlichkeit ihren Gedenktag auf jeden Fall – egal ob national oder international. Deshalb hat es sich Daniel Schmidt als passionierter Hamburgermacher und -esser auch nicht nehmen lassen, für diesen Anlass die Grilltonne anzuwerfen. Schon von weitem duftet es auf die Straße hinaus. Auf der heißen Platte brutzeln Speck, Bratpaprika und grüner Spargel. Und selbstverständlich auch das Wichtigste für den Gourmetburger, die Patties nämlich. Liebevoll geformt aus Hackfleisch vom Schwäbisch Haller Rind, verfeinert mit Trüffelöl und Petersilie. Der Magen knurrt.

„Einen normalen Burger kann jeder“, sagt Schmidt selbstbewusst, während er die Patties wendet. Das Grillen sei ihm schon in die Wiege gelegt worden, meint seine Mutter dazu schmunzelnd. Sein erster Berufswunsch sei Koch gewesen. An seinen ersten Hamburger kann sich der Kirchberger Stuckateurmeister nicht mehr erinnern. Aber klar ist: Seit er Vater geworden ist, kommen ihm keine fertigen Buletten mehr auf den Grill. Die macht er immer selbst. Was er denn von Fleischalternativen halte? Ein Ausdruck des Entsetzens gleitet über das Gesicht des Grillfreundes. „Ein Hamburger ohne Fleisch ist nur ein Brötchen mit Salat.“ Wobei er an Salat überhaupt nichts auszusetzen hat. Das ist ihm sogar die liebste Beilage. Pommes frites müssen es nicht unbedingt sein. Etwa alle zwei Monate stehen bei Schmidts Hamburger auf dem Speiseplan. Das heutige Rezept vereint viele verschiedene Geschmacksnoten. Das von Daniel Schmidts Frau Carina selbst gebackene Brötchen wird zunächst mit knackigem Salat und einer Tomatenscheibe belegt. Darauf wird vorsichtig der Burger mit 175 Gramm Masse drapiert. Etwas krosser Speck, eine Stange duftender grüner Spargel, darüber ein Schuss der selbst gemachten Honig-Senf-Soße und zum krönenden Abschluss ein Spiegelei.

„Mega!“, seufzt ein entzückter Gast. „Die reinste Geschmacksexplosion.“ Tatsächlich – jeder Bissen schmeckt anders. Einmal kommt die sanfte Trüffelnote durch, dann das süßliche Aroma der Soße, der feine Geschmack des zarten Spargels. Ein bisschen aufpassen muss man natürlich schon, dass einem das Eigelb nicht durch die Finger rinnt. Aber die ungewöhnliche und doch ausgesprochen aromatische Komposition macht jeden Fleck wett. Und letztlich macht das den Reiz des Hamburgeressens (und seiner vielen Verwandten) ja auch aus. Denn wem gelingt es schon, diesen Fast-Food-Klassiker zu verzehren und dabei saubere Finger zu behalten?

Köstliches Stillleben: das mit knusprigem Speck, grünem Spargel und einem Spiegelei belegte Rindfleisch, ummantelt von den Brothälften im Dialog mit gegrillten Paprikaschoten.

© Tobias Sellmaier

Köstliches Stillleben: das mit knusprigem Speck, grünem Spargel und einem Spiegelei belegte Rindfleisch, ummantelt von den Brothälften im Dialog mit gegrillten Paprikaschoten.

Ursprung des Hamburgers

Theorien Nicht nur der Ursprung des Internationalen Tages des Hamburgers liegt im Dunkeln, sondern auch die Entstehung des Hamburgers an sich. Die Website „Kuriose Feiertage“ bietet Theorien dazu an.

Vor gut 120 Jahren war in Hamburg der Snack „Rundstück warm“ beliebt, bestehend aus Brötchen mit Bratenstück und Soße oder alternativ mit Frikadelle belegt. Auswanderer sollen diesen nach Amerika mitgebracht haben. Auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis wurde angeblich dieses Gericht als „Hamburger“ angeboten.

Zu Beginn der Besiedelung Amerikas durch Europäer musste Rindfleisch importiert werden und wurde über den Hamburger Hafen verschickt. „Hamburg“ stand für Rindfleisch von guter Qualität.

Bereits 1842 soll der „Hamburger“ in einem US-amerikanischen Kochbuch erwähnt worden sein – als Steak aus Rinderhack nach „Hamburger Art“.

Aus der Not heraus: An einem Imbissstand im Örtchen Hamburg im Staat New York war das Schweinefleisch ausgegangen; man behalf sich mit Rinderhack.

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Erstellt:
28. Mai 2022, 13:12 Uhr

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