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Mehr Selbstverwaltung in Sachsenweiler?

Bürgerforum beantragt Bildung eines Ortschaftsrats für den Backnanger Ortsteil – Stadtverwaltung sieht keine Notwendigkeit

Obwohl Sachsenweiler mehr Einwohner hat als beispielsweise Strümpfelbach oder Heiningen, ist der Ortsteil nicht mit den offiziellen Stadtteilen Backnangs gleichgestellt. Einige Einwohner fühlten sich von der Verwaltung benachteiligt, heißt es von der Gemeinderatsfraktion des Bürgerforums Backnang (BfB). Sie hat deshalb einen Ortschaftsrat für Sachsenweiler beantragt.

Der Backnanger Ortsteil Sachsenweiler hat zwar mehr Einwohner als mancher Stadtteil, aber keinen Ortschaftsrat. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Der Backnanger Ortsteil Sachsenweiler hat zwar mehr Einwohner als mancher Stadtteil, aber keinen Ortschaftsrat. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. „Die Idee ist nicht auf unserem Mist gewachsen“, erklärt die BfB-Fraktionsvorsitzende Charlotte Klinghoffer. Vielmehr seien sie und vor allem Jörg Bauer, der in dem Ortsteil wohnhaft ist, von der Bevölkerung Sachsenweilers angesprochen worden. „Die Leute fühlen sich von der Stadtverwaltung vernachlässigt“, erklärt Bauer. Während die offiziellen Stadtteile mit schönen Sportanlagen aufwarten könnten, habe man in Sachsenweiler lediglich einen kleinen Bolzplatz zur Verfügung. „Das ist eine Wiese mit zwei Toren“, führt Bauer aus.

Teilortsanwalt ist für die Stadtverwaltung „probates Mittel“

Auch fehle den Menschen ein Dorfplatz, wie ihn andere Stadtteile haben, auf dem Feste und andere Veranstaltungen stattfinden können. „Sachsenweiler hat einen Dorfcharakter, bei uns gibt es eine Schule, einen Kindergarten, eine Kirche“, führt Bauer aus. „Drumherum ist aber nichts, nicht einmal eine Sitzbank.“ Und noch etwas stößt ihm sauer auf: der Zustand der Straßen im Ortsteil. Für die Stadtverwaltung sei Sachsenweiler ein „sparsames Eck“, hier werde kaum saniert. Als Beispiel nennt Bauer die Bergstraße. Diese sei eine Katastrophe, eine Holperpiste. Und an anderen Stellen sehe es nicht viel besser aus. „Da müsste die Stadt ein bisschen mehr in die Infrastruktur investieren.“

Dass die Stadtverwaltung Sachsenweiler willkürlich vernachlässige, diesen Vorwurf will Hauptamtsleiter Timo Mäule nicht gelten lassen. Gerade was die Sanierung von Straßen angehe, gebe es eine Priorisierungsliste, die nach und nach abgearbeitet werde. „Da würde es auch keinen Unterschied machen, ob es in Sachsenweiler einen Ortschaftsrat gibt, denn auch der entscheidet nicht darüber.“ In seiner Funktion als Stadtrat könne Bauer an dieser Stelle mehr bewirken. Dass Sachsenweiler keinen Ortschaftsrat hat, erklärt Mäule aus der Geschichte der Siedlung. „Jenen Stadtteilen, die früher selbstständige Gemeinden waren, hat man bei der Eingliederung einen Ortschaftsrat zugesprochen.“ Sachsenweiler sei zuvor aber ein Teilort der damaligen Gemeinde Unterweissach gewesen, keine selbstständige Gemeinde. Ihm sei nicht bekannt, dass Bürger den Wunsch nach einem Ortschaftsrat an die Stadtverwaltung herangetragen hätten, so der Hauptamtsleiter. Schließlich habe der Ortsteil mit Hans Löffler einen engagierten Teilortsanwalt. „Aus unserer Sicht ist dieses Ehrenamt ein probates Mittel.“

Auch Löffler selbst sieht keine Notwendigkeit für die Einführung eines Ortschaftsrats. „Ich habe einen guten Kontakt mit den Vertretern der Stadtverwaltung. Wenn ich mit Anliegen aus der Bevölkerung bei ihnen ankomme, werden die Probleme auch behoben“, führt er aus. Dass nicht jede Straße im Ortsteil in einem guten Zustand ist, treffe auch auf andere Stadtteile zu. „Man kann ja nicht alles sofort sanieren.“ Löffler führt auch die Bevölkerungsentwicklung in Sachsenweiler an. In den 70er-Jahren wohnten noch weit über 2000 Menschen in dem Ortsteil. Inzwischen sind es nur noch 1485 Einwohner, die Entwicklung ist also rückläufig. Wenn es rein um die Einwohnerzahl geht, liegt der Ortsteil damit zwar immer noch vor Strümpfelbach (927 Einwohner) oder Heiningen (1177), allerdings könnte auf Basis dieses Arguments auch Backnang-West mit etwa 9000 Einwohnern einen Bezirksrat beantragen, gibt Mäule zu bedenken. Er verweist auf andere Kommunen wie Esslingen, Ludwigsburg oder Stuttgart, wo in den vergangenen Jahren Ortschaftsräte abgeschafft wurden. Das liege daran, dass sich die jüngeren und neuen Einwohner vermehrt mit der Stadt identifizieren als mit einem Ortsteil.

Ähnlich dürfte die Entwicklung auch in Sachsenweiler ablaufen. Auf einen möglichen Ortschaftsrat angesprochen, fragt Löffler daher: „Wer soll es denn machen?“ Engagiert seien im Ort vor allem die älteren, das räumt auch Bauer ein, der ebenso wie Löffler im Siedlerverein Sachsenweiler aktiv ist. Dieser ist sehr um die Belange der Einwohner bemüht, sagt auch Mäule.

Was aber würde passieren, wenn der Backnanger Gemeinderat dafür stimmt, in Sachsenweiler einen Ortschaftsrat einzusetzen? Zuerst müsse die Hauptsatzung geändert werden, erklärt der Hauptamtsleiter. „Das ist ein langwieriges Prozedere.“ Neben der Ausschreibung von Wahlen müssten dann auch organisatorische Fragen geklärt werden. Wo tagt der Ortschaftsrat? Wo bekommt der Ortsvorsteher seinen Dienstsitz? Denn dessen Büro dürfe nicht privat angesiedelt sein, sonder müsse ein öffentliches Gebäude wie die Rathäuser der anderen Stadtteile sein. Da käme so einiges auf die Verwaltung zu, macht Mäule klar.

Muss es also zwingend ein Ortschaftsrat sein? „Wenn die Stadt sichtbar mehr für den Ort tun würde, würden sich die Leute damit wohl auch zufriedengeben“, sagt Bauer.

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Erstellt:
14. Januar 2020, 06:00 Uhr

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