Mehrheit der Räte votiert fürs Bürgerfest

Nach einer Umfrage unter verschiedenen Institutionen sind die Kirchberger Bürgervertreter am Zug. Bei ihrer Diskussion im Gemeinderat sprechen sich die meisten für ein Fest in der bisherigen Form aus. Vorausgesetzt, das Pandemiegeschehen macht ihnen keinen Strich durch die Rechnung.

Das Bürgerfest findet in der Regel Ende Juni statt, eine Woche vor dem Backnanger Straßenfest. Bürgermeister Frank Hornek hier bei einem Fassanstich. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Das Bürgerfest findet in der Regel Ende Juni statt, eine Woche vor dem Backnanger Straßenfest. Bürgermeister Frank Hornek hier bei einem Fassanstich. Foto: J. Fiedler

Von Ingrid Knack

Kirchberg an der Murr. 2020 und 2021 ist das Bürgerfest in Kirchberg an der Murr wie viele Feste landauf, landab coronabedingt abgesagt worden. In der jüngsten Gemeinderatssitzung ging es nun um die Haltung des Gremiums in der Frage, ob das Fest auch 2022 ausfallen, in modifizierter Form oder wie gewohnt veranstaltet werden soll. „Jetzt sollten wir gemeinsam mit den Beteiligten am Bürgerfest zu einer Meinung kommen“, sagte Bürgermeister Frank Hornek. Um es vorwegzunehmen: Die meisten Räte sprachen sich für das Bürgerfest aus, die einzige Gegenstimme kam von Gudrun Wilhelm (Freie Liste Kirchberg), Ulf Schmid (Gesundes Gemeinwesen Kirchberg) und Klaus Anstett (Bürger-Union Kirchberg) enthielten sich der Stimme.

Was sich die Vereine und Organisationen, die bisher zu den Akteuren des Fests gehörten, für dieses Jahr vorstellen, hatte die Kommune bei einer kleinen Umfrage eruiert. Über die Ergebnisse sprach Hauptamtsleiterin Hanna Selig, die zudem einige Gemeinden in der näheren Umgebung anführte, die sich bereits für ihre Traditionsfeste entschieden haben: Steinheim an der Murr, Backnang, Großbottwar und Affalterbach gehören dazu. Der Südwestdeutsche Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) Kirchberg, der CVJM und die evangelische Kirche haben sich nach den Worten Seligs dafür ausgesprochen, dass sie ein Fest nur ohne Coronaeinschränkungen für realisierbar halten. Da es aber nicht klar sei, welche Regeln im Sommer gelten, seien sie eher gegen ein Fest in diesem Jahr. Andererseits wollten sie keine Spielverderber sein, würden sich die anderen Institutionen dafür aussprechen.

Auch die Feuerwehr ist der Ansicht, dass das Bürgerfest nur ohne Coronaeinschränkungen sinnvoll ist. Sie hält es für angebracht, die Entscheidung zum spätestmöglichen Zeitpunkt zu treffen. Die Meinung des Musikvereins deckt sich mit der der Feuerwehr. Der Verein „Steckenpferd“ will jede Entscheidung, die getroffen wird, mittragen. Die Sportvereinigung schlägt ein abgespecktes Bürgerfest vor: ohne Zelte, nur mit Ständen, mit wenigen oder keinen Sitzplätzen im Außenbereich. Sie kann sich das Fest auch nur an einem (Sams-)Tag vorstellen, an dem abends dann eine Band spielt. Auch die Weingärtner favorisieren ein Fest in geänderter Form. Sie regten eine Art Biergarten an.

„Das waren keine klaren Jas, aber auch kein Nein“, fasste Hornek die Umfrageergebnisse zusammen. „Jetzt denke ich, dass wir als Gremium zumindest einmal zu einer klaren Tendenz kommen sollten.“ Denn falls das Fest stattfinden solle, müsse man rechtzeitig mit der Organisation beginnen. Nicht dass es etwa für den Samstagabend schwer werde, eine geeignete Band zu finden. „Es ist nicht so, dass wir uns die nächsten zwei Monate zurücklehnen können und dann innerhalb von 14 Tagen genau das Bürgerfest hinbringen, wie wir es gewohnt sind.“ In der Diskussionsrunde ergriff Gudrun Wilhelm als Erste das Wort. Das Bürgerfest sei ein Ort der Kommunikation, und wenn man eng beieinanderstehe und sich unterhalte, könnten die Coronaviren leicht übertragen werden. Auch mit Blick auf die hohen Inzidenzzahlen kam sie zu dem Schluss: „Für mich persönlich sind Feste ein Risiko. Ich tendiere dazu, das Fest abzusagen.“ Wer partout feiern wolle, könne ja auf ein anderes Fest gehen. Ihre Listenkollegen Martin Wolf und Manuela Vodopija gingen da nicht ganz mit. Wolf: „Das Fest ist im Freien, da schätze ich das Risiko jetzt nicht ganz so groß ein wie Frau Wilhelm. Ich würde es eher stattfinden lassen.“ Und Manuela Vodopija erklärte: „Ich denke, dass wir es nicht prinzipiell absagen sollten.“

Die Vereine sollen bei einer Absagenicht auf Kosten sitzen bleiben

Erich Drexler (Gesundes Gemeinwesen Kirchberg) schloss sich seinen Vorrednern an: „Ich würde es auf keinen Fall zu diesem Zeitpunkt absagen.“ Derselben Meinung waren auch Gerd Bärlin (Bürger-Union Kirchberg) sowie Christoph Berroth und Ulrich Jäckle (beide Unabhängige Bürgerschaft Kirchberg). Wobei ihnen wichtig war zu fordern, dass die Akteure nicht auf irgendwelchen Kosten sitzen bleiben, sollte dann doch aufgrund eines jetzt nicht vorhersehbaren Pandemiegeschehens eine Rolle rückwärts gemacht werden müssen. Horneks Haltung: „Wenn wir es durchführen, denke ich, sollte es in die Richtung gehen, wie wir es bisher gemacht haben. Ich persönlich halte nichts davon, dem Sportverein sein Zelt abzusprechen. Ich halte nichts davon, die Kelter zu verschließen. Und ich halte auch nichts davon, der Kirche ihr Cafézelt abzusprechen. Wenn, dann sollte man schon den üblichen Rahmen haben.“ So wird es vermutlich auch kommen. Wobei eine kleine, durch Corona bedingte Restunsicherheit nach wie vor bleibt.

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Erstellt:
11. April 2022, 06:00 Uhr

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