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Mehrheit für autofreie Grabenstraße

Viele Backnanger wünschen sich die Einkaufsmeile als Fußgängerzone – Händler befürchten, dass dann weniger Kunden kommen

Die Grabenstraße ist zwar Backnangs zentrale Einkaufsmeile, aber bis heute keine Fußgängerzone. Die Mehrheit der Backnanger würde die Autos gerne verbannen, wie die repräsentative Umfrage beim BKZ-Bürgerbarometer gezeigt hat. Auch im Rathaus und im Gemeinderat gibt es Sympathien für diese Idee, die Händler sind hingegen skeptisch.

Fahrende und parkende Autos stören beim Flanieren. Im Backnanger Gemeinderat denkt man deshalb über eine Fußgängerzone in der Grabenstraße nach. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Fahrende und parkende Autos stören beim Flanieren. Im Backnanger Gemeinderat denkt man deshalb über eine Fußgängerzone in der Grabenstraße nach. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Vor ein paar Jahren hat die Stadt Backnang die Autos in der Grabenstraße zählen lassen: „Pro Tag waren es etwa 3000 Fahrzeuge, zwei Drittel davon waren Durchgangsverkehr“, berichtet Stefan Setzer. Das sei viel zu viel, findet der Backnanger Baudezernent, denn eigentlich soll die Grabenstraße eine Flaniermeile sein, auf der Passanten ungestört bummeln oder sich in den Straßencafés niederlassen können. „Je weniger Verkehr wir dort haben, desto besser“, sagt Setzer. Zumal längst nicht alle Autofahrer Schrittgeschwindigkeit fahren, wie es in dem verkehrsberuhigten Bereich schon heute vorgeschrieben ist.

Die Frage ist allerdings, wie sich dieses Ziel am besten erreichen lässt. Die naheliegendste Lösung wäre, die Grabenstraße für den Autoverkehr komplett zu sperren und in eine Fußgängerzone zu verwandeln. Beim BKZ-Bürgerbarometer hatten sich 53,2 Prozent der Backnanger für diese Lösung ausgesprochen, 33,1 Prozent waren dagegen (13,7 Prozent: weiß nicht).

Stefan Setzer geht dieser Ansatz allerdings zu weit, er plädiert für eine „vernünftige Mittellinie“: „Der Bus sollte aus unserer Sicht in der Grabenstraße bleiben, auch den Taxiverkehr halten wir für wichtig.“ Schließlich gebe es dort etliche Arztpraxen, die auch für ältere Patienten gut erreichbar bleiben sollten. Außerdem müssten die Zufahrt zu privaten Stellplätzen und der Lieferverkehr zu den Geschäften weiterhin möglich sein. „Den Durchgangsverkehr wollen wir hingegen draußen halten“, sagt Setzer.

Aber wie kann das gelingen? Ein Problem sind die beiden Parkhäuser, die Zufahrten von der Grabenstraße haben, nämlich das Parkhaus Stadtmitte und die Tiefgarage der Volksbank. „Wir müssten neue Zufahrten schaffen“, sagt Setzer. Das Parkhaus Stadtmitte ist schon heute über eine Brücke an die Talstraße angebunden, für die Volksbank-Tiefgarage müsste man eine solche Zufahrt erst einrichten. Das wäre sicher nicht billig, aber auch nicht unmöglich.

Anschließend könnte man zumindest den vorderen Bereich der Grabenstraße zwischen Sulzbacher Brücke und Obstmarkt für den Autoverkehr sperren. „Wir wollen dieses Thema mit dem neuen Gemeinderat grundsätzlich diskutieren“, kündigt Stefan Setzer an. Weil es drängendere Themen gibt, soll dies aber erst im kommenden Jahr passieren.

„Wir Händler brauchen die Autos in der Stadt“

Die drei größten Fraktionen, die auch im neuen Gemeinderat eine Mehrheit haben, signalisieren aber bereits grundsätzliche Unterstützung. „Seiner hauptsächlichen Funktion nach müsste der Graben eine Fußgängerzone sein“, findet die CDU-Fraktionsvorsitzende Ute Ulfert. Sie plädiert dafür, die Variante einer Fußgängerzone zwischen Sulzbacher Brücke und Volksbank genauer zu prüfen: „Dies könnte neben der Grabenstraße sogar der aktuellen Fußgängerzone in der Uhlandstraße zu mehr Attraktivität verhelfen“, glaubt Ulfert.

Heinz Franke (SPD) erklärt, die Aufwertung des Grabens als fußgängerfreundliche Einkaufsstraße sei ein lang gehegter Wunsch seiner Fraktion. „Die große Zahl der Fahrzeuge verträgt sich einfach nicht mit der gewünschten und erstrebten Einkaufsatmosphäre“, sagt Franke. Was in der Stuttgarter Königsstraße schon lange funktioniere, müsse in Backnang „wenigstens ansatzweise auch möglich sein“, findet Franke.

Und auch die Grünen befürworten eine Fußgängerzone: „Wir brauchen eine Flaniermeile, um die Stadt auch abends attraktiver zu machen“, erklärt Fraktionschef Willy Härtner. Für Gastronomie werde die Grabenstraße wesentlich interessanter, wenn die Gäste im Straßencafé keine Abgase mehr einatmen müssten.

Skeptisch ist hingegen Charlotte Klinghoffer vom Bürgerforum Backnang. „Wir dürfen es den Menschen nicht noch schwerer machen, mit dem Fahrzeug in die Innenstadt zu kommen, sonst machen wir die Stadt komplett tot“, warnt die Fraktionsvorsitzende. Um den Suchverkehr in der Grabenstraße zu reduzieren, sollte die Stadt aus ihrer Sicht lieber mehr Parkplätze schaffen, etwa in einem neuen Parkhaus oder einer Tiefgarage an der Bleichwiese. Außerdem plädiert Klinghoffer dafür, die Parkgebühren für bis zu drei Stunden abzuschaffen.

Auch in der Händlerschaft sieht man eine Ausweitung der Fußgängerzone kritisch: „Wir Händler brauchen die Autos in der Stadt“, sagt Sigrid Göttlich, Vorsitzende des Stadtmarketingvereins. Vor allem Kunden, die nur kurz etwas erledigen wollten, würden sonst wegbleiben, befürchtet Göttlich. Diese Erfahrung habe man auch am Obstmarkt gemacht. „Wir würden uns in der Grabenstraße sogar noch den einen oder anderen Kurzzeitparkplatz mehr wünschen“, sagt die Händlersprecherin. Das Nebeneinander von Autos und Fußgängern sieht sie nicht als Problem: „Die Straße ist so breit, da bleibt noch genug Platz zum Flanieren.“

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Erstellt:
18. Juni 2019, 06:00 Uhr

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