„Meine Frau hat mich immer unterstützt“

Dankbar und zufrieden verabschiedet sich das Pfarrerehepaar Falk nach 14 Jahren im Rahmen eines Gottesdienstes am Sonntag von der Gemeinde Althütte. Nach vielen Stationen in ganz Württemberg finden die Eheleute jetzt ein neues Zuhause in Backnang.

Freuen sich auf ruhigere Tage ohne Termindruck: Eheleute Gisela und Erhard Falk sagen am Sonntag beim Gottesdienst in Althütte „Ade“. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Freuen sich auf ruhigere Tage ohne Termindruck: Eheleute Gisela und Erhard Falk sagen am Sonntag beim Gottesdienst in Althütte „Ade“. Foto: J. Fiedler

Von Florian Muhl

ALTHÜTTE. Der Ruhestand steht vor der Tür. Erhard und Gisela Falk freuen sich schon sehr auf die bevorstehende Zeit. Auch wenn es ihnen in Althütte sehr gut gefallen hat. Das Verhältnis zur bürgerlichen Gemeinde und zum Bürgermeister sei in Althütte besonders gut gewesen, sagt Erhard Falk, der seine zahlreichen zurückliegenden Stationen im Land zum Vergleich heranzieht. Und seine Frau ergänzt: „Wir hatten es überall schön. Aber hier war der Garten am schönsten.“ Die 64-Jährige blickt auf den prachtvollen Walnussbaum, den sie beim Einzug ins Pfarrhaus im Jahr 2006 haben retten können, weil dieser hätte gefällt werden sollen. Und sie schaut auf ihr Gemüsebeet, das sie sich vor 14 Jahren gewünscht hatte. So wurde die riesige Rasenfläche um einige wenige Quadratmeter reduziert, um Tomaten und Paprika, Bohnen und Zucchini wachsen und gedeihen zu lassen. Und sie schaut voller Stolz auf ihre unzähligen Topfpflanzen, eines ihrer Hobbys. Die beiden wären auch gerne im Flecken geblieben, weil es oben auf dem Berg wirklich reizvoll ist, aber in der evangelischen Kirche ist es üblich, dass der scheidende Pfarrer nicht am selben Ort wohnen bleibt. Auf was er sich im Ruhestand am meisten freut? Wie aus der Pistole geschossen antwortet Erhard Falk: „Dass ich nicht mehr 1300 Quadratmeter Rasen mähen muss.“ Der 65-Jährige schmunzelt dabei verschmitzt. Ob er es ernst gemeint hat?

Als Kind wollte er Fernsehtechniker werden. Aus diesem Grund besuchte Erhard Falk, der in Bad Urach geboren wurde und aufgewachsen ist, nach der Realschule das technische Gymnasium. Aber schon in seiner Jugend hat er sich zum Christentum bekannt. „Bei meiner Konfirmation hatte ich den Eindruck: Jetzt musst du dich fürs ganze Leben entscheiden. Ich habe dann bewusst Ja zu Jesus gesagt.“ Einige Jahre später wurde er gar als Zeuge Jehovas abgestempelt. Das war zu der Zeit, als er den Kriegsdienst verweigerte und der Prüfungskommission unendliche viele Bibelzitate als Argumente vorbrachte. Die bevorstehenden 16 Monate Zivildienst bei der Liebenzeller Mission in Bad Liebenzell sollten für Erhard Falk aus mehrfacher Hinsicht wegweisend sein. Beim Christustag an Fronleichnam, einer Veranstaltung der Lebendigen Gemeinde, fasste er den Entschluss, Pfarrer zu werden. Seinen zukünftigen Weg beschritt er nicht allein. Und das kam so: Kaum in Bad Liebenzell angekommen, gab es ein Zusammentreffen mit seinem Vorgänger, der bis dahin die Zivistelle innehatte, ein netter junger Mann aus Dinkelsbühl. Und der stürmte nach dem gemeinsamen Mittagsmahl los in die Buchhandlung der Mission und rief quer durch den Laden: „Klumpi, der ist was für dich.“

Mit „Klumpi“ meinte der scheidende Zivildienstleistende Gisela Klumpp, die gerade 19 Jahre alt geworden war und damals seit einem Jahr in der Buchhandlung arbeitete. Mit 18 war sie von zu Hause, vom badischen Mietersheim bei Lahr, „geflüchtet“, wie sie schmunzelnd bekennt. Denn sie war als einziges Mädchen zusammen mit neun Brüdern aufgewachsen und hatte oft Brüder hüten müssen. Aber jetzt, in Bad Liebenzell, war sie natürlich auf den neuen Zivi gespannt. Als sie ihn kennenlernte, hatte sie nur noch Augen für ihn. Und er für sie. Als die Freundschaft immer inniger wurde, beschlossen sie, zu heiraten. Sie ließ sich auch nicht davon abschrecken, als er ihr sagte, dass sein Beruf immer Vorrang haben werde. Zurückblickend sagt sie, dass sie seine Frage im Ohr habe, ob sie bereit sei, den Pfarrerweg mitzugehen. „Irgendwie habe ich nicht nachdenken müssen.“ Als sie beide 24 Jahre alt waren, haben sie „Ja“ zueinander gesagt. Heute meint Erhard Falk glücklich und zufrieden: „Bis zum heutigen Tag hat mich meine Frau in meinem Beruf unterstützt und das mitgetragen.“

1976 hatte er sein Abitur in Stuttgart nachgeholt, dann bis 1982 Theologie in Tübingen studiert, wobei er vom Albrecht-Bengel-Haus begleitet wurde, fand 1982 in der Lutherkirche in Eislingen an der Fils seine erste Stelle als Vikar, wurde drei Jahre später versetzt nach Rohrdorf bei Nagold als Amtsverweser, wurde dort 1987 als Pfarrer investiert, und kam dann 1992 nach Unterheimbach bei Bretzfeld. Während dieser Jahre wuchs auch die Familie an. Der älteste Sohn Martin ist mittlerweile 39 Jahre alt, Sonja ist 37, Roland und Jochen 32 und 30 und schließlich Matthias 27.

„Wie wir dann 2006 nach Althütte gekommen sind, haben wir gesagt: Wenn’s gut läuft, sind wir 14 Jahre hier bis zum Ruhestand. Und jetzt sind 14 Jahre um“, lacht Gisela Falk. Ihr Mann erinnert sich: „Bei meinem Antrittsbesuch habe ich gesagt: Ich bin kein Baupfarrer.“ Doch es kam anders. In seiner Zeit wurde die Kirche Sechselberg innen und außen saniert, ebenso das Dach und der Turm der Kirche in Althütte, der Kindergarten erhielt eine vierte Gruppe und die Vorbereitungen für die Sanierung des Gemeindehauses sind gelaufen.

Beide blicken auf eine musikalisch bewegte und aktive Gemeinde. Sie erwähnen neben dem Kirchen-, Posaunen- und Sechselberg-Chor die Jugendarbeit, den ökumenischen Besuchsdienst, die Mitternachtsvolleyballer, drei Frauenkreise und die Krabbelgruppe, die aus dem Mutter-Kind-Gottesdienst entstanden ist. Zudem gab’s jedes Jahr den Weihnachtsbasar mit Fensterbildern und Gutsle und zu Ostern die Kircheneier. – Und wie wird der Ruhestand im neuen, kleinen Heim in Backnang? „Wir haben uns beide vorgenommen, dass wir mal ein Jahr lang nichts machen müssen“, sagt Gisela Falk.

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Erstellt:
25. September 2020, 11:30 Uhr

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