Mit dem Kulturzentrum stark verbunden

Elke Vetter gestaltet die Backnanger Kunst- und Kulturwelt schon seit Jahrzehnten mit – Heute feiert sie ihren 80. Geburtstag

Elke Vetter, die heute ihren 80. Geburtstag feiert, hat das Kulturleben in der Stadt Backnang mit ihrem unermüdlichen Engagement über Jahrzehnte mit geprägt. Seit 1991 ist sie Vorsitzende der Backnanger Künstlergruppe und seit 2010 erste Verantwortliche der Freunde des Kulturzentrums Stiftshof.

Collagen sind ihre Spezialität: Elke Vetter überrascht stets mit neuen Variationen.Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Collagen sind ihre Spezialität: Elke Vetter überrascht stets mit neuen Variationen.Foto: J. Fiedler

Von Ingrid Knack

BACKNANG. Dass Backnang heute mit herausragenden kulturellen Angeboten in den verschiedensten Genres punkten kann, steht außer Frage. Das Kulturzentrum Stiftshof spielt dabei eine herausragende Rolle. Eine der (finanziellen) Klammern der dortigen Einrichtungen ist der Förderverein Freunde des Kulturzentrums Stiftshof. Taucht man in die Geschichte dieses Zentrums ein, stößt man immer wieder auf den Namen Elke Vetter. Sie gehört zu denjenigen, die die Entwicklung des Areals zum Kulturzentrum miterlebt und mitgestaltet haben.

1963 war die gebürtige Bonnerin nach Backnang gekommen, um als Lehrerin in der damaligen Mittelschule anzufangen. Zur Kunstwelt in ihrer neuen Heimat hatte sie schnell Kontakt. 1965 stellte sie mit einigen der namhaftesten Backnanger Maler zu jener Zeit wie Albert Giesa, Alois Oecker und Willy Riexinger im Max-Born-Gymnasium aus.

Kulturbotschafter

Backnangs im Ausland

Bei der Partnerschaftsfeier Mitte der 1960er-Jahre in Annonay, bei der Vetter als Sportlerin teilnahm (bei der TSG spielte sie Basketball) knüpfte sie Kontakt mit dem Künstler Georges Huggele-Vivar. Das war der Beginn des Engagements Vetters und später der gesamten, 1987 gegründeten Backnanger Künstlergruppe als Kunstbotschafter Backnangs im Ausland. Vetter war immer bei den Austauschen dabei, im Vorfeld war ihr Heim meist Anlaufstelle für den Bildertransport, den sie ohne Murren zusammen mit ein paar treuen Mitstreitern bewerkstelligte. Beim Aufbau der Ausstellungen packte die reisefreudige Künstlerin selbstverständlich mit an.

Auch Kabarett hatte es ihr angetan. Als die Kleinkunstbühne „Maulwurf“ 1981 im Fahrradkeller der Schickhardt-Realschule startete und wenig später der „Kleine Maulwurf“ im Keller des Helferhauses eingerichtet wurde, entdeckte sie ein weiteres Betätigungsfeld. Vetter war Mitbegründerin des „Maulwurfs“ und leitete den „Kleinen Maulwurf“ eine Zeit lang im Auftrag des Heimat- und Kunstvereins, bei dem sie seit 1981 Mitglied ist und zeitweise im Ausschuss tätig war. Namhafte Größen der Szene gaben sich im „Maulwurf“ die Klinke in die Hand, angefangen von Dieter Hildebrandt mit seiner Lach- und Schießgesellschaft bis hin zu Mathias Richling.

Mit drei Ausstellungen der Backnanger Künstlergruppe im damaligen Turmschulhaus 1993, 1995 und 1997 beginnt die Historie der Galerie der Stadt Backnang. Das zu jener Zeit verwaiste Turmschulhaus für Ausstellungen zu nutzen, geht auf den einstigen Kulturamtsleiter Klaus Erlekamm zurück, der in seiner Kulturkonzeption aus dem Jahr 1992 vorgeschlagen hatte, die Gebäude am Stiftshof (heute Petrus-Jacobi-Weg 1 bis 7) für kulturelle Zwecke zu nutzen, und der auch das Turmschulhaus als Ausstellungsort entdeckte. Das Besondere zu jener Zeit: Kulturschaffende und Künstler bildeten eine eingeschworene Gemeinschaft. Es herrschte so etwas wie Aufbruchstimmung. Zu den Ausstellungen der Künstlergruppe mit den Titeln „Kulturbaustelle“, „Zeit“ und „Kulturbausteine“ war Anfang der 1990er-Jahre noch ein weiterer Meilenstein hinzugekommen: 1992 zog die Backnanger Künstlergruppe in ihr Atelier ins Bandhaus ein. Spuren hinterließen Mitglieder der Künstlergruppe auch auf dem Weg der Besinnung am Ölberg. Als Backnang Hoch-Zeiten der Clownskunst in Frieder Nögges und Nina Hauns Atelier-Theater im Bandhaus erlebte, war die Backnanger Künstlergruppe mitten drin im Kunst- und Kulturgeschehen. Insbesondere Vetter hielt stets Kontakt zu den anderen Einrichtungen, man besuchte sich gegenseitig, erlebte schöne und schwere Stunden und half sich, wenn nötig, aus.

Auch als Michael Holderried mit seinem Traumzeit-Theater ins Bandhaus einzog, gab es ein respektvolles Miteinander. Noch enger war Vetter mit dem Zentrum verbunden, als sie 2010 den Vorsitz des Fördervereins Freunde des Kulturzentrums Stiftshof übernahm. Heute setzt sie sich in dieser Funktion vor allem ein, wenn es um Stiftungsgelder für das Bandhaus-Theater geht. Überdies werden mit den Mitgliedsbeiträgen, Sponsorengeldern und durch den Erlös von Aktivitäten wie dem Gutslesverkauf beim Weihnachtsmarkt, den Vetter organisiert, verschiedene Projekte auch anderer Einrichtungen unterstützt – inklusive Aktionen für Kinder. Und man erinnere sich an die heißen Diskussionen über den Umbau der Galerie der Stadt und die Skulpturentreppe. Vetter bezog stets Stellung. Für die Kunst. Manches kam anders als die Kunstschaffenden und die Künstler es sich wünschten, doch man versöhnte sich auch wieder mit den demokratisch getroffenen Entscheidungen des Gemeinderats. In jedem Fall waren diese Jahre eine aufregende Zeit für all jene, denen die Weiterentwicklung des Kulturzentrums am Herzen lag. Heute noch lässt sich Vetter zu Aufsichten in der Galerie der Stadt einteilen. Wenn sie ihre Collagen anfertigt, für die sie bekannt ist, arbeitet sie immer wieder im Backnanger Atelier. Allerdings nicht mehr ganz so mit Hochdruck wie früher. Doch sie sagt: „Mein Anspruch ist es, zu jeder Ausstellung etwas Neues zu präsentieren.“ Und Werkschauen, bei denen sie beteiligt war, gab es in letzter Zeit viele. Seit 2014 stolze 12 Ausstellungen.

Info
Verdienste auch im Sport

Elke Vetter arbeitete als Lehrerin für Kunst und Sport an der Mittelschule Backnang, die sich damals im Turmschulhaus (heute Galerie) und im Bandhaus befand, später bis 1999 an der Max-Eyth-Realschule. Seither ist sie freischaffende Künstlerin.

1966 Aufnahme beim Verband Bildender Künstler und Künstlerinnen Baden-Württemberg und 1977 in die Union freischaffender Künstler und Kunstfreunde InterArt Stuttgart, zeitweise aktiv im Beirat.

1981 Mitbegründerin des Backnanger Kleinkunstvereins „Maulwurf“, Leitung des „Kleinen Maulwurfs“.1987 Mitbegründerin der Backnanger Künstlergruppe, seit 1991 Vorsitz der Gruppe. Seit 2010 ist Vetter Vorsitzende des Fördervereins Kulturzentrum Stiftshof, bei dem sie seit 2003 Mitglied ist. Zwischen 1994 und 2002 erhielt sie von der Künstlervereinigung Ara/Annonay fünf Preise.

Mehr als 150 Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, Frankreich, England, Österreich und den USA.

Beim Neujahrsempfang 2017 erhielt Vetter den Ehrenteller der Stadt Backnang. Zuvor war ihr mit einer Porzellanplakette und 1976 mit einer Medaille für besondere sportliche Leistungen (Center-Spielerin für die TSG Backnang Basketball in der Basketball-Bundesliga nach dem Aufstieg der Mannschaft Anfang der 1970er-Jahre, Trainerin Basketball) gedankt worden. Vetter war auch Skiübungsleiterin, dieser Sport führte sie in den Hauptausschuss des Clubs Junges Europa in Steinbach.

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Erstellt:
7. Januar 2019, 06:00 Uhr

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