Moderater Zuwachs in Backnanger Fitnessstudios

Ab Januar mehr Sport zu machen ist ein beliebter Neujahrsvorsatz. Doch der anfängliche Enthusiasmus allein reicht nicht immer aus, um langfristig Erfolge zu erzielen. Fitnesstrainer aus Backnang und Murrhardt geben Tipps, wie man am Ball bleibt.

Im Fitnessclub Asahi in Murrhardt wird jeder Neukunde individuell beraten, um langfristige Trainingserfolge zu erzielen und nicht als „Karteileiche“ zu enden. Fotos: Stefan Bossow

© Stefan Bossow

Im Fitnessclub Asahi in Murrhardt wird jeder Neukunde individuell beraten, um langfristige Trainingserfolge zu erzielen und nicht als „Karteileiche“ zu enden. Fotos: Stefan Bossow

Von Carolin Aichholz

Backnang/Murrhardt. Der Vorsatz, im neuen Jahr gesünder zu leben, treibt motivierte Menschen im Januar in die Fitnessstudios. Das wissen auch die Betreiber und nutzen die Gunst der Stunde, um Neukunden mit preiswerten Angeboten langfristig an einen Vertrag zu binden. Schon für jeweils zehn Euro in den ersten beiden Monaten kann man aktuell bei einer großen Fitnesskette mit dem Training beginnen, sofern man bereit ist, einen Vertrag für ein ganzes Jahr abzuschließen. Der Preis klingt dabei zunächst verlockend, doch wer nach der fixen Idee keine eiserne Disziplin zeigt, endet schnell als sogenannte „Karteileiche“ und bleibt nach einigen Wochen Training doch lieber zu Hause auf dem Sofa sitzen.

Dieses Phänomen ist Samet Murat, Betreiber des Fitnessstudios Fit 4 Fun Sports in Murrhardt, nicht fremd. Traditionell ist der Jahresbeginn eine Hochzeit für Neukunden. „Wir haben im Januar 20 bis 30 Prozent mehr Neuanmeldungen als im monatlichen Durchschnitt“, schätzt er. Dabei betreibe er noch ein kleines Studio, bei großen Ketten vermutet er prozentual noch mehr Zulauf. Ab März flache der Ansturm wieder ab. „Viele nehmen sich am Anfang viel vor, aber kommen irgendwann nicht mehr und schaffen ihre Vorsätze nicht. Für viele andere ist es aber ein Startschuss und die ziehen es dann auch komplett durch“, so Murats Erfahrung.

Zu viel Training kann Erfolge und die Gesundheit gefährden

Stefan Armbruster leitet den Fitplus-Club in Waldrems und hat die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die im Sommer mit dem Training anfangen, noch motivierter sind als die Winterstarter. „Jetzt ist es kalt und viele wollen draußen keinen Sport machen. Aber wer im Sommer bei Hitze trainiert, der will das wirklich durchziehen“, so die Erfahrung des Fitnesstrainers. In seinem Studio beginnt nun nach und nach mehr Zulauf, bis Ende Februar erwartet er steigende Anfragen von Neukunden.

Seinen Kunden rät er stets, das Training nicht zu übertreiben. „Die Dosis macht das Gift und wer zu viel will, hält das nicht lange durch“, weiß Armbruster. Konkret bedeutet das für ihn: Am Anfang lieber zweimal in der Woche trainieren, am besten nicht an direkt aufeinanderfolgenden Tagen, um den Körper an die neue Belastung zu gewöhnen. „Und um sich damit auch genug Zeit für die Erholung und Regeneration lassen“, empfiehlt Armbruster. „Nach meiner Erfahrung wollen vor allem Männer schnelle Fortschritte sehen und überfordern sich vor allem am Anfang selbst.“ Das könne dann auch zulasten der Gesundheit gehen und statt des erwünschten positiven Effekts das genaue Gegenteil bewirken.

Das Ziel ist entscheidend

Die entscheidende Frage sei immer, welches Ziel der Kunde erreichen wolle. „Und dabei sollte man das Training als einen von mehreren Bausteinen sehen“, sagt Stefan Armbruster und ergänzt: „Die Ernährung sowie die mentale Einstellung spielen beim Trainingserfolg ebenfalls eine große Rolle.“

Disziplin sei darum in den ersten drei bis fünf Monaten wichtig, dann kämen die meisten Menschen automatisch in ihren Rhythmus und haben die neue Gewohnheit in ihren Lebensstil aufgenommen. „Und dann kommen auch die sichtbaren Verbesserungen und die Ergebnisse automatisch“, sagt Stefan Armbruster. Diese Kunden kämen dann auch regelmäßig ins Training.

Um ebenfalls dieses Ziel zu erreichen und die Leute stetig zu motivieren, haben sich auch Emre Polat und sein Team ein Konzept überlegt. In ihrem Fitnessclub Asahi in Murrhardt bekommen die Kunden seit der Wiedereröffnung nach der Coronapandemie eine ausführliche individuelle Beratung. „Bei allen Anmeldungen machen wir mit einer 3-D-Waage eine komplette Körperanalyse.“ Dabei werden gesundheitliche Daten wie Fett-, Wasser- und Muskelanteil, Umfänge und Gewichtsverteilung erfasst. Je nach Ausgangssituation wird der Kunde für eine realistische Zielsetzung beraten. Dazu wird ein passender Trainingsplan erstellt.

Leichter zu erreichende Zwischenziele fördern dauerhaft die Motivation

Nach Ablauf einer festgelegten Zeit zwischen drei und sechs Monaten wird erneut eine Körperanalyse durchgeführt und der Trainierende kann seine Fortschritte sehen. „Und mit dem Erreichen dieser Ziele bleiben die Kunden oft langfristig im Training“, sagt Emre Polat. Helfen würde zudem, den Erfolgsdruck klein zu halten, den Sport als Hobby zu betrachten und Spaß dabei zu haben. „Und schon kleine Änderungen, die für mehr Bewegung sorgen, können vieles bewirken und lassen sich einfacher in den Alltag integrieren“, so der Tipp des Trainers.

Fitnessstudiobetreiber Emre Polak rät, mit mehr Spaß an den Sport ranzugehen.

© Stefan Bossow

Fitnessstudiobetreiber Emre Polak rät, mit mehr Spaß an den Sport ranzugehen.

Für weniger erfolgversprechend hält er strikte Diäten. Diese zeigen laut Polat oft nur kurzfristige Ergebnisse. Nach dem Ende der Nahrungsumstellung rutschen viele in den berühmten Jo-Jo-Effekt ab. Wenn sich Diäten und normale Ernährungsphasen stetig abwechseln, führe das oft zu einer noch größeren Gewichtszunahme.

Das sieht Lena Bredow, die Betreiberin des Frauenfigurstudios lightlife in Backnang, ähnlich. Ihre Kundschaft besteht seit der Eröffnung vor 19 Jahren ausschließlich aus Frauen. Früher war sie auf Kundinnen, die gesund abnehmen möchten, spezialisiert, heute besuchen Frauen jeden Alters und mit allen Kleidergrößen ihr Studio. Seit der Wiederöffnung der Fitnessstudios nach der Coronapandemie kommen allerdings nur noch wenige Neukundinnen – der traditionelle Ansturm zum Jahresanfang blieb ebenfalls aus.

Große Fitnessketten drücken die Preise

Die Gründe sieht sie hauptsächlich in ihrer Preisgestaltung. Durch die umfangreiche direkte Betreuung ihrer Kundinnen könne sie mit den „Discountpreisen“ großer Fitnessketten nicht konkurrieren. „Wir haben immer noch den Anspruch, für jede Frau erschwinglich zu sein, doch auch unsere Kosten steigen stetig an. Kostendeckend arbeiten wir schon eine ganze Zeit lang nicht mehr.“

Doch die Inflation treffe auch ihre Kundinnen hart. „Hier kommen viele Frauen ab 50 Jahren aufwärts oder solche, die bereits in Rente sind. Und viele von ihnen können sich das nun nicht mehr leisten oder sparen sich zuerst die Kosten für unser Angebot.“

Kundinnen, die sich motiviert anmelden und nach einiger Zeit in der Versenkung verschwinden, gebe es bei ihr ohnehin nur wenige, sagt die erfahrene Fitnesstrainerin Lena Bredow. „Wir haben eine sehr familiäre Atmosphäre und viele Frauen genießen hier neben einem entspannten und ungestörten Training auch die Gemeinschaft und pflegen soziale Kontakte.“

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Erstellt:
9. Januar 2024, 15:00 Uhr

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