Nach Herzenslust an der Murr radeln

Seit Ende April ist er freigegeben, der neue Radweg zwischen Kirchberg an der Murr und der Schweißbrücke. Die Vollendung des Stromberg-Murrtal-Radwanderweges rückt ebenfalls immer näher.

Manuela Vodopija fährt mit ihren beiden Töchtern auf dem neuen Fahrradweg bei Kirchberg entlang. Auf dem Bild befinden sich die drei in Höhe der verlegten Murr. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Manuela Vodopija fährt mit ihren beiden Töchtern auf dem neuen Fahrradweg bei Kirchberg entlang. Auf dem Bild befinden sich die drei in Höhe der verlegten Murr. Foto: J. Fiedler

Von Simone Schneider-Seebeck

KIRCHBERG AN DER MURR/BURGSTETTEN. Nicht nur Radfahrer sind äußerst zufrieden mit der neu angelegten Strecke zwischen Kirchberg und der Schweißbrücke. Auch Inline-Skater nutzen den frischen glatten Belag, um an der Murr entlangzusausen. Und so mancher Spaziergänger schlendert den Weg entlang, der im Gegensatz zum schmalen und unebenen Fußweg an der Nordseite der Straße angenehm breit und von der Kreisstraße zumindest streckenweise deutlich entfernt ist.

Selbst eine gemütliche Pause ist hier nun möglich, ganz idyllisch auf den Steinen der neuen Uferbefestigung und lauschig unter den schattenspendenden Bäumen. Christine Cole aus Steinheim nutzt den sonnigen Samstagnachmittag, um mit Sohn Joshua und einer Bekannten die Räder auszuführen. Selbst vor der offiziellen Streckenfreigabe habe sie den Weg schon befahren, verrät sie. „Das war sogar noch schöner“, erklärt sie. „Der Radweg ist super!“ Auf alle Fälle habe es sich gelohnt, dass er nach so langer Zeit endlich fertiggestellt worden ist, darin sind sich alle drei einig. Etwas erstaunt ist Christine Cole jedoch, dass der Fußgängerweg am Nordrand der Straße nicht beibehalten worden ist. „Es wäre eigentlich schön gewesen, wenn es für die Fußgänger noch etwas extra gegeben hätte“, ist ihre einzige Kritik.

„Die Kinder sind begeistert“, sagt die Gemeinderätin Manuela Vodopija aus Kirchberg an der Murr und verrät: „Unser Ziel ist es, einmal mit den Inlinern in die Eisdiele zu fahren.“ An diesem Nachmittag ist sie mit ihren beiden älteren Töchtern aber auf dem Fahrrad unterwegs, die fleißig in die Pedale treten.

Doch sie möchte den Weg nicht nur in der Freizeit nutzen. Bereits vor dem Neubau war sie immer wieder mit dem Fahrrad ins Geschäft nach Ludwigsburg gefahren, das hat sie sich nun auch wieder für die Zukunft fest vorgenommen. Mit der S-Bahn hin und dann mit dem Rad wieder zurück. „Aber nur, wenn das Wetter mitspielt“, lacht die sportliche Gemeinderätin.

Selbst werktags ist hier einiges los. So viele Nutzer hatte es vorher entlang der Kreisstraße1834 nicht gegeben. Allein an einem bedeckten, wenn auch trockenen Donnerstagvormittag sind innerhalb einer halben Stunde zwei Rennradfahrer flott unterwegs. Einer davon hat noch ein Stückchen des Weges vor sich, sein Ziel sind 100 Kilometer an diesem Tag. Er lacht ob des erstaunten Gesichts: „In einem Jahr sind es bei mir schon mal 20000 Kilometer.“ Den neuen Radweg hat er schon öfter befahren und ist sehr begeistert von der Strecke. Besonders gut gefällt ihm die Abtrennung von Straße und Radweg, denn er sieht die Ablenkung der Autofahrer durch Handynutzung am Steuer als große Gefahr. „Es wird gerade sehr viel für Radfahrer in der Region gemacht“, lobt er. Und tritt wieder kräftig weiter in die Pedale. Kirchbergs Bürgermeister Frank Hornek zeigt sich sehr erfreut, dass ein großes Projekt nach vielen Jahren endlich seinen Abschluss gefunden hat: „Mit der Öffnung des Radweges geht ein langjähriger Wunsch der Gemeinde Kirchberg in Erfüllung. Für die Kirchberger und noch mehr für die vielen überörtlichen Radfahrer im Murrtal steht nun ein sehr schöner Radweg talabwärts zur Verfügung.“

Zirka zwei Kilometer Radweg
stehen für die Gemeinde Kirchberg nun noch zur Sanierung an.

Der rege Betrieb auf dem Radweg, auch durch Fußgänger, zeige die enorme Bedeutung von Radwegen entlang von Bach- und Flussläufen. Nun könne man nicht nur durch das schöne Murrtal fahren, sondern erhalte auch Anschluss an das Bottwartal beziehungsweise an den Neckartalradweg. Der etwa 2,1 Kilometer lange Radweg ist ein Streckenabschnitt des Stromberg-Murrtal-Radweges, der sich von Karlsruhe aus über 152 Kilometer bis nach Gaildorf erstreckt. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch noch, was den weiteren Streckenabschnitt von Kirchberg Richtung Burgstall betrifft: „Jetzt muss sich unser Blick talaufwärts zum einen auf den Bereich bis Burgstall mit der Schiebestrecke an der Geisterhöhle, aber auch darüber hinaus von Burgstall bis Backnang richten“, sagt Frank Hornek.

„Neben dem eigentlichen Bereich der Geisterhöhle stehen für die Gemeinde Kirchberg zirka 1,7 Kilometer Radweg bis zur Geisterhöhle und weitere 300 Meter Radweg nach der Geisterhöhle für eine umfassende Sanierung an.“ Diese umfangreichen Investitionen für die Gemeinde Kirchberg seien nur zu rechtfertigen, wenn der Radweg über Burgstall hinaus bis Backnang in den nächsten Jahren seine Fortsetzung finde. „Das Ziel muss ein durchgängiger Radweg von Murr bis Murrhardt entlang der Murr sein“, ergänzt Kirchbergs Rathauschef.

Momentan wird geprüft, inwiefern die Situation zumindest in Bezug auf die Schiebestrecke an der Geisterhöhle verbessert werden kann, um die Zertifizierung als Qualitätsroute weiterhin aufrechterhalten zu können. Bis zum Jahr 2022 müssen deshalb bauliche Verbesserungen in Angriff genommen oder zumindest konkrete Planungen vorgelegt werden.

Während bereits Vorschläge für eine alternative Streckenführung diskutiert wurden, rückt nun eine mögliche Sanierung der bestehenden Strecke in den Fokus. Im Zuge der Verkehrssicherung in diesem Jahr war der Weg besser zugänglich gemacht worden. Vonseiten des Landratsamts heißt es, dass „durchgängig ein qualitativ hochwertiger Belag in Form einer wassergebundenen Decke und abschnittsweise ein Holzgeländer zur Absturzsicherung hergestellt werden“ könnten.

Kürzlich fand dazu ein erstes Abstimmungsgespräch mit dem Forst, der Gemeinde Kirchberg, dem Naturschutz und der Stabsstelle Radwege statt. „In den kommenden Tagen werden die baulichen und naturschutzrechtlichen Voraussetzungen für die Maßnahme geprüft“, wie die Pressestelle des Landratsamtes im Nachgang mitteilt.

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Erstellt:
8. Juni 2021, 06:00 Uhr

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