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Natur und Abenteuer für alle

Kreisjugendring plant mit Projektpartnern dreitägige inklusive Aktion – Vorbereitungen für das Programm laufen an

Unter dem Titel Rems-Murr-Cross plant der Kreisjugendring für September eine dreitägige inklusive Aktion. Etwa 15 junge Menschen mit und ohne Einschränkung können dabei an verschiedenen Orten Natur, Landschaft und Abenteuer erleben – wandernd, radelnd oder mit dem Rolli fahrend. Das Programm wird auf die Teilnehmer abgestimmt.

Gemeinsames Outdoor-Erlebnis (von links): Marco Longobucco, Jürgen Ehrmann, Angelika Roth, Simon Maier und Renate Florl. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Gemeinsames Outdoor-Erlebnis (von links): Marco Longobucco, Jürgen Ehrmann, Angelika Roth, Simon Maier und Renate Florl. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. Angelika Roth vom Kreisjugendring hält die Fäden bei dem völlig neuartigen Projekt zusammen. Mit im Boot sind als Kooperationspartner der Schwäbische Albverein mit Renate Florl, der Deutsche Alpenverein mit Hermann Ritter und der ADFC mit Jürgen Ehrmann sowie als Experten in eigener Sache der Liegeradfahrer Marco Longobucco und Rollipilot Simon Maier vom Kreisjugendring. Die sechsköpfige Gruppe bildet das Orgateam, das jetzt bei einem Treffen im Backnanger Kreishaus der Jugendarbeit erste Ideen gesammelt und das weitere Vorgehen besprochen hat. Andere Vereine aus dem Kreis können sich dem Projekt noch anschließen. Die geplante Aktion soll von Donnerstag, 10., bis Samstag, 12. September, also am Ende der Sommerferien, stattfinden.

Bis dahin ist es noch weit. Weil die Aktion aber gemeinsam mit den Teilnehmern geplant und auf deren Möglichkeiten und Interessen abgestimmt wird, bedarf es eines entsprechenden Vorlaufs. Als erster Schritt steht deshalb ein Vorbereitungstreffen an. Es soll am Freitag, 31. Januar, um 18 Uhr in den Räumen des städtischen Seniorenbüros, Im Biegel 13, stattfinden. Eingeladen sind, wie Angelika Roth sagt, „Menschen, die Lust auf Bewegung und Natur haben“, insbesondere junge Menschen, willkommen sind aber auch Vertreter von Vereinen oder Gruppen, die sich beim Rems-Murr-Cross einbringen möchten (Anmeldung erbeten an simon.maier@jugendarbeit-rm.de). Was bereits feststeht, ist das Mindestalter der Teilnehmer: 18 Jahre, in Begleitung eines Erziehungsberechtigten ab 16 Jahren. Beim Vorbereitungstreffen sollen die Rahmenbedingungen abgeklopft werden. Da geht es dann um Fragen wie: Worauf haben die Teilnehmer Lust? Wollen sie übernachten, oder wollen sie lieber jeden Tag neu anreisen? Was ist bei der Verpflegung zu beachten?

Völlig offen ist noch, welche Routen beim Cross zurückgelegt und welche Orte angepeilt werden. Für die Radfahrer sollte es sich, wie Jürgen Ehrmann einwirft, um einfache Strecken möglichst auf geteerten Wegen handeln. Ehrmann weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass der ADFC mit finanzieller Förderung vom Landkreis im Lauf des Jahres ein Netz von Servicepunkten errichtet, die im Pannenfall bereitstehen.

Mit der Seilrutsche über eine Klinge hinweg

Hermann Ritter könnte sich vorstellen, mit Helfern vom Alpenverein an einer Station einen Erlebnisparcours anzubieten. Eine Seilrutsche über einen Bach oder eine Klinge könnte dabei den Teilnehmern einen Adrenalinkick geben.

Renate Florl vom Albverein sieht die Feenspuren im Murrhardter Wald – neu ausgewiesene Premiumwege – als eine mögliche Etappe. Die routinierte Wanderführerin kennt die Strecken und findet sie durchaus geeignet. Murrhardt hätte auch den Reiz, dass der Kreisjugendring im Teilort Mettelberg über ein eigenes Freizeitheim verfügt, in dem die Teilnehmer übernachten könnten, wie Simon Maier vorschlägt. Weitere Ideen für Ziele und Routen gibt es en masse, der ganze Landkreis solle in Betracht gezogen werden, empfiehlt Ritter.

„Der Schwäbische Wald ist groß“, weiß die routinierte Wanderführerin Florl, und es spreche, so Angelika Roth, auch nichts gegen einen Ortswechsel, etwa nach Rudersberg oder Welzheim. Auch der Ebnisee kommt in Betracht, ebenso Stetten im Remstal mit seiner 800 Meter langen „Herzoglichen Kugelbahn“, ein zur Gartenschau im vergangenen Jahr geschaffener XXL-Murmelspaß, oder mit dem Klettergarten des Alpenvereins.

Man könnte jeden Tag einen anderen Schwerpunkt setzen, lautet eine Überlegung, und man könnte Gruppen bilden, beispielsweise ein eigenes Team mit Rollifahrern. Es wäre aber auch – im Sinne der Inklusion – angebracht, dass alle jeden Tag zwei Stunden lang den gleichen Weg zurücklegen, regt Maier an. Zu klären wäre zudem, wo man jeweils wieder zusammenfindet. Deshalb müsste man, so Ehrmann, Eckpunkte festlegen, um die herum die Strecken gelegt werden. Denn nicht alles ist für jeden machbar, wie Longobucco und Maier wissen.

Die Aktion im September soll aber keine isolierte Angelegenheit bleiben. Es gelte, so Ritter, die Teilhabe von Menschen mit Handicap in die Vereine hineinzutragen und bewusst zu machen. Zudem sollen mit dem Rems-Murr-Cross Erfahrungswerte für eine mögliche Fortsetzung im kommenden Jahr gesammelt werden. Als Herausforderung ist dabei eine alpine Unternehmung angedacht.

Info
Konzept für Rems-Murr-Cross überzeugt Förderer

Zur Finanzierung des Vorhabens Rems-Murr-Cross tragen die Rems-Murr-Stiftung und die Stiftung der Kreissparkasse mit insgesamt rund 9000 Euro bei. Sie haben sich von der Konzeption überzeugen lassen:

Erfahrungen wie Teilerfolge beim Erreichen der Tagesetappe sowie Hilfe und Unterstützung über andere Teilnehmer werden erlebbar. Junge Menschen sollen so gestärkt werden, um sie auf Grenzerfahrungen und Hindernisse im Leben vorzubereiten.

Zudem ist den Initiatoren wichtig, lokale Bezüge zu schaffen: Der Rems-Murr-Kreis biete viele wunderbare Schauplätze. Lokal zu reisen liege im Trend und sei identitätsstiftend. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß – umweltschonend und CO2-sparend.

Entstanden ist das Projekt aus der Erkenntnis, dass junge Menschen mit Behinderung ihr Leben oft immer noch separiert von der restlichen Gesellschaft verbringen. Inklusion fordert aber die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen.

Junge Menschen ohne Behinderung haben auch meist wenig Kontakt zu Menschen mit Behinderung – auch dies eine Folge separierender Lebenswelten. Das fördert Ängste und erhöht die Barrieren für Menschen mit Behinderung im Alltag. Hinzu kommt, dass in der Gesellschaft Leistung, Effektivität und Optimierung einen immer größeren Stellenwert einnehmen.

Mit dem Projekt soll erreicht werden, dass junge Menschen mit und ohne Behinderung sich im Freizeitbereich begegnen und statt separierten Lebenswelten ein Raum entsteht, in dem auf ganz selbstverständliche Weise Sport- und Outdoor-Aktivitäten gemeinsam stattfinden.

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Erstellt:
16. Januar 2020, 06:00 Uhr

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