Neckar-Odenwald-Kreis prescht beim Breitbandausbau voran

dpa/lsw Buchen. Ruckzuck einen Film streamen - in vielen Gegenden ist das nicht ohne weiteres möglich, weil die Internetverbindung zu lahm ist. Politik und Wirtschaft arbeiten daran, das zu ändern. Ein Musterbeispiel könnte in wenigen Jahren in Baden-Württemberg zu finden sein.

Ein Bündel mit Umhüllungen für Glasfaserkabel hängt vor einem Wohnhaus. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Ein Bündel mit Umhüllungen für Glasfaserkabel hängt vor einem Wohnhaus. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Beim bundesweiten Großprojekt Breitbandausbau will der Neckar-Odenwald-Kreis ein Zeichen setzen und als erster Landkreis in Deutschland seine Bürger bis 2024 über Glasfaser mit schnellem Internet versorgen. Möglich werden soll das privatwirtschaftlich finanziert, also ohne Steuer- und Fördergelder. Beim Ausbau von schnellen Internet-Verbindungen gibt es regional immer noch große Unterschiede - vor allem zwischen Städten und ländlichen Gegenden.

Der Neckar-Odenwald-Kreis hat eine Werbekampagne gestartet, damit die Bürger zum Anbieter BBV wechseln, dessen Gesellschafter Infracapital dann wiederum mehr als 120 Millionen Euro in das Ausbauprojekt investieren will. Nötig für die Umsetzung des Projekts waren 13 500 Verträge. Bis Montag hatten die Menschen in der Region allerdings sogar 21 000 abgeschlossen, wie das Landratsamt mitteilte.

„Ich freue mich, dass unsere Bürgerinnen und Bürger die historische Dimension des einmaligen Angebots nicht nur erkannt, sondern auch derart beherzt genutzt haben“, erklärte Landrat Achim Brötel (CDU). „Der Neckar-Odenwald-Kreis wird zum ersten Landkreis in Deutschland, der die Glasfaser in allen 27 Kommunen ohne einen Cent Steuer- und Fördergelder erhält.“ Der Ausbau soll im Juni beginnen.

Mehr als 90 Prozent der Nutzer im Neckar-Odenwald-Kreis verfügen laut einem Sprecher des Landratsamts schon heute etwa dank Kupfer- oder anderer Technologien über Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Um langfristig auch wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden, sei eine Umstellung auf Glasfaser aber wichtig. BBV bietet beispielsweise Geschwindigkeiten von 300 Mbit pro Sekunde im Up- und Download gleichermaßen als Standard für 40 Euro monatlich bei einer vergleichsweise kurzen Vertragsdauer von einem Monat.

Laut dem Breitbandatlas des Bundesverkehrsministeriums zählt der Norden Baden-Württembergs wie etwa auch die Region um die Landeshauptstadt Stuttgart zu den besser versorgten Gegenden. In Landkreisen entlang des Bodensees wiederum zum Beispiel ist der Anteil an Haushalten, in denen eine hohe Breitbandversorgung verfügbar ist, geringer. Als sehr schnelles Festnetz-Internet gilt eine Geschwindigkeit von mehr als einem Gigabit pro Sekunde.

Mitte vergangenen Jahres hatten dem Breitbandbericht der Bundesregierung zufolge 55,9 Prozent der Haushalte in Deutschland eine solche Möglichkeit. Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur steigt der Bedarf vor allem in der Corona-Pandemie, weil die Menschen mehr daheim im Netz surfen oder Filme streamen. Das ist mit hohen Datenvolumen verbunden, die schnell übertragen werden sollten.

In Baden-Württemberg verfügen laut dem Innenministerium 93 Prozent der Haushalte über einen Internetanschluss mit einer Downloadgeschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde - über 20 Prozentpunkte mehr als noch 2015. Im Gigabit-Bereich liege der Anteil bei 55 Prozent. Digitalminister Thomas Strobl (CDU) hatte im Februar dazu gesagt, das Land könne bis Mitte des Jahrzehnts flächendeckend mit schnellen Breitbandanschlüssen fürs Internet versorgt sein. Er sprach von einer „Herkulesaufgabe“, für die von Bund, Land und Kommunen mehrere Milliarden Euro erforderlich seien.

Der Rechnungshof Baden-Württemberg hatte vergangenes Jahr beklagt, das Land habe bis Ende 2019 rund 450 Millionen Euro an Fördermitteln für den Breitbandausbau in sogenannten „weißen Flecken“ bewilligt - Gebiete, deren verfügbare Bandbreite unterhalb von 30 Megabit pro Sekunde liegt. Bis Ende 2019 hätten die Kommunen aber nur etwa ein Viertel der Mittel abgerufen. Die Rechnungsprüfer forderten eine einheitliche Breitbandstrategie mit eindeutiger Zielsetzung. Der Förderbedarf müsse laufend überprüft werden.

© dpa-infocom, dpa:210412-99-173010/4

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Erstellt:
12. April 2021, 13:23 Uhr

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