Neue Tafeln bestehen aus Jurakalkstein

Der Ersatz der gestohlenen Gedenktafeln für die Opfer des Ersten Weltkriegs auf dem Backnanger Stadtfriedhof kostet 50000 Euro

Die Gedenktafeln für die Opfer des Ersten Weltkriegs, die im Mai vergangenen Jahres vom Stadtfriedhof gestohlen wurden, sollen ersetzt werden. Diesen einstimmigen Beschluss fasste der Gemeinderat in seiner ersten Sitzung der neuen Legislaturperiode. Die Kosten für die Ersatzbeschaffung betragen 50000 Euro. Die neuen Tafeln werden nicht mehr aus Bronze bestehen. Vielmehr werden die Namen der Gefallenen und zivilen Kriegsopfer in Jurakalkstein eingraviert.

Die Gestaltung der neuen Tafeln lehnt sich an die verlorenen Originale an, was die Schrift und die Anordnung der Namen betrifft. Die Schrift wird mittels Sandstrahl in den gelben Jurakalkstein eingraviert. Auf jeder Tafel sind 31 Namen vorgesehen, insgesamt 372.  Foto: Stadt Backnang

Die Gestaltung der neuen Tafeln lehnt sich an die verlorenen Originale an, was die Schrift und die Anordnung der Namen betrifft. Die Schrift wird mittels Sandstrahl in den gelben Jurakalkstein eingraviert. Auf jeder Tafel sind 31 Namen vorgesehen, insgesamt 372. Foto: Stadt Backnang

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Es war unstrittig, dass die gestohlenen Tafeln in irgendeiner Art und Weise ersetzt werden sollten. Deshalb diskutierten die Stadträte auch gar nie um das ob, sondern nur um das wie. Der Backnanger Grafikdesigner Hellmut G. Bomm hatte mehrere Material- und Schriftvarianten ausprobiert und die Ergebnisse zuletzt dem Gremium vorgelegt. So etwa eine bedruckte Edelstahlplatte oder eine Panzerglasplatte, die von hinten bedruckt und beklebt ist, oder eine sandgestrahlte Steinplatte. Die Entscheidung fiel für die Steinplatte, und zwar in einer hellen Variante, konkret handelt es sich um gelblichen Jurakalkstein.

Erster Bürgermeister Siegfried Janocha ging nochmals auf die Vergangenheit ein. Die 14 Bronzetafeln, die im Mai vergangenen Jahres von Unbekannten gestohlen worden sind, hatten einen Materialwert von 12000 Euro. Der Wiederbeschaffungswert liegt jedoch bei 100000 Euro. Allerdings stand die exakte Nachbildung der Tafeln nie zur Debatte. Zum einen bestünde die Gefahr, dass sich Langfinger erneut über das wertvolle Material hermachen, zum anderen hatte sich die Denkmalbehörde ausdrücklich dagegen ausgesprochen, die historischen Tafeln einfach zu „reproduzieren“. Vielmehr lautete das Votum, die Stadt solle sich eine andere Form überlegen. Im Ergebnis ist es nun so, dass die Tafeln die gleiche längliche Form haben. Auf jeder sind 31 Namen aufgelistet, insgesamt also 372 Opfer des Ersten Weltkriegs. Die Neuanschaffung wurde ferner genutzt, um 54 neue Namen aufzulisten, die bisher noch nicht bekannt waren. Sie sind erst aufgrund neuerer Forschungen ermittelt worden, so Janocha. Meistens handelt es sich um Soldaten, die noch nach Kriegsende an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben sind. Des Weiteren wurde die Chance genutzt, um Rechtschreibfehler und Fehler bei den Todesdaten zu korrigieren.

Ersetzt werden alle 12 Tafeln, die in den Säulengängen der Aussegnungshalle angebracht waren. Darüber hinaus gibt es wenige Meter entfernt auch eine Gedenkstelle für die Gefallenen der Firma Adolff. Auch dort wurden zwei Bronzetafeln gestohlen. Sie werden nicht mehr ersetzt werden. Vielmehr sollen die Namen der 32 Gefallenen der Spinnerei künftig in einer Nische innerhalb der Säulengänge in Stein gemeißelt zu lesen sein.

Ute Ulfert (CDU) sprach sich für die vorgeschlagene Lösung aus, „der helle Jura ist vandalensicher und passt am Besten auf den Stadtfriedhof“. Auch Heinz Franke (SPD) signalisierte für seine Fraktion „uneingeschränkte Zustimmung, das sind wir dem Respekt vor den Kriegsopfern schuldig“. Michael Malcher (AfD) kritisierte: „Was mir gar nicht gefällt, ist, dass die beiden Steine, auf denen die Platten beim Adolff-Grab montiert waren, entfernt werden sollen. Dann ist das Kreuz dort entwertet, da kann man das auch gleich wegnehmen.“ Sein Vorschlag, die Steine nur abzuschleifen und zu belassen, stieß auch bei Janocha auf Verständnis, „ich könnte mir das vorstellen“.

Auf Nachfrage erklärte gestern Roland Idler, der Backnanger Ortsbeauftragte des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge, „wir sind mit der Wahl und dem Vorgehen einverstanden“. Idler: „Ich habe die Hoffnung, dass die Tafeln bis zum Volkstrauertag wieder angebracht sind. Aber es ist mir klar, dass die Zeit bis dahin knapp wird.“ Immerhin: Die Stadt will den Auftrag sofort ausschreiben. Ob die Umsetzung noch in diesem Jahr klappt, das hängt laut Verwaltung von den Kapazitäten der Firma ab, die nach der Ausschreibung den Zuschlag erhält.

Die Kosten für die Tafeln samt Montage betragen rund 50000 Euro. Gedeckt werden sie über 15000 Euro übrige Spenden aus der Sanierung der Friedhofskapelle, 10000 Euro aus Haushaltsresten und 25000 Euro aus der Deckungsreserve des städtischen Haushalts.

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Erstellt:
20. Juli 2019, 06:00 Uhr

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